Tourismuswirtschaft sieht helleres «Licht am Ende des Tunnels»

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Die von der Corona-Krise hart getroffene Reisebranche hofft auf eine Besserung der Geschäftslage. Zwar stellen sich Veranstalter und Reisebüros auf ein weiteres schwieriges Jahr ein, wie der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig, am Mittwoch berichtete. «Aber das Licht am Ende des Tunnels wird heller.» Große Reiseveranstalter wie Tui oder FTI berichteten zuletzt von steigender Nachfrage vor allem für das wichtige Sommerreisegeschäft 2022. Bis die Branche das Vorkrisenniveau erreicht, dürfte es aber noch dauern. «Ein Umsatzniveau annähernd wie vor der Pandemie wird sich wohl frühestens 2023 einstellen», sagte Fiebig anlässlich der DRV-Jahrestagung.

Im zu Ende gehenden Tourismusjahr 2020/21 riss die Krise erneut tiefe Löcher in die Bilanz. Der DRV rechnet mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 von 69 Prozent oder fast zwölf Milliarden Euro bei Veranstalterreisen. Zwar zog das Geschäft nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen und dem Ende der Reisewarnungen für viele beliebte Ziele rund um das Mittelmeer im Sommer an. Doch der pandemiebedingte annähernde Totalausfall der Wintersaison zwischen November 2020 und April 2021 ließ sich damit nicht kompensieren. Der Umsatzeinbruch seit Beginn der Pandemie in Europa im März 2020 beläuft sich damit insgesamt auf etwa 24 Milliarden Euro.

Die Branche erwartet, dass Urlauberinnen und Urlauber die während der Pandemie aufgeschobenen oder ausgefallenen Reisen im nächsten Jahr nachholen werden. Fiebig sprach von einem «Wendepunkt» in den vergangenen Wochen: «Wir werden eine deutliche Belebung unseres Geschäfts sehen.»

Die Konsumlaune der Menschen in Deutschland ist zuletzt gestiegen und die Sparneigung gesunken. Seit dem Ende vieler Beschränkungen sitzt das Geld lockerer. Davon hofft die Branche zu profitieren. Das Buchungsverhalten sei allerdings extrem abhängig von der Entwicklung der Pandemie und den damit verbundenen staatlichen Maßnahmen. «Wir brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit», sagte Fiebig an die Adresse der künftigen Bundesregierung gerichtet.

Viele Sonnenhungrige sind noch verunsichert. Weil sie nicht wissen, wie es in der Pandemie weitergeht, buchen sie insbesondere Sonnenziele im Winter kurzfristig. Zudem können zahlreiche Länder noch nicht oder nur mit starken Einschränkungen bereist werden, beispielsweise Australien, Neuseeland und Indonesien.

Anders ist das Bild nach Angaben großer Veranstalter für das Sommerreisgeschäft 2022. So liegen die Vorausbuchungen bei der FTI Group hierfür bereits im hohen zweistelligen Prozentplus über denen des Sommers 2019, wie Firmenchef Ralph Schiller jüngst erläuterte. «Die Kunden empfinden den Sommer 2022 als sicher.» Branchenprimus Tui berichtete Anfang Oktober von sehr ermutigenden Buchungszahlen für den Sommer.

Die in der Reisewirtschaft befürchtete Insolvenzwelle in der Corona-Krise ist bislang ausgeblieben. «Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben wesentlich zum Überleben der Unternehmen in der Krisenzeit beigetragen», berichtete Fiebig. Er hofft, dass Veranstalter und Reisebüros ihr Geschäft wieder aus eigener Kraft betreiben können, wenn staatliche Maßnahmen wie Überbrückungshilfen und die aktuelle Kurzarbeiterregelung auslaufen. «Ich hoffe, dass sich Unternehmen effizienter, schlanker und krisensicherer aufgestellt haben.»

Sorgen bereitet der Branche der Fachkräftemangel. Dieser hat sich nach einer aktuellen DRV-Umfrage in der Pandemie verschärft. Dies sehen 70 Prozent der mehr als 550 befragten Unternehmen so. Mehr als die Hälfte berichtete zudem, dass Beschäftigte in der Krise das Unternehmen verlassen haben.

Auch die Luftverkehrsbranche überwindet in Deutschland langsam die Corona-Krise. In dem ab Sonntag (31. Oktober) geltenden Winterflugplan der Flughäfen sind 68 Prozent des Flugprogramms aus der Vorkrisenzeit wiederhergestellt, wie aus einer Auswertung des Branchenverbandes BDL hervorgeht. Im vergangenen Winter hatten die Fluggesellschaften ihr Angebot aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen deutlich zurückgefahren.

Mit Blick auf den Klimawandel hält Fiebig die Herstellung von CO2-freiem Kerosin im industriellen Maßstab für sinnvoll. «Die Technik ist da, sie muss ausgerollt werden». Zugleich betonte er, Billigflüge für beispielsweise 10 Euro «sind unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht zu vertreten.» (dpa)


 

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