Urlaubsende vorverlegt? Rechte bei geänderten Flugzeiten

| Tourismus Tourismus

Manche Urlauber wählen ihre Flugzeiten bei Pauschalreisen bewusst aus: Sie geben vielleicht etwas mehr Geld aus, um einen Rückflug am Abend zu bekommen. Damit der Urlaub entspannt ausklingt: mit gemütlichem Frühstück und noch ein paar Stunden am Pool.

Ärgerlich ist, wenn der Rückflug im Urlaub dann kurzfristig auf den Morgen verschoben wird. Nichts mit relaxtem Aufstehen und Schwimmen - stattdessen klingelt der Wecker früh und man muss direkt zum Flughafen.

Gibt es für solchen Frust wenigstens ein bisschen Geld zurück? Wie verbindlich sind die Abflugzeiten bei der Buchung einer Pauschalreise überhaupt?

Erholungseffekte an Reisetagen nicht im Vordergrund

So ein Fall sei ein Klassiker, sagt der auf Reiserecht spezialisierte Anwalt Paul Degott. Die schlechte Nachricht aus rechtlicher Sicht: Die Tage für Anreise und Abreise dienten in erster Linie der Beförderung. Erholungseffekte stünden nicht im Vordergrund. Die gute Nachricht: Voraussichtliche Flugzeiten aber muss der Reiseveranstalter dem Anwalt zufolge zumindest annähernd einhalten – auch wenn sie als unverbindlich bezeichnet werden.

«Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Flugzeitverschiebungen von bis zum 4 Stunden noch keinen Reisemangel darstellen», so Degott. Ab der 5. Verspätungsstunde hat man nach seinen Worten jedoch Rückforderungsansprüche gegenüber dem Veranstalter, und zwar fünf Prozent vom Tagesreisepreis – mit jeder weiteren Stunde sind es weitere fünf Prozent. 

Wird der Flug vorverlegt, gilt das ebenfalls. Und hier sehen Gerichte manchmal noch mehr Erstattung gegeben: Degott weist auf ein Urteil des Amtsgerichts München hin. Hier war ein Rückflug von 23.20 auf 19.50 Uhr vorgezogen worden – also um 3,5 Stunden. Den klagenden Pauschalreisenden stand laut Gericht eine Reisepreisminderung in Höhe eines halben Tagesreisepreises zu. Hier kostete die zehntägige Gesamtreise 1.664 Euro, der Tagesreisepreis betrug entsprechend 166,40 Euro.

Auch die Airline kann entschädigungspflichtig sein

Gut zu wissen: Parallel greifen eventuell auch die europäischen Fluggastrechte, zum Beispiel bei Flügen innerhalb der EU. Dann können Betroffenen je nach Flugdistanz Entschädigungen in Höhe von 250, 400 oder 600 Euro pro Passagier zustehen.

Das ist etwa bei Verspätungen von mehr als drei Stunden gegenüber der geplanten Ankunft, aber auch bei kurzfristigen Annullierungen von Flügen der Fall. Übrigens gilt ein Flug laut Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auch dann als annulliert, wenn er mehr als eine Stunde vorverlegt wird, wie Degott erklärt.

Platzt der gemütliche letzte Urlaubstag also wegen einer ungünstigen Flugverschiebung, können Urlauber zumindest darauf hoffen, etwas Geld zu bekommen. Zu beachten ist nur: Erhebt man Ansprüche gegen den Veranstalter (Reisepreisminderung) und gegen die Airline (Entschädigung), müssen die Beträge gegebenenfalls miteinander verrechnet werden. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die aktuelle Umsatzsteuerstatistik für 2024 belegt ein deutliches Umsatzplus gegenüber 2019 in allen Bundesländern. Dennoch bleibt die Zahl der Betriebe vor allem in der Hotellerie und in ländlich geprägten Regionen weiterhin deutlich hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Aktuelle Zahlen aus der Branche.

Der Krieg in Nahost verunsichert viele Urlauber. Doch wie reagieren die Deutschen? Eine Umfrage, Branchenstimmen und Einblicke aus der Region zeigen, welche Folgen der Konflikt für den Tourismus hat.

Eine aktuelle Analyse von 66 europäischen Flughäfen zeigt gravierende Unterschiede bei der Anbindung an die Innenstädte. Während Málaga und Vilnius durch Schnelligkeit und niedrige Preise überzeugen, bilden Standorte wie München aufgrund hoher Kosten das Schlusslicht im Ranking.

Eine aktuelle Untersuchung von TUI analysiert die attraktivsten Destinationen für alleinreisende Frauen. Während Finnland und Schweden das Gesamtranking anführen, zeigen sich bei Sicherheit und medizinischer Versorgung deutliche regionale Schwerpunkte innerhalb Europas und in Übersee.

Mit der Eröffnung der neuen Therme im Januar 2026 stärkt Oberstdorf seine Position als Gesundheitsdestination im Allgäu. Das 5.000 Quadratmeter große Objekt verbindet moderne Wellnessarchitektur mit der alpinen Natur und schafft ein wetterunabhängiges Angebot für Aktivurlauber und Einheimische.

Ist Übertourismus in Bayern eine Krise oder ein Managementfehler? Eine neue Studie des BZT zeigt, wie Reisende ihr Verhalten ändern und welche Strategien Gemeinden von Grainau bis München verfolgen, um die soziale Akzeptanz des Tourismus zu sichern.

Veranstalter sagen Reisen in die Krisenregion oft nur mit wenig Vorlauf ab - oder bieten Umbuchungen an. Was bedeutet das für Reisewillige, auch mit Blick auf Ostern und den Sommer?

Über 93 Prozent der Hundehalter verreisen nur mit ihrem Tier. Eine aktuelle Datenerhebung zeigt, welche Regionen in Deutschland und Europa das Ranking 2026 anführen und warum das Ferienhaus dem Hotel meist vorgezogen wird.

Nach 35 Jahren Stillstand investiert Dresden Millionen in die Wiedereröffnung des Fernsehturms. Bis 2030 soll das Bauwerk samt seinem ehemaligen Restaurantbereich saniert und durch digitale Technik modernisiert werden.

Der hessische und der bayerische Teil des Spessarts wollen im Tourismus-Marketing künftig über die Landesgrenzen hinweg eng zusammenarbeiten, um mehr Gäste in die Urlaubsregion zu holen. Was sich durch die neue Marke und das einheitliche Marketing für Gäste ändern soll.