Zeugen beeinflusst? Block-Anwalt will Verfahrens-Einstellung

| War noch was…? War noch was…?

Die Verteidigung der angeklagten Unternehmerin Christina Block hat die Einstellung des Verfahrens um die Entführung der Block-Kinder beantragt. Eine objektive Wahrheitsfindung sei nicht mehr möglich, sagte Anwalt Ingo Bott zum Auftakt des 33. Prozesstages im Landgericht Hamburg. Das sogenannte Block-Verfahren sei «einmalig». Live-Ticker und Informationen aus den Akten, die sofort an die Presse weitergegeben würden, machten unbeeinflusste Zeugenaussagen unmöglich.

Blocks Verteidiger stellte klar: «Es ist wichtig, dass Pressearbeit stattfindet.» Die Presse mache nur ihren Job. «Sie nutzt den Spielraum, den man ihr gibt», sagte Bott. Was ihn störe sei, dass Inhalte aus Akten und Aussagen sofort an Medien weitergeleitet würden, noch bevor sie in der Hauptverhandlung Thema seien.

Verteidiger: Zeugenaussagen werden zur «Gruppenarbeit»

Zeugen passten sich der Medienberichterstattung an und stimmten sich untereinander ab, kritisierte Bott. Gerade die Aussagen der Zeugen aus Israel würden so zur «Gruppenarbeit».

Die Live-Ticker mehrerer Medien hätten es Zeugen ermöglicht, Aussagen anderer Zeugen unmittelbar vor der eigenen Befragung zu kennen, meinte der Verteidiger. Jeder Zeuge erhalte dadurch eine Art Anleitung, wie er die Wahrheit anpassen müsse. «Der Prozess implodiert geradezu», sagte der Rechtsanwalt. Ein gerechtes Urteil sei nicht mehr möglich.

Anklagebehörde: Keine Infos vorab an die Presse gegeben

Die Staatsanwaltschaft betonte anschließend, die Anklagebehörde habe sich nicht an der Weiterleitung der Informationen beteiligt. Die Anwältin Gül Pinar, die einen der sechs Mitangeklagten verteidigt, bezweifelte das. Erst habe sie die Nebenklage verdächtigt, doch bestimmte Informationen könnten nur aus der «Sphäre» der Staatsanwaltschaft kommen, meinte sie.

Eine Entscheidung der Kammer zu dem Antrag steht noch aus. Ein anderer Verteidiger sagte, eine Möglichkeit sei auch, die Öffentlichkeit in bestimmten Prozessphasen auszuschließen.

Blocks Kinder wurden vor zwei Jahren entführt

Die Unternehmerin Christina Block (52) ist angeklagt, den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder gegeben zu haben. Die Tochter von Eugen Block, dem Gründer der Steakhaus-Kette «Block House», bestreitet das. Der damals zehnjährige Sohn und die 13 Jahre alte Tochter von Christina Block waren in der Silvesternacht 2023/24 am Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark entführt und schließlich nach Hamburg gebracht worden.

Vater hatte Kinder 2021 nicht zur Mutter zurückgebracht

Vorausgegangen war ein jahrelanger Sorgerechtsstreit. Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Er hatte damals Gewaltvorwürfe gegen die Mutter erhoben, die diese bestreitet.

Die israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll, habe auf eigene Faust gehandelt, hatte Block in ihrer Aussage erklärt. Das Unternehmen sei engagiert worden, um die Cybersicherheit eines zur Block-Gruppe gehörenden Luxus-Hotels zu verbessern.

Der Chef dieser Firma hat im Prozess als Zeuge ausgesagt und Block vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen. Der 68-Jährige betonte, Block sei sehr wohl über die Möglichkeit informiert gewesen, die Kinder vom Vater aus Dänemark mit einem Auto zurück zu ihr nach Deutschland zu bringen.

