Urteil im Rulantica-Prozess: Der Fall und die Folgen

| War noch was…? War noch was…?

Hier können wohl alle Eltern mitfühlen: Im Freibad ist das eigene Kind plötzlich nicht mehr zu sehen. Es folgt eine hektische und immer verzweifeltere Suche zwischen Becken, Rutschen und Liegestühlen, der Name des Kindes wird gerufen. Mit jeder Minute, die ohne ein Lebenszeichen vergeht, wächst die Angst – und die quälende Frage drängt sich auf, ob in diesem Augenblick etwas Schlimmes geschieht.

So muss es den Eltern des damals sechs Jahre alten Mädchens gegangen sein, das im August 2025 aus dem Wasserpark Rulantica beim Europa-Park im südbadischen Rust verschwand. Der Mann, der es nach eigener Aussage aus dem Schwimmbad gelockt und sexuell missbraucht hat, ist nun vom Landgericht in Freiburg zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. «Eine sehr, sehr heftige Tat, die ich so als Richter noch nicht erlebt habe», sagte der sichtlich betroffene Kammervorsitzende in seiner Urteilsbegründung. 

Eltern waren nur wenige Meter entfernt 

Der Fall sorgte im vergangenen Sommer für bundesweites Aufsehen: Der 31-Jährige, der unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt wurde, hat eingeräumt, das Mädchen im Bad angesprochen und ihm Hilfe angeboten zu haben - während die Eltern mit dem zweiten, noch jüngeren Kind nur wenige Meter entfernt waren. Dann führte er das Mädchen laut Gericht aus dem Bad und in ein nahes Maisfeld, um es zu missbrauchen. 

Als es sich dort immer wieder wehrte, warf es der Mann in ein Gebüsch an einer Straße und ließ es allein zurück. Erst Stunden später wurde das Mädchen mehrere Kilometer vom Bad entfernt entdeckt – verletzt, verängstigt und nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet. 

Was der Angeklagte einräumt 

Vor dem Landgericht hatte der Rumäne zum Prozessauftakt die Vorwürfe eingeräumt. «Ich bereue sehr, dass das geschehen ist. Ich kann mir auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte», hatte er über seinen Anwalt erklären lassen. Er habe vor der Tat Drogen genommen und im Schwimmbad viel Alkohol getrunken. Nach dem Missbrauch war der Mann untergetaucht und eine Woche später in seiner osteuropäischen Heimat festgenommen worden. 

Was die Eltern kritisierten 

Im Prozessverlauf hatte der Vater des Mädchens den Europa-Park als Betreiber des Bades wiederholt scharf kritisiert. Gleich mehrfach hätten die Eltern nach dem Verschwinden ihrer jungen Tochter an jenem August-Abend das Personal des Bades um Hilfe gebeten - erfolglos, sagte der Vater im Prozess aus. Auf die Bitte, die Polizei zu rufen, habe er nur die Antwort bekommen: «Das können Sie selbst machen.» Auch die Security und die Kasse am Ausgang wurden nach Aussage der Eltern nicht alarmiert. 

Hätte man frühzeitig reagiert – so der Vorwurf der Eltern –, wäre das Mädchen wahrscheinlich noch entdeckt worden, denn der Angeklagte soll das Bad mit seinem Opfer erst nach einer Stunde verlassen haben. 

Was der Europa-Park geändert hat

Der Europa-Park teilte bislang auf Anfrage mit, man äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren. Nach der Tat seien die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Unter anderem soll ein neues Armband in Rulantica Eintritt und Austritt ermöglichen, das Schließfach kann damit genutzt und es kann bargeldlos bezahlt werden. 

«Optional lassen sich mehrere Armbänder im Familienverbund koppeln, so dass der Auslass für Minderjährige nur möglich ist, wenn zuvor ein Erwachsener aus derselben Buchung das Drehkreuz passiert hat», sagte ein Sprecher. 

Videoaufzeichnungen aus dem Bereich des Rulantica-Ausgangs zeigen, dass der Angeklagte das Bad mit dem Kind völlig ungehindert verlassen konnte. Er hatte dem Mädchen sein Band umgelegt und behauptet, das eigene verloren zu haben. Eine Mitarbeiterin soll ihm nach Angaben von Anwalt Thorsten Schulte-Günne, der das Mädchen und seine Eltern vertritt, sogar bei Problemen mit dem Drehkreuz assistiert haben. «So wäre auch die neue Technik ausgehebelt worden», sagte er.

