Tourismusrekord in Bayern trotz Wirtschaftsflaute

| Tourismus Tourismus

Bayern ist bei Urlaubern und Gästen so beliebt wie nie zuvor: Das Statistische Landesamt in Fürth verzeichnete im vergangenen Jahr ungeachtet der jahrelangen Wirtschaftsflaute einen Gästerekord. Nach Berechnung der Behörde kamen insgesamt 41 Millionen Gäste nach Bayern, 0,9 Prozent mehr als im Vorjahr. «Ich kann es selbst nicht glauben, wir haben wieder ein Erfolgsjahr», sagte Agrar- und Tourismusministerin Michaela Kaniber (CSU) in München. 

Zurückzuführen war das hauptsächlich auf eine gestiegene Zahl inländischer Urlauber. Mit Ausnahme Oberfrankens stiegen die Gästezahlen in allen Regierungsbezirken. Das größte Plus verzeichneten Niederbayern und die Oberpfalz. 

Bayern bleibt im Winter auch bei wenig Schnee Urlaubsziel

Gut lief im vergangenen Jahr trotz Schneemangels vor allem die Wintersaison. Die gestiegene Zahl der Inlandstouristen führte die Ministerin auch auf die unsichere Weltlage zurück: «Vielleicht kommt bei dem einen oder anderen Reisenden auch die Frage auf, wie sicher ist ein Reiseland?»

Kaum noch russische Touristen 

Im mehrjährigen Vergleich sehr auffällig sind große Verschiebungen bei den Besuchern aus Übersee: Im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt kommen mittlerweile sehr viel weniger Russen, Japaner, Chinesen sowie Touristen aus den arabischen Golfstaaten nach Bayern. Den größten Einbruch gab es - zunächst corona- und anschließend kriegsbedingt - bei den russischen Gästen, deren Zahl im zehn-Jahres-Vergleich um knapp 84 Prozent auf nur noch 33.400 einbrach. Dagegen gab es einen wahren Besucherboom bei US-Urlaubern, deren Zahl seit 2015 um gut 41 Prozent auf knapp 1,1 Millionen gestiegen ist, ungeachtet eines kleinen Rückgangs von 2024 auf 2025. 

Oberbayern vorn

Beliebtestes Ziel blieb mit weitem Abstand Oberbayern, das 2025 von 19,6 Millionen Gästen besucht wurde - das waren mehr Besucher als in den nächsten fünf Regierungsbezirken zusammen. An zweiter Stelle folgte Schwaben (6 Mio Gäste), das mit Schloss Neuschwanstein Bayerns international bekanntestes Baudenkmal beherbergt. Dahinter lagen Mittelfranken (4,7 Mio), Niederbayern (3,2), Unterfranken (2,9), die Oberpfalz (2,2) und Oberfranken (2,1). 

Sparsam im Urlaub

Die fränkische Tourismusbranche ist insgesamt weniger zufrieden, da die Zahl der Übernachtungen in Mittel-, Ober- und Unterfranken im vergangenen Jahr leicht um 0,4 Prozent auf 23,7 Millionen zurückging. Hauptattraktion in Franken bleibt Nürnberg mit seinem Christkindlesmarkt und zahlreichen Messegästen, gefolgt vom fränkischen Weinland und der Region Romantisches Franken mit den historischen Städten Ansbach, Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl. Ziel müsse sein, die Gäste länger in Franken zu halten, sagte Angelika Schäffer, Geschäftsführerin des fränkischen Tourismusverbandes. Der durchschnittliche Übernachtungsgast bleibt demnach derzeit 2,3 Tage in Franken. 

Die Auswirkungen der langjährigen wirtschaftlichen Stagnation zeigen sich aber auch andernorts in der Tourismusbilanz: In gesamtbayerischen Saldo stieg die Zahl der Übernachtungen um bescheidene 0,2 Prozent auf knapp 103 Millionen. «Die Gäste sparen nicht am, aber im Urlaub», sagte Kaniber dazu - unter anderem in Form kürzerer Aufenthalte. «Viele Betriebe kämpfen mit den sinkenden Reisebudgets der Gäste und gleichzeitig mit den steigenden Betriebskosten.» 

