Abstand, Tests und Masken: Deutschland vor dem Corona-Herbst

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Jede Stadt, jeder Ort kann zum Corona-Hotspot werden - wie jetzt Bad Königshofen in Unterfranken, Sulzdorf in Hohenlohe oder Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Und in den Großstädten mit ihren Bars, vollen Parks und Bürgersteigen können die Menschen dem Virus erst recht nicht so einfach aus dem Weg gehen. Bei Deutschlands westlichem Nachbarn Frankreich gingen die Zahlen zuletzt stark hoch. Für den östlichen Nachbarn Tschechien könnte wegen steigender Zahlen sogar eine Reisewarnung fürs ganze Land ausgesprochen werden. Wie stark hat die Pandemie Deutschland zum ausgehenden Sommer im Griff?

Was steht den Menschen nun bevor?

Behörden und Mediziner stellen sich seit längerem darauf ein, dass sich das Virus wieder rascher ausbreiten könnte und auch gefährdeten Menschen wie Älteren und Kranken näher kommt - daher gibt es immer wieder Appelle zu Abstand und Hygiene. Politik und Bürger hätten es in der Hand, «ob sich die Infektionszahlen wieder unkontrolliert ausbreiten», lautet die Ansage der Bundesregierung. Und die Phase jetzt sei entscheidend für die Entwicklung im Herbst und im Winter. Dabei ist der generelle Krisenmechanismus zwischen Bund und Ländern klar vereinbart: Toppt eine Region die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, soll direkt vor Ort gegengesteuert werden.

Warum gibt es in einzelnen Orten besondere Probleme?

Etwa wegen privater Feiern. Beispiel Bad Königshofen: Mindestens 17 Menschen infizierten sich auf einem Hochzeitsfest. Keine zehn Tage später werden alle Schulen und Kitas in der Kleinstadt geschlossen. Im Ort Schwäbisch Hall-Sulzdorf war es eine Geburtstagsfeier, nach der 14 Menschen positiv getestet wurden. Was bei Partys in ländlichen Regionen gilt, gilt in Metropolen genauso: Enge, Tanzen, Alkohol, lauteres Reden bei lauter Musik steigern das Infektionsrisiko. «Gerade beim Feiern, bei Geselligkeit übertragen sich Viren generell, aber dieses Virus eben besonders deutlich schneller», mahnte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der ARD.

Wo gibt es aktuell wieder strengere Maßnahmen?

Maskenpflicht auf einigen Plätzen und Straßen, Beschränkung auf fünf Menschen bei Treffen im Stadtgebiet, außer mit engen Verwandten - so reagiert München ab diesem Donnerstag. Generell gelten in besonders betroffenen bayerischen Kommunen nun eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und ein Alkoholverbot auf stark frequentierten Plätzen. In Hamm in NRW greift wieder Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen, in Remscheid eine Maskenempfehlung füs ganze Stadtgebiet. Zur Bewährungsprobe wird der Corona-Herbst auch wieder für die Ministerpräsidenten - Markus Söder (CSU) in Bayern und Armin Laschet (CDU) in NRW stehen dabei besonders im Blick, gelten sie doch als mögliche Anwärter auf die nächste Kanzlerkandidatur der Union.

Warum könnten die Zahlen im Herbst weiter steigen?

Zuletzt waren es vor allem Reiserückkehrer aus dem Ausland, die für viele Infektionen sorgten. Wenn nun das warme Sommerwetter endet, ist es nicht mehr so einfach, in geschlossenen Räumen Abstand zu halten. Vor allem wenn sich Leute weiterhin treffen möchten, wie sie es im Sommer draußen gewohnt waren. Ohnehin warnen Ärzte seit Wochen vor einem Zusammentreffen von Pandemie und Grippesaison. Immer wichtiger wird das Lüften - doch in Gebäuden ohne große Fenster sind die Menschen auf Klimaanlagen angewiesen. Aufmerken lässt da der Hinweis in einer Regierungsempfehlung: Notfalls sollten Filter oder Vorrichtungen zur Desinfektion in Klimaanlagen eingebaut werden - aber gar nicht jede Anlage lasse sich so rasch nachrüsten.

Was tut die Politik noch?

Mahnen und Maßnahmen koordinieren. Söder etwa sagt: «Die Zahl derer, die über Leichtsinn sich infizieren, wächst.» Spahn rät Verzicht auf Auslandsurlaube im Winter: «Ich denke, man kann auch in Deutschland einen schönen Urlaub verbringen.» Der Abstimmung des weiteren Kurses sollen Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ministerpräsidenten am kommenden Dienstag dienen. Offen ist auch der Umgang mit Großveranstaltungen - in einigen Fußballstadien dürfen schon wieder Fans in begrenzter Zahl auf die Ränge. Rückkehrer aus Risikogebieten sollen sich einer möglichen Quarantäne nicht mehr so einfach durch falsche Angaben entziehen können - hier soll die Bundespolizei kontrollieren. An diesem Mittwoch zieht die Regierung auch eine Zwischenbilanz zur neuen Corona-Warn-App für Smartphones.

Was sagen Virologen?

Der Charité-Professor Christian Drosten hilft nach eigenen Angaben derzeit, Corona-Schnelltests im Herbst auf die Straße zu kriegen. «Ich würde mir wünschen, dass so wie jetzt die Masken in den Pfützen schwimmen, im Spätherbst die Teststreifen der Schnelltests dort liegen, sie also so verbreitet wären, dass sie direkt zur Kontrolle der Epidemie beitragen können», sagt er dem «Tagesspiegel». Auch bei der Bundesregierung steht das im Fokus - Schnelltests und verstärkt Tests bei Risikogruppen und im Gesundheitswesen. Auch spezielle Sprechstunden und regionale «Fieberambulanzen» sollen helfen, bei Tests Infektionsrisiken zu minimieren. (dpa)


 

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