Gastgewerbliche Ausbildungsverträge 31,9 Prozent über Vorjahr: Neue Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie größte Gewinner

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Seit einer Woche ist bekannt, dass sich die Situation auf dem gastgewerblichen Ausbildungsmarkt positive entwickelt. Nunmehr liegen die vollständigen Zahlen zu den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen  zum Stichtag 30.09.2022 vor. Der DEHOGA präsentiert eine Auswertung.

Die Verträge in den „klassischen“ gastgewerblichen Berufen (ohne Systemgastronomie) liegen um 31,9 Prozent über den Zahlen des Vorjahres und um nur 6,3 Prozent unter den Zahlen 2019. Die Branche konnte also die massiven Corona-Verluste des Jahres 2020 unter dem Strich weitgehend ausgleichen. Das Gastgewerbe hebt sich damit positiv von anderen Branchen ab. Insgesamt legen die Ausbildungszahlen nämlich gegenüber 2021 nur um 0,4 Prozent minimal zu, im Handwerk schlägt sogar ein Rückgang von -2,2 Prozent zu Buche. Verglichen mit 2019 liegt die Gesamtwirtschaft mit 9,5 Prozent im Minus.

Die einzelnen Ausbildungsberufe unterscheiden sich allerdings stark.

Eine erste Bewertung der wichtigsten Ergebnisse:

  • Größter Gewinner sind die Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie. Zusammen mit den bisherigen Restaurantfachleuten verzeichnen diese ein Plus von 93,2 Prozent im Vergleich zu 2021 und ein Plus von 43,7 Prozent im Vergleich zu 2019. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass die Strategie der Ausbildungsneuordnung, den Serviceberuf durch eine Stärkung des Veranstaltungselements attraktiver zu machen, aufgeht.
  • Im neuen Beruf Fachkraft Küche wurden bundesweit 297 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das ist ein ordentlicher Start, bietet aber sicher noch einige Luft nach oben. Die Abschlusszahlen dort konnten die Verluste bei den Köchen nicht vollständig ausgleichen. Rechnet man beide Berufe zusammen, ergibt sich ein deutliches Plus von 15,2 Prozent zum Vorjahr, aber immer noch ein Minus von 12,5 Prozent zu 2019. Hier wird es in 2023 darum gehen, den neuen Beruf auch in Unternehmen, die bisher nicht in den Küchenberufen ausbilden, weiter bekannt zu machen. Wichtig ist auch, dass die Berufsschulen sich im Anforderungsniveau auf das andere Klientel in diesem Beruf einstellen und entsprechend differenzieren, idealerweise durch Fachklassen.
  • Die Hotelberufe hatten in der Coronakrise am stärksten gelitten und legen jetzt auch am stärksten zu, und zwar die Hotelfachleute mit 31,9 Prozent, der kaufmännische Beruf mit 26,6 Prozent. Die Zahlen 2019 sind allerdings auch hier noch nicht wieder erreicht. Berücksichtigt man aber das 2022 vielfach noch nicht wieder auf Normalniveau laufende Businessgeschäft sowie die Tatsache, dass viele Hotels, die bislang stark servicelastig ausgebildet hatten, nun auch den neuen Reva-Beruf nutzen, bewerten wir die Entwicklung als ermutigend. 
  • Eine gute Entwicklung mit +24,2 Prozent zum Vorjahr und nur noch -9,7 Prozent zu 2019 nehmen die Fachkräfte für Gastronomie / Fachkräfte im Gastgewerbe. Der Verlust dadurch, dass es leider keinen zweijährigen Beruf für den Beherbergungsbereich gibt, lässt sich nicht beziffern, ist aber nach den Rückmeldungen, die uns erreichen, definitiv vorhanden.
  • Die Neuverträge koppeln bei den Fachleuten für Systemgastronomie komplett von der positiven Entwicklung ab, die Neuverträge sind gegenüber 2021 um mehr als 50 Prozent geschrumpft. Dieser Beruf war aufgrund des starken Liefer- und Takeaway-Geschäfts vieler Ausbildungsunternehmen bisher mit nur geringen Verlusten durch die Corona-Pandemie gekommen. In 2022 dagegen wurden bis zum Stichtag 30.9. nur 666 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Ein Teil der Ausbildungsverhältnisse dürfte sich sicherlich in Richtung der neuen Fachkraft für Gastronomie mit Schwerpunkt Systemgastronomie verlagert haben. Das erklärt den Einbruch aber nur teilweise.

Aus unseren Erfahrungsaustauschen wissen wir, dass es deutliche regionale Unterschiede bei der Entwicklung gibt. Hier sind diealle Ausbildungsunternehmen gefordert, bis zum Start des Ausbildungsjahres 2023/2024 die neuen Berufe noch bekannter zu machen und die Attraktivität einer Berufsausbildung in Hotellerie und Gastronomie auf allen Kanälen zielgruppengerecht zu kommunizieren.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine aktuelle Befragung der norisbank zum Reiseverhalten 2026 zeigt, dass die Deutschen ihre Urlaubsbudgets trotz steigender Preise präzise kalkulieren. Während das geplante Budget pro Person leicht steigt, setzt eine wachsende Zahl auf ein festes Limit.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai im Vergleich zum Vormonat um 58.000 auf 2,95 Millionen gesunken und unterschreitet damit wieder die Marke von drei Millionen. Eine richtige Trendwende ist aber weiterhin nicht in Sicht.

Mit einem Reformpaket will die Koalition die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen. Auch bei der Arbeitszeit will Schwarz-Rot ansetzen. Der DGB untermauert seine Ablehnung mit neuen Zahlen.

Im ersten Quartal 2026 stiegen die Reallöhne in Deutschland um 1,8 Prozent. Besonders bei geringverdienenden Vollzeitkräften und Auszubildenden gab es überdurchschnittliche Zuwächse.

Vertragsangebote per Messenger sind nicht ewig gültig: Selbst unter Freunden und selbst, wenn es um richtig viel Geld geht. Das zeigt ein aktuelles Urteil.

Was tun, wenn das Büro zur Sauna wird? Ab wann Arbeitgeber handeln müssen und welche Rechte Beschäftigte bei Hitze wirklich haben.

Am deutschen Arbeitsmarkt sind anteilig so viele Menschen in Teilzeit tätig wie noch nie zuvor. Für zwei ganz unterschiedliche Gruppen scheint die reduzierte Arbeitszeit besonders gut zu passen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer senkt ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich. Erwartet wird nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sprach von einer Doppelkrise.

Ob bei der Handwerkerrechnung, im Restaurant oder am Freibadkiosk: Fehler passieren. Mal wird zu viel berechnet, mal zu wenig. Für Betroffene stellt sich dann die Frage: Was tun? Müssen Sie auf den Fehler hinzuweisen?

Hafer, Soja, Mandel: Pflanzendrinks sind im Trend – und in der Diskussion. Sind sie tatsächlich gesünder als Kuhmilch, besser fürs Klima oder automatisch die richtige Wahl bei Allergien? Ein Faktencheck zeigt: Vieles ist pauschal falsch – manches stimmt weitgehend.