Neue Tourismusstrategie in Arbeit

Verstärkt umwerben will Kaniber vor allem die Niederländer. Die Ministerin kündigte eine neue Tourismusstrategie an. Zuvor will die CSU-Politikerin erkunden lassen, ob und inwieweit ihre zwei Geschäftsbereiche - Landwirtschaft und Tourismus - wechselseitig voneinander profitieren könnten.

Leere kommunale Kassen könnten dem Tourismus schaden

Den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga besorgen einerseits die Lage der unter Umsatzrückgängen leidenden Gastronomie und andererseits die leeren Kassen der Kommunen. «Die Kommunen haben alle engere Haushalte und fangen an, touristische Ausgaben einzuengen», sagte Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Dehoga-Landesverbands.  «Das ist wirklich schlimm, weil in unseren Nachbarländern der Tourismus weiter massiv unterstützt wird.» 

Die Hälfte der Gesamtumsätze im Tourismus entfällt nach Inselkammers Worten auf die Gastgeberbranche. Ohne Hotels und Gaststätten könnten auch die übrigen Zweige der bayerischen Wirtschaft nicht vom Tourismus profitieren, argumentierte die Dehoga-Chefin. «Also wenn einer nicht übernachten kann und nicht essen und trinken kann, dann kommt er wahrscheinlich ja nicht.» (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Zum Entwurf der neuen EU-Pauschalreiserichtlinie wurde im Trilogverfahren eine Einigung erzielt. Eine erste Bewertung des Deutschen Reiseverbandes sieht Licht und Schatten: Während die Vermittlung von Einzelleistungen möglich bleibt, führen erweiterte Pflichten und unveränderte Fristen für Erstattungen zu neuem Aufwand für die Reiseunternehmen.

Die französische Compagnie des Alpes (CdA) plant, den im April 2025 erworbenen Freizeitpark Belantis in Sachsen schrittweise in den ersten Astérix-Park außerhalb Frankreichs umzugestalten. Die Transformation des Standorts in der Nähe von Leipzig soll bis 2030/31 abgeschlossen sein und eine offizielle Namensänderung beinhalten.

TUI meldet einen frühen und erfolgreichen Buchungsstart für den Sommer 2026. Besonders Griechenland setzt sich an die Spitze der beliebtesten Urlaubsziele. Der Veranstalter reagiert mit einem erweiterten Angebot für Familien, Alleinreisende und Rundreisen.

Der Tourismusverband Wonderful Copenhagen hat das neue Tourismusmodell DestinationPay vorgestellt. Das Konzept lädt Städte weltweit dazu ein, den bereits in Kopenhagen etablierten Ansatz CopenPay zu übernehmen, welcher Touristen für nachhaltiges Verhalten mit Vergünstigungen belohnt.

Nach elf Jahren soll die Marienschlucht am Bodensee im kommenden Frühjahr wieder öffnen. Die Touristenattraktion wird am 28. März bei einem «Tag der offenen Schlucht» erstmals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Neue Zahlen zum Flugsommer 2025: Während die internationalen Passagierzahlen steigen, setzen die Inlandsflüge ihren Rückgang fort. Das beliebteste europäische Reiseziel verzeichnet leichte Zuwächse gegenüber dem Vor-Corona-Niveau, während andere Mittelmeerstaaten starke Sprünge machen.

Der internationale Tourismus verzeichnete in den ersten neun Monaten 2025 ein robustes Wachstum mit über 1,1 Milliarden internationalen Ankünften. Die aktuelle Analyse der UN Tourismus zeigt eine weiterhin starke Reisenachfrage trotz anhaltender Inflation und geopolitischer Spannungen. Insbesondere Regionen in Afrika und Asien meldeten signifikante Zuwächse.

Übernachtungsrekorde in Österreich zeigen eine positive Entwicklung hin zur Ganzjahresdestination. Gleichzeitig stehen die Betriebe aufgrund steigender Kosten und geringer Margen wirtschaftlich unter Druck.

Knapp 2.000 Veranstaltungen, mehr als zwei Millionen Gäste: Ein Jahr lang war Chemnitz Kulturhauptstadt Europas. Kulturstaatsminister Weimer lobt eine kreative Aufbruchstimmung in der Stadt.

Ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum, steigende Risiken und strategische Herausforderungen im Flugverkehr bestimmen die Agenda für das kommende Jahr. Unternehmen setzen verstärkt auf Datenanalyse. So sagt es der Travel Market Report 2026 von BCD.