Deutscher Bio-Markt wächst in Corona-Krise weiter

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Im Supermarkt haben Kunden häufig die Wahl: Soll es die «normale» Gurke sein - oder doch die etwas teurere Bio-Gurke in der Auslage daneben? Gerade Gemüse und Obst aus ökologischem Anbau legen viele Verbraucher gern in den Einkaufswagen. Doch wie ist es mit Bio-Fleisch, wenn zum Beispiel 360 Gramm Puten-Medaillons schon mal fast elf Euro kosten? Insgesamt ist das Geschäft mit schonender erzeugten Lebensmitteln auch in der Corona-Krise weiter gewachsen, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Freitag sagte. Im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz nach ersten Schätzungen auf mehr als 14 Milliarden Euro gestiegen sein, 17 Prozent mehr als 2019.

«Die Branche hat in der Pandemie noch mal einen Schub bekommen», sagte Klöckner in Berlin. Aus vielen Gelegenheitskäufern seien inzwischen Gewohnheitskäufer geworden. In einer neuen Umfrage im Auftrag des Ministeriums sagten 37 Prozent der Befragten von sich, regelmäßig zu Bio-Produkten zu greifen. Gekauft wird weiterhin vor allem in Supermärkten und Discountern - reine Bio-Supermarktketten nannten 44 Prozent, Online-Käufe 7 Prozent. Das vor 20 Jahren eingeführte staatliche Bio-Siegel wird laut Ministerium von mehr als 6000 Firmen für fast 90 000 Produkte verwendet - als freiwilliges Erkennungszeichen, an das aber Produktionsauflagen geknüpft sind.

Nicht bei allen Produkten steht bio gleichermaßen hoch im Kurs. Vorn liegen Eier: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten kaufen sie nach eigenen Angaben «ausschließlich» oder «häufig» bio - bei der Umfrage vor einem Jahr waren es 66 Prozent. Meist in der ökologischen Variante gefragt sind laut der Umfrage nun auch Gemüse und Obst (70 Prozent «ausschließlich» oder «häufig»), Kartoffeln (52 Prozent), Milchprodukte (51 Prozent), Fleisch und Wurst (50 Prozent). Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge von Ende Juli bis Ende August 1011 Menschen ab 14 Jahre vom Institut Infas befragt.

Umwelt- und Verbraucherschützer sehen die Entwicklung verhaltener. Nach 20 Jahren Bio-Siegel hätten ökologische Lebensmittel immer noch nur einen Marktanteil von gerade einmal rund fünf Prozent, monierte die Organisation Foodwatch - bei Fleisch nur ein bis zwei Prozent. «Bio ist immer noch Nische.» Klöckner sollte sich besser für eine konsequente Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft einsetzen. Greenpeace-Experte Martin Hofstetter forderte: «Damit die heimische Landwirtschaft und die Umwelt profitieren, müssen mehr Betriebe in Deutschland umstellen. Sonst lässt die wachsende Nachfrage nach Biolebensmitteln nur die Importe ansteigen.»

Bei den Bauern legt der Ökolandbau allmählich weiter zu. Der Anteil an der gesamten Agrarfläche Deutschlands stieg 2019 auf 9,7 Prozent - erklärtes Ziel der Bundesregierung sind 20 Prozent bis 2030. Klöckner warb für Fördermöglichkeiten und verwies auch auf höhere Zahlungen aus dem Milliardentopf der EU-Agrarfinanzierung für Bio-Produktion. Wichtig sei aber auch eine Annäherung der Produktionsweisen in einer Art «Hybrid-Landwirtschaft»: Der Ökolandbau müsse weiter produktiver werden - und die konventionelle Landwirtschaft mehr auf Umwelt- und Tierschutz setzen, dabei aber auch ertragreich bleiben.

Die Grünen forderten, nicht-chemische Pflanzenschutzlösungen, und Öko-Züchtungen stärker zu fördern. Auch der Bauernverband sieht Chancen, wenn Höfe auf bio umstellen - extrem knapp sei zum Beispiel aktuell Öko-Schweinefleisch, nachdem die Öko-Fleischnachfrage 2020 um 50 Prozent zugelegt haben dürfte. Wachstumsmöglichkeiten sehen viele auch bei mehr Bio-Produkten in Kantinen und Restaurants. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ein Arbeitnehmer kündigt und wird zwei Wochen vor Arbeitsende krankgeschrieben. Darf das einen Arbeitgeber stutzig machen und dazu bringen, keinen Lohn mehr zu zahlen?

Die Erhöhung des Mindestlohns zum Jahreswechsel hinterlässt deutliche Spuren im Gastgewerbe: Die Löhne stiegen im Januar 2026 um 6,1 Prozent. Gleichzeitig verzeichnet die Branche mit einem Minus von 3,2 Prozent den stärksten Beschäftigungsrückgang im gesamten deutschen Mittelstand.

Aktuelle Daten zeigen die Insolvenzwelle im britischen Gastgewerbe des Jahres 2025. Trotz eines leichten Rückgangs der Fallzahlen im vierten Quartal belasten hohe Lohnkosten, Personalmangel und steuerliche Änderungen die Branche weiterhin massiv.

Das deutsche Gastgewerbe blickt auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück: Trotz nominaler Zuwächse sank der reale, preisbereinigte Umsatz um 2,1 Prozent. Auch der Dezember dämpfte die Bilanz mit Rückgängen in der Gastronomie.

In der deutschen Wirtschaft sind zum Jahresende keine zusätzlichen Jobs mehr entstanden. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts endete im vierten Quartal 2025 die langjährige Zunahme bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.

Die Inflation in Deutschland hat zum Jahresbeginn 2026 wieder an Fahrt gewonnen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im Januar bei 2,1 Prozent. Für das Gastgewerbe zeigt die amtliche Statistik eine spezifische Entwicklung: Das Preisniveau für Speisen in der Gastronomie blieb im Vergleich zum Vormonat stabil.

Nach einer Abmahnung ist das Arbeitsverhältnis nicht immer final zerrüttet. Wer jetzt das Gespräch sucht und eine klare Strategie zeigt, gewinnt in jedem Fall. Was beachtet werden muss.

Präzision am Herd und Souveränität am Gast: Bei den Saarländischen Jugendmeisterschaften 2026 setzte sich der gastronomische Nachwuchs gegen starke Konkurrenz durch. In Spiesen-Elversberg wurden die besten Azubis in den Kategorien Küche, Restaurant und Hotel gekürt.

Zu wenig Lohn, zu lange Arbeitszeit, fehlende Stundenzettel: Nach Erkenntnissen des Zolls verletzen Tausende Arbeitgeber die Vorgaben zum gesetzlichen Mindestlohn. Im Gast- und Hotelgewerbe kam es laut Finanzministerium zu besonders vielen Verstößen.

Sofa, neue Winterjacke oder Restaurantbesuch? Eine Umfrage zeigt, bei welchen Ausgaben sich Verbraucherinnen und Verbraucher besonders beschränken. Lebensmittel sind es nicht.