Das eigene Arbeitszeugnis schreiben - ist das erlaubt?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Bei einem Arbeitszeugnis ist der Arbeitgeber in der Ausstellungspflicht. «Er hat das Zeugnis auszustellen und kann den Arbeitnehmer nicht zwingen, selbst eines zu entwerfen», sagt Beatrice Zeiger. Die Juristin leitet die Abteilung Beratung bei der Arbeitskammer des Saarlandes.

Selbst schreiben: Kann statt Muss

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind also nicht verpflichtet, darauf einzugehen, wenn Vorgesetzte um einen vorformulierten Entwurf des Arbeitszeugnisses bitten. «Sie können auch sagen: 'Nein, ich kenne mich damit nicht gut genug aus. Es ist Ihre Pflicht, mir das Zeugnis zu erstellen'», so Zeiger. 

Andererseits kann es auch von Vorteil sein, selbst Einfluss auf das zu nehmen, was im Zeugnis steht. Wer sich zutraue, selbst sein Zeugnis zu verfassen und dann an Chef oder Chefin weiterzuleiten, könne das durchaus tun, sagt die Juristin. Allerdings nur mit fachlichem Gegencheck, so ihr Rat.

Musterzeugnisse reichen nicht

Zwar gibt es im Netz etliche Musterzeugnisse. Beatrice Zeiger rät jedoch davon ab, sich dort ungefiltert zu bedienen. «Oft ist das eine Aneinanderreihung von Formulierungen, die Arbeitgeber, bei denen man sich damit bewirbt, aufhorchen lassen», sagt sie. «Das ist meist nicht flüssig geschrieben, sondern wirkt sehr gewollt.» Auch eine um Rat gefragte KI bedient sich letztlich nur an diesen Vorlagen.

Die Juristin empfiehlt, ein selbst geschriebenes Zeugnis auf jeden Fall noch einmal von Fachleuten durchsehen zu lassen. Also je nach Bundesland von der Arbeitskammer, einer Gewerkschaft oder einem Arbeitsrechtsanwalt. Nur so umgehe man Fallstricke wie Formulierungen mit festen Bedeutungen oder ungewollte Auslassungen.

Kein Bewerben ohne Arbeitszeugnis

Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben Menschen, die den Job verlassen, in jedem Fall. Auf solch ein «qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis» sollten sie auch bestehen, sagt die Juristin. Denn nach wie vor sei ein Arbeitszeugnis für eine Bewerbung extrem wichtig - fehle es, falle das nachteilig auf.

Wichtig: Beim Arbeitszeugnis besteht eine Holschuld. Sprich: Arbeitnehmende müssen es sich beim Arbeitgeber abholen. Seit Beginn dieses Jahres gilt allerdings: Man kann Chef oder Chefin auch bitten, das Dokument elektronisch zu schicken. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Sächsische Landesbibliothek hat den Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington übernommen. Die Sammlung der DDR-Kochbuchikone soll künftig im Deutschen Archiv der Kulinarik für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sein.

Wenn die Kita zu ist, muss das Kind zu Hause betreut werden. Aber wie, wenn die Eltern doch eigentlich arbeiten müssen? Eine mögliche Lösung: Urlaub beantragen. Aber muss der Arbeitgeber den auch zwingend genehmigen?

Der Personalmangel in der deutschen Wirtschaft zwingt Unternehmen zunehmend zum Umdenken bei der Arbeitsplatzgestaltung. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom liefert dazu nun Zahlen aus der Industrie, die als Blaupause für andere Branchen dienen könnten.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, Loyalität und Fachwissen: Solche Eigenschaften galten früher im Job als unabdingbar. Und heute? Was verbirgt sich hinter den «Future Skills» - und wer braucht sie?

Seit Mitte März gibt es in Deutschland frischen Spargel. Die Lust auf das Stangengemüse ist 2025 aber etwas gesunken, wie neue Daten zeigen. Besonders eine Gruppe kann mit Spargel wenig anfangen.

Der reale Umsatz im deutschen Gastgewerbe blieb im Februar 2026 gegenüber dem Vormonat unverändert, während er im Vorjahresvergleich preisbereinigt deutlich sank. Besonders die Gastronomie verzeichnete im Vergleich zum Februar 2025 spürbare reale Einbußen.

Die Umsätze im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe liegen 2025 weiterhin unter dem Niveau von 2016. Das zeigen vorläufige Zahlen des Landesamts IT.NRW.

Auch im Schreiben wächst die Nachfrage nach intensiveren, persönlich ausgerichteten Formaten, fernab vom Alltag. Die Autorin Sylvia Deloy veranstaltet gemeinsam mit der Coachin Anja Eigen das Schreibretreat „Zeit für Geschichten“. Es findet vom 7. bis 10. Juni 2026 im Wellnesshotel Bayerwaldhof im Bayerischen Wald statt.

Im Jahr 2025 haben in Deutschland rund 461.800 Personen eine duale Berufsausbildung aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, entspricht dies einem Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Steigende Lebenshaltungskosten sind laut einer aktuellen Umfrage die größte finanzielle Sorge in der deutschen Bevölkerung. Auffällig: Besorgter als Niedrigverdiener sind demnach diejenigen mit mittleren oder hohen Einkommen.