Ernährungsreport 2020: Weniger Wurst, mehr Tierwohl?

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Täglich Fleisch essen? Die Zeiten sind vorbei. Das zumindest legt der diesjährige Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums nahe. Dem am Freitag erschienenen Bericht zufolge haben nur noch rund ein Viertel der Deutschen jeden Tag Wurst oder Fleisch auf dem Teller. Und etwas mehr als die Hälfte gibt an, zumindest manchmal ganz bewusst darauf zu verzichten, sich also flexitarisch zu ernähren. Der Anteil von Menschen, die ausschließlich vegetarisch oder vegan essen, bleibt bei fünf beziehungsweise einem Prozent. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1000 Verbraucherinnen und Verbraucher ab 14 Jahren teil.

«Unsere Verbraucher setzen auf Abwechslung und Vielfalt», sagt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über die Essensvorlieben der Befragten. Wenige seien dogmatisch in ihren Essgewohnheiten. «Staatliche Vorgaben für den privaten Einkaufszettel und Einkaufskorb wären der falsche Weg.» Die Umweltorganisation Greenpeace fordert hingegen mehr Einsatz: «Frau Klöckner muss sich mehr als Ernährungsministerin verstehen und aktiv für eine fleischärmere, gesündere und dadurch auch klimaschonende Ernährung werben», verlangt der Landwirtschaftsexperte der Organisation, Martin Hofstetter.

Das Wohlergehen der Tiere spielt bei den Verbrauchern nicht nur eine Rolle, wenn es darum geht, wie oft sie Fleisch verzehren. Grundsätzlich seien die Befragten bereit, für eine bessere Haltung höhere Preise in Kauf zu nehmen, heißt es in dem Bericht. «Die verbale Bereitschaft ist erfreulich, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen», kommentiert Klöckner. «Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus.»

Die Ministerin zeigte sich bei der Vorstellung des Berichts in Berlin überzeugt davon, dass die Mehrkosten für das Tierwohl nicht nur an der Kasse bezahlt werden sollten. «Nicht jeder Bürger kann sich das leisten.» Man müsse auch acht darauf geben, dass etwa Fleisch nicht zum Luxusprodukt werde. Staatliche Finanzierungsmodelle seien notwendig. Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte, von einem höheren Preis - etwa für mehr Tierwohl - müsse auch bei den Landwirten etwas ankommen.

Im Bezug auf die Haltungsstandards wünschen sich viele Verbraucher mehr Transparenz. Mehr als 80 Prozent der Befragten sprachen sich für Tierwohlkennzeichnungen auf Lebensmitteln aus. Mit einem solchen Siegel könnten Halter, die über die staatlichen Vorgaben zum Tierwohl hinaus gehen, auf sich aufmerksam machen.

Tierschützer kritisierten die Tierwohlkennzeichnung auf Lebensmitteln jedoch als «vollkommen wirkungslos». Aus der freiwilligen Auskunft müsse schleunigst eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung werden, forderte WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran. Ein solches verpflichtendes Siegel ist Klöckner zufolge aber auf nationaler Ebene rechtlich nicht möglich. Kritik an der Kennzeichnung kam auch von den Verbraucherschützern von Foodwatch. «Das Tierwohllabel wird nichts daran ändern, dass Nutztiere in Deutschland massenhaft krank gemacht werden», sagte der Tierarzt und internationale Kampagnenleiter Matthias Wolfschmidt. Es brauche gesetzliche Vorgaben zur Tiergesundheit und eine Erfassung von Verstößen in Betrieben und bei Transporten.

Striktere Vorgaben wollen auch die Grünen sehen. «Bundesministerin Klöckner hat beim Thema Ernährung bisher fast ausschließlich auf Freiwilligkeit gesetzt, statt die Ernährungswirtschaft zu verpflichten, das Lebensmittelangebot besser und gesünder zu machen oder die Lebensmittelverschwendung einzudämmen», sagte Renate Künast, Agrarexpertin der Grünen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). Klöckner selbst versicherte, die Haltungsstandards der Tiere verbessern zu wollen und einen Umbau der Tierhaltung bereits voranzutreiben.

Und wie sieht es bei den Verbrauchern mit Fleischalternativen aus? Laut Bericht sehen rund die Hälfte Fleischersatzprodukte und etwa 40 Prozent Lebensmittel aus Insekten als gute Wahl, die wachsende Weltbevölkerung auch in Zukunft ausreichend zu versorgen. Zugegriffen haben sie bei solchen Produkten dann aber doch nicht unbedingt. Nur etwa ein Viertel der Befragten isst mindestens einmal im Monat eine vegetarische oder vegane Alternative zu tierischen Produkten - 64 Prozent nie.

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