Deutsche essen immer weniger Äpfel

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Der Apfel ist das Lieblingsobst der Menschen in Deutschland - frisch, als Mus oder Saft. Doch die Liebe kühlt ab. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in den eineinhalb Jahrzehnten seit 2010 von rund 27 Kilogramm auf zuletzt rund 21 Kilogramm. 

Und Deutschland ist damit nicht allein, sagt Mecklenburg-Vorpommerns führender Obstbauberater Rolf Hornig. «Wir haben in ganz Europa eine Abnahme des Apfelkonsums.»

Schwache Ernte in wichtigen Anbaugebieten

Das sind keine guten Nachrichten für Apfelbauern. In vielen bedeutenden europäischen Anbaugebieten drückt ohnehin dieses Jahr eine schwache Ernte auf die Stimmung. In Frankreich sorgte die große Sommerhitze für Ausfälle, berichtet Hornig. In West- und Südwestdeutschland schmälerten Hitze und Trockenheit die Erträge. «Und Polen als größter Apfelproduzent Europas hat unter Spätfrösten gelitten.» Dort würden dieses Jahr nur 2,7 Millionen Tonnen Äpfel erwartet statt bis zu 4,5 Millionen Tonnen. 

Mittendrin liegt Mecklenburg-Vorpommern. «Anders als West- und Südwestdeutschland waren wir nicht so sehr von Trockenheit betroffen, wir waren dieses Jahr das am wenigsten zu trockene Bundesland», sagt Hornig. Aber etwas zu trocken sei es schon gewesen, so dass die Früchte an den Bäumen kleiner seien als erhofft. Die Bäume hängen aber voll.

Gute Ernteaussichten im Nordosten

Während das Statistische Bundesamt im Sommer eine bundesweite Apfelernte für 2026 von rund 934.000 Tonnen und damit 53.000 Tonnen weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre prognostizierte, geht Hornig für MV von einem Ergebnis in der Nähe des langjährigen Durchschnitts aus. Im Vorjahr erlebte Deutschland insgesamt eine besonders gute Apfelernte, in MV fiel sie 2025 hingegen wegen Spätfrösten zur Blütezeit schlecht aus.

Noch läuft die Ernte in Deutschlands Nordosten auf Hochtouren. Die Tafeläpfel zum direkten Verzehr wie Jonagold und Elstar seien schon von den Bäumen, berichtet der Experte. Aktuell laufe auf den Plantagen die Ernte der Äpfel für die Weiterverarbeitung etwa zu Saft, Mus oder Babynahrung im Gläschen.

Der Obstbauberater von der halbstaatlichen LMS Agrarberatung rechnet mit einem Ernteergebnis von 24.000 bis 25.000 Tonnen - damit ist Mecklenburg-Vorpommern ein vergleichsweise kleines Anbaugebiet. Die Ernte werde voraussichtlich bis in den November hinein andauern. 

Starker Bio-Anbau

Der Bio-Anbau ist im Nordosten stark vertreten - 90 Prozent aller Apfelplantagen werden nach Öko-Richtlinien bewirtschaftet, sagt Hornig. Die Biobauern bauten robuste Sorten an, die besonders widerstandsfähig gegen den gefürchteten Apfelschorf, eine Pilzerkrankung, seien. Allerdings sei die Robustheit bei der Züchtung zulasten der Süße gegangen. Deshalb wanderten diese Äpfel hauptsächlich in die Verarbeitung. 

Angesichts der schlechten Ernte in wichtigen Anbaugebieten von Frankreich bis Polen seien dieses Jahr höhere Erzeugerpreise zu erwarten, sagt Hornig weiter. Doch dann kommt er wieder auf den Rückgang beim Apfelkonsum zu sprechen. Das sei ein Problem, sagt er.

Konkurrenz durch Beeren und Bananen

«Der Apfel hat eine Menge Konkurrenz durch andere Früchte wie Südfrüchte und Beerenfrüchte. Man bekommt heute fast das ganze Jahr über zum Beispiel frische Erdbeeren.» Auch Himbeeren, Brombeeren und Blaubeeren lägen frisch im Supermarkt-Regal.

Auf Platz zwei der beliebtesten Obstsorten in Deutschland lag zuletzt (Wirtschaftsjahr 2024/25) die Banane mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12 Kilogramm. Eineinhalb Jahrzehnte zuvor waren es laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erst 10,5 Kilogramm gewesen. Der gesamte Obstverbrauch sank in dem Zeitraum von 70,2 auf 68,9 Kilo je Einwohner.

Dass auch der Apfelsaftkonsum eingebrochen ist, passt ins Bild. Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke berichtet von 8,7 Litern Apfelsaftkonsum pro Kopf in Deutschland im Jahr 2012. Im Jahr 2025 waren es demnach nur noch 4,7 Liter. Cola und Cola-Mischgetränke legten im gleichen Zeitraum von 31,5 Liter auf 34,9 Liter pro Einwohner zu. Apfel und Apfelsaft benötigen aus Hornigs Sicht eine große Werbekampagne.

«An apple a day keeps the doctor away»

«An apple a day keeps the doctor away.» Die alte Redensart müsste eigentlich Werbung genug sein. Für Gesundheits- und Ernährungsexperten ist der Apfel ein Alleskönner. «Er liefert nicht nur Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, sondern auch leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Frucht- und Traubenzucker», so das Bundeszentrum für Ernährung. 

«Außerdem enthalten Äpfel Pektin, einen Ballaststoff, der gut für die Verdauung ist und lange satt macht.» Insbesondere alte Apfelsorten wie Berlepsch, Boskoop, Cox-Orange und Idared enthalten demnach Nährstoffe in einer sehr günstigen Zusammensetzung.

Äpfel sind laut Statistischem Bundesamt mit 32.700 Hektar Anbaufläche das mit Abstand am meisten geerntete Baumobst in Deutschland. Fast zwei Drittel (61,1 Prozent) dieser Flächen liegen in zwei Bundesländern: Baden-Württemberg (11.600 Hektar), dort vor allem in der Bodenseeregion, sowie Niedersachsen (8.400 Hektar), dort überwiegend im Alten Land. In diesen beiden Bundesländern werden mehr als zwei Drittel (66,6 Prozent) der heimischen Äpfel erzeugt. (dpa)


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