Zwei Jahre Unesco: Naumburger Dom zieht mehr Gäste an

| Tourismus Tourismus

Der Naumburger Dom hat im vergangenen Jahr fast 148.000 Besucher angezogen. «Mit Sicherheit haben wir den Anstieg dem Unesco-Welterbetitel zu verdanken», sagte der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, Holger Kunde, in Naumburg. Im Sommer 2018 erhielt die Kathedrale als einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Architektur und Kunst die weltweit bedeutende Auszeichnung des Unesco-Komitees. Die Besucherzahlen schnellten seitdem in die Höhe. Im Vergleich zu 2017 - dem Jahr vor dem Titel - hätte sich die Gästezahl 2019 um 16 Prozent gesteigert, sagte der Stiftsdirektor. Die Corona-Krise traf die Region zwar hart - aber der Optimismus blieb.

«Die Gäste haben sich sehr gefreut, dass der Naumburger Dom wieder geöffnet ist», sagte die Sprecherin der Vereinigten Domstifter, Charlotte Tennler, mit Blick auf die Wiedereröffnung vor rund einem Monat. Die rund achtwöchige Schließung habe die Domstifter allerdings schwer gebeutelt. In diesem Jahr kamen bislang nur rund 20.000 Besucher. Bis zum Jahresende könnten es schätzungsweise 55.000 Gäste werden. Die Domstifter rechneten mit schweren finanziellen Einbußen. Dennoch: «Wir bleiben optimistisch», so Tennler.

Der Unesco-Titel habe dem Dom und der kleinen Stadt Naumburg, im Süden von Sachsen-Anhalt, in den vergangenen zwei Jahren zu mehr Bekanntheit verholfen - auch bei Touristen aus dem Ausland. «In unseren Führungen und im Audioguide gehen wir immer auf den Titel ein und erläutern warum der Naumburger Dom Unesco-Weltkulturerbe geworden ist», erklärte die Sprecherin. Das Interesse an dem Thema sei groß.

Laut der Deutschen Unesco-Kommission ist vor allem der Westchor des im 13. Jahrhundert erbauten Doms mit Architektur, Skulpturen und Glasmalereien ein Gesamtwerk der Werkstatt des sogenannten «Naumburger Meisters». Wer der Steinbildhauer aus dem Mittelalter war, ist bis heute unbekannt. Zu den Besonderheiten der Kathedrale gehören auch die zwölf Stifterstatuen - darunter die Statue der Uta von Ballenstedt und ihres Mannes Ekkehard II., Markgraf von Meißen.

Der Unesco-Titel wirke sich auch positiv auf die Tourismusbranche aus. «Der Welterbegast besucht nicht nur das Welterbe, sondern verweilt auch», sagte der Präsident des Landesverbandes im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Michael Schmidt. In die Cafés und Restaurants der Stadt kämen in den vergangenen Jahren mehr Gäste. Auch die Hoteliers spürten einen stetigen Zuwachs. Die Länge der Aufenthalte nehme zu. «Viele Gäste nutzen den Besuch des Welterbes, um auch die Umgebung zu erkunden», erklärte Schmidt. Die Weinberge entlang der Saale und Unstrut, die Radwege und die Straße der Romanik würden ein «schönes Paket an Aktivitäten» ergeben.

Die Corona-Krise habe die Touristiker in den vergangenen Wochen zwar um viele Einnahmen gebracht. «Die großen Reisegruppen fehlen immer noch», sagte Schmidt. Im Tagestourismus gehe es allerdings wieder aufwärts. Es gebe Hoffnung, dass aufgrund der Beschränkungen viele Menschen in diesem Jahr in der Heimat Urlaub machten und auch Naumburg besuchten. Der Dehoga-Präsident zeigte sich optimistisch, dass es die Gastronomen und Hoteliers aus der Corona-Krise schaffen würden.

Sachsen-Anhalt hat mit dem Dom insgesamt fünf Stätten, die von der Unesco zum Welterbe der Menschheit erklärt worden sind. Dazu gehören Quedlinburg, die Lutherstätten, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und Dessaus Bauhausstätten. Diese Dichte an Welterbestätten in einem Land gilt bundesweit als einmalig. Deutschlandweit gibt es 46 Unesco-Orte, darunter die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb, das Wattenmeer und die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří - ein gemeinsamer grenzüberschreitender Antrag mit der Tschechischen Republik. Weltweit tragen den Angaben nach 1121 Stätten den Titel. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Erneut sind Mallorquiner gegen den Massentourismus auf die Straße gegangen. Nur zwei Wochen nach der großen Kundgebung in Palma gegen den aus Sicht vieler Insulaner überbordenden Tourismus, fand die neue Demo nun in der Stadt Sóller statt.

Die Robinson Club GmbH registriert eine Veränderung beim Luxusverständnis deutscher Reisender. Demnach definieren viele Befragte Luxus im Urlaub primär über Zeit, Erholung sowie die Entlastung von alltäglichen Pflichten.

Die weltweiten Ausgaben für Geschäftsreisen steigen im Jahr 2026 voraussichtlich auf den Rekordwert von 1,56 Billionen Euro, während die Zahl der Reisen nur leicht zunimmt.

Ob Spirituosen, Korallenschmuck oder Designer-Kopien: Wer Souvenirs aus dem Urlaub mitbringen möchte, sollte wissen, was er tut. Sonst kann es bei der Einreise Probleme geben.

Der Deutsche Alpenverein meldet auf zahlreichen Berghütten in den Alpen akute Wasserknappheit. Auf einzelnen Hütten muss Trinkwasser bereits per Hubschrauber geliefert werden, während der Verband zu umfassenden Sparmaßnahmen aufruft.

Lufthansa kämpft mit teurem Kerosin und Streiks. Chef Spohr hält nun sogar einen Gewinnrückgang im Gesamtjahr für möglich und kündigt weiterhin hohe Ticketpreise an.

Bahnreisen blieben für Fahrgäste im Juli eine Geduldsprobe: Mit 52,6 Prozent war lediglich etwas mehr als die Hälfte der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Im Vergleich zum Vormonat blieb die Quote damit unverändert.

Am Mittelmeer werden für Schirme und Liegen teils horrende Preise verlangt. An einigen Stränden Italiens gehen die Behörden neuerdings dagegen vor, auch wegen der EU. Aber die alten Kräfte wehren sich.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus lädt Ende September zu einem hochrangigen Fachtreffen mit US-Entscheidern an den Bodensee ein, um Trends im amerikanischen Reisemarkt zu analysieren.

Der Sächsische Weinwanderweg verbindet die Betriebe der zweitkleinsten deutschen Weinregion, die nach schwierigen Jahren zu DDR-Zeiten eine Renaissance feiert. Vor allem der Schaumwein startet durch.