Der Zeuge gilt als Kopf der Entführer. Die Staatsanwaltschaft suchte ihn mit Haftbefehl. Für seine Aussage in dem laufenden Prozess gewährte ihm die Behörde sicheres Geleit. Er soll an weiteren Verhandlungstagen vernommen werden.

Hensel ist Nebenkläger in dem Prozess, war an diesem Verhandlungstag aber nicht anwesend. Angeklagt wegen Beihilfe ist Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (66). Er bestreitet ebenfalls, etwas Unrechtes getan zu haben.

Prozess könnte bis Ende 2026 dauern

Derzeit sind im Prozess Termine bis Ende Juni festgelegt - dann würde das Verfahren bereits ein Jahr gehen. Nun wurde bekannt, dass es noch länger dauern könnte.

Verteidigerin Pinar erklärte vor der Strafkammer, sie habe eine Anfrage beantworten sollen, ob die Verteidigung vom 1. Juli bis zum 31. Dezember dieses Jahres zur Verfügung stehe. Eine Gerichtssprecherin wollte sich zu einer möglichen Verlängerung noch nicht äußern.

Anwältin: Verfahren gegen Security-Mitarbeiter abtrennen

Pinars Mandant soll als Geschäftsführer einer Hamburger Security-Firma dafür gesorgt haben, dass das Haus von Christina Block Anfang 2024, als die Kinder zu ihr zurückkamen, abgeschirmt wird. Die Verteidigerin hat erklärt, dass ihren Mandanten keine Schuld treffe. Sie erneuerte ihre Forderung, das Verfahren gegen den 58-Jährigen abzutrennen. Selbst bei einer Verurteilung wäre die Verfahrensdauer unverhältnismäßig.

Der Verteidiger des ebenfalls angeklagten Familienanwalts von Block, Marko Voß, stellte erneut einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin. Darüber müssen andere Richter zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

In Deutschland kommen sie selten auf den Teller, in Frankreich gelten sie als Leckerbissen. Doch die Hitze hat auch den Schnecken zu schaffen gemacht. Drohen Engpässe beim Festtagsgericht?

Mehr als 30 Menschen klagen in einem Hotel in Weibersbrunn über Magen-Darm-Beschwerden. Die Rettungskräfte werden gerufen. Ins Krankenhaus muss am Ende aber niemand. Unklar ist noch die Ursache.

Darf das Tagebuch der Angeklagten Christina Block verwertet werden? Über diese Frage wird im Landgericht Hamburg gestritten. Die Argumente der verschiedenen Parteien.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen kommen bei einem Hotelbrand in Westbengalen Menschen ums Leben. Diesmal ist die Millionenstadt Kolkata betroffen.

Mehr als 30 Menschen klagen in einem Hotel in Weibersbrunn über Magen-Darm-Beschwerden. Die Rettungskräfte werden gerufen. Ins Krankenhaus muss am Ende aber niemand.

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenaussage abgeschlossen. Nun können sich die Verteidiger dazu äußern. Mehrere Anwälte erheben Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Unbekannte haben in einem Hotel in Hamburg-Heimfeld einen Geldautomaten aufgebrochen und sind mit ihrer Beute geflüchtet. Sprengmittel kamen nach Erkenntnissen der Polizei nicht zum Einsatz.

Zu viele Fische, zu wenig Licht: Nach einer Bürgerbeschwerde nimmt die Veterinärbehörde ein Aquarium im Gastraum eines Karlsruher Lokals unter die Lupe – und stellt dabei gleich mehrere Verstöße fest.

Freibergs Oberbürgermeister Preißler wird vorgeworfen, vor kurzem in einem Leipziger Hotel randaliert und Gegenstände aus dem Fenster geworfen zu haben. Nun wurde offiziell ein Disziplinarverfahren eröffnet.

In Peking sollen Essenskuriere künftig weniger unter Zeitdruck stehen. Wartezeiten an roten Ampeln werden aus der Lieferzeit herausgerechnet. Zudem sollen schlechtes Wetter und schwierige Verkehrsverhältnisse stärker berücksichtigt werden.