Inflation springt auf 10 Prozent - Wirtschaft steuert in Rezession

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Rekordinflation und Konjunktureinbruch: Die Energiekrise trifft Deutschland hart. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sprang die jährliche Teuerungsrate im September auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund 70 Jahren. Die Folge: Verbraucher können sich für ihr Geld immer weniger leisten. Das bremst den Konsum als wichtige Konjunkturstütze. Nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute steuert Europas größte Volkswirtschaft in eine Rezession - mit herben Wohlstandsverlusten über längere Zeit. Die Bundesregierung will Verbraucher und Unternehmen mit einem neuen Hilfspaket entlasten.

«Die Hauptbelastung findet derzeit bei den privaten Haushalten statt, die einen massiven Kaufkraftverlust hinnehmen müssen. Und der wird sich im Laufe des nächsten Jahres noch verstärken», sagte Torsten Schmidt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in Berlin bei der Vorlage des Herbstgutachtens führender Wirtschaftsforscher. Die meisten Unternehmen dagegen könnten die Energiepreisschocks noch recht gut verkraften.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern wurden Raten von 10 Prozent und mehr Anfang der 1950er Jahre gemessen, allerdings hat sich die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geändert. Mit 10 Prozent sei die Rate zum ersten Mal seit dem Korea-Krieg Anfang der 1950er Jahre wieder zweistellig, erläuterte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Ökonomen rechnen in den kommenden Monaten weiter steigenden Teuerungsraten.

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft, Verbraucherinnen und Verbraucher können sich also für einen Euro weniger leisten. Nach einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) schränken sich bereits 60 Prozent der Verbraucher beim Einkaufen ein. Für die kommenden Monate richten sich demnach sogar 76 Prozent der Befragten darauf ein, sparsamer einzukaufen.

Seit Monaten sind Energie und Lebensmittel die größten Preistreiber. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die bereits angespannte Lage verschärft. Im September verteuerte sich Energie den vorläufigen Daten zufolge innerhalb eines Jahres um 43,9 Prozent und Nahrungsmittel um 18,7 Prozent.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute wird der Wohlstandsverlust der Bürger durch die höheren Energiepreise auch längerfristig Bestand haben. «Das ist kein vorübergehendes Phänomen, das wird uns länger beschäftigen», sagte Ökonom Schmidt. Die Industrie dagegen zeige sich noch relativ robust, weil Auftragsbücher gut gefüllt seien. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) beklagte allerdings, hohe und schwankende Energiepreise machten die Industrieproduktion immer unkalkulierbarer.

Die Wirtschaftsforscher sagen in ihrem Herbstgutachten eine Rezession für Deutschland voraus. Für das Gesamtjahr 2022 rechnen die Experten wegen des besseren ersten Halbjahrs noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, im kommenden Jahr erwarten sie dann einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Erst für 2024 gehen sie von einer Entspannung auf den Energiemärkten und damit auch von einer wirtschaftliche Erholung aus.

Die Gaspreise seien der entscheidende Faktor, der die deutsche Wirtschaft in die Rezession treiben werde. Und die Spitze sei hier noch nicht erreicht, hieß es. Die höchsten Energiepreise für Verbraucher würden Mitte des kommenden Jahres erwartet. Mit einem Gasmangel rechnen die Institute derzeit nicht. Die Versorgungslage bleibe aber äußerst angespannt, was die Preise in die Höhe treibe.

Damit wird sich auch die Inflation der Prognose zufolge weiter verstärken. Für das laufende Jahr rechnen die Institute mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 8,4 Prozent, für 2023 mit 8,8 Prozent. Für 2024 gehen sie von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen und damit einer Inflation von 2,2 Prozent aus.

Die Bundesregierung will Verbraucher und Unternehmen mit einem neuen bis zu 200 Milliarden Euro schweren Hilfspaket stützen. Die bis zuletzt umstrittene Gasumlage ist vom Tisch - dafür soll es eine Gaspreisbremse geben. «Die Preise müssen runter», sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag. Dafür werde die Bundesregierung alles tun. Scholz bezeichnete die geplante staatliche Stützung der Energieversorgung und die vorgesehenen Preisbremsen für Strom und Gas als «Doppelwumms». (dpa)


Weitere Informationen:

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Inflation in Deutschland hat zum Jahresbeginn 2026 wieder an Fahrt gewonnen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im Januar bei 2,1 Prozent. Für das Gastgewerbe zeigt die amtliche Statistik eine spezifische Entwicklung: Das Preisniveau für Speisen in der Gastronomie blieb im Vergleich zum Vormonat stabil.

Nach einer Abmahnung ist das Arbeitsverhältnis nicht immer final zerrüttet. Wer jetzt das Gespräch sucht und eine klare Strategie zeigt, gewinnt in jedem Fall. Was beachtet werden muss.

Präzision am Herd und Souveränität am Gast: Bei den Saarländischen Jugendmeisterschaften 2026 setzte sich der gastronomische Nachwuchs gegen starke Konkurrenz durch. In Spiesen-Elversberg wurden die besten Azubis in den Kategorien Küche, Restaurant und Hotel gekürt.

Zu wenig Lohn, zu lange Arbeitszeit, fehlende Stundenzettel: Nach Erkenntnissen des Zolls verletzen Tausende Arbeitgeber die Vorgaben zum gesetzlichen Mindestlohn. Im Gast- und Hotelgewerbe kam es laut Finanzministerium zu besonders vielen Verstößen.

Sofa, neue Winterjacke oder Restaurantbesuch? Eine Umfrage zeigt, bei welchen Ausgaben sich Verbraucherinnen und Verbraucher besonders beschränken. Lebensmittel sind es nicht.

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) unterstützt kleine Betriebe mit dem Kompetenzzentrenmodell und digitalen Werkzeugen bei der Umsetzung des Arbeitsschutzes. Das Angebot richtet sich an Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten.

Die Bilanz für Bayerns Gastgewerbe im Jahr 2025 fällt ernüchternd aus: Während die Preise die nominalen Umsätze stützen, sinken die realen Erlöse und die Beschäftigtenzahlen in der gesamten Branche. Nur wenige Sparten wie Campingplätze verzeichnen noch ein echtes Wachstum.

Die deutsche Tourismusbranche vermeldet für das Jahr 2025 einen neuen Übernachtungsrekord von 497,5 Millionen Gästen. Während die Hotellerie leichte Einbußen verzeichnete, boomte insbesondere das Camping-Segment.

Die Vergütungen für angehende Fachkräfte im Gastgewerbe steigen: Mit durchschnittlich 1.229 Euro liegen die dreijährigen Ausbildungsberufe der Branche über dem Gesamtschnitt aller dualen Berufe von 1.209 Euro. Eine Auswertung des DEHOGA beleuchtet zudem die Unterschiede zwischen Handwerk, öffentlichem Dienst und tarifgebundenen Betrieben.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst können berufstätige Eltern und Pendler vor Probleme stellen. Wer zu spät kommt, riskiert mehr als nur Ärger. Warum frühzeitige Absprachen wichtig sind.