Wie Eltern und Tochter noch heute leiden 

Für die Eltern ist der Fall noch lange nicht vorbei. «Sie empfinden es so, dass ihre Tochter und sie lebenslang bestraft sind», sagte ihr Anwalt. «Da ist noch eine ganze Menge therapeutische Hilfe notwendig. Das Mädchen sei «als Zufallsopfer aus dem Leben gerissen worden». 

Auch der Richter stellte heraus: «Die Geschädigte leidet bis heute erheblich unter der Tat.» Früher lebensfroh und zutraulich, sei sie nun ausgeprägt ängstlich, habe ihre kindliche Unbeschwertheit verloren. Der Vater sei seit der Tat arbeitsunfähig, die Familie habe starke finanzielle Sorgen.

Wird es Gespräche mit dem Europa-Park geben?

Nach Angaben von Anwalt Schulte-Günne sind Vater und Mutter weiter zu Gesprächen mit dem Europa-Park bereit. Ziel müsse es sein, das Sicherheitskonzept zu verbessern. Es solle um klare Alarmketten ebenso gehen wie um geschultes Personal und verbindliche Reaktionen. Der Anwalt kritisierte zudem die Eigentümer des Parks: «Es wäre zu wünschen, dass sich ihre persönliche Betroffenheit über die mögliche Furcht vor einem prozessualen Risiko hinwegsetzt», sagte er. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

In einem Hotel in Oklahoma stürzte nach einem massiven Wassereintritt die Decke des Speisesaals ein. Videoaufnahmen von Gästen zeigen den Vorfall, der sich während einer extremen Kältewelle ereignete. Verletzt wurde niemand, die genaue Ursache wird noch untersucht.

Acht Kegelbrüder aus dem Münsterland wird vorgeworfen, für den Brand einer Kneipe auf Mallorca verantwortlich zu sein. Nun bekommen sie mehr als 368.000 Euro Kaution zurück – doch die Staatsanwaltschaft fordert weiter sieben Jahre Haft.

Der mutmaßliche Entführer der Block-Kinder hat vor dem Landgericht Hamburg angekündigt, angeblich falschen Darstellungen zum Tatablauf entgegentreten zu wollen. Dies sei der Grund, warum er sich zu einer Aussage in Deutschland entschlossen habe.

Er gilt als Drahtzieher der Entführung der Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24. Nun hat der Chef einer israelischen Sicherheitsfirma vor Gericht erklärt, warum er für eine Aussage zurückkehrte.

Kein vorgezogener April-Scherz - McDonald’s setzt zum Valentinstag auf eine ungewöhnliche kulinarische Kombination. Das Unternehmen bringt limitierte Pakete heraus, die Chicken McNuggets mit hochwertigem Kaviar zusammenbringen. Die Aktion findet ausschließlich im digitalen Raum statt und ist nicht über die stationären Filialen verfügbar.

Die IST-Hochschule für Management stellt am 24. Februar 2026 ihr flexibles Fernstudienmodell in einer Online-Infoveranstaltung vor. Das Angebot umfasst Details zu Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Informationen zur Vereinbarkeit von Studium und Beruf.

Vom NDW-Star zum Hotelier: Der Sänger Markus Mörl (Ich will Spaß) übernimmt gemeinsam mit seiner Familie ein Landhotel in Assmannshausen am Rhein. Die Dokumentation „Raus aufs Land“ zeigt ab Ende Januar, mit welchen finanziellen und baulichen Hürden der Künstler bei seinem Branchenwechsel zu kämpfen hat.

Zwischen Mehlstaub und Stoppuhr arbeitet Lilly Jahn aus Frankfurt jedes Wochenende an ihrem großen Ziel: der Bäcker‑Weltmeisterschaft in Taipeh. Ihr größter Gegner? Die Zeit.

Tränen, verzweifelte Großeltern und ein Angeklagter, der seine Einlassung in einem wichtigen Punkt korrigiert. Der 34. Tag im Block-Prozess war wieder voller Emotionen und überraschender Wendungen.

Acht Kegelbrüder aus dem Münsterland sollen nach einem Brand auf Mallorca für sieben Jahre ins Gefängnis. Ihnen wird vorgeworfen, vom Balkon ihrer Hotelzimmer brennende Zigaretten und Alkohol auf das Schilfdach einer Kneipe geworfen zu haben, das in Brand geriet.