Insolvenzen 2025 auf höchstem Stand seit 20 Jahren - Gastgewerbe stark betroffen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die Zahl der Firmenpleiten ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Allein im Dezember nahm die Zahl der Insolvenzen noch einmal deutlich zu und lag 75 Prozent über dem Niveau eines durchschnittlichen Dezembers der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Im Dezember wurden demnach 1.519 Insolvenzen verzeichnet. 

Im Gesamtjahr 2025 lag die Zahl der Insolvenzen bei 17.604. Selbst im Zuge der Finanzkrise 2009 habe die Zahl rund fünf Prozent niedriger gelegen, hieß es. 

Die hohen Insolvenzzahlen ließen sich nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Pandemie und mit der Zinspolitik erklären, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Sie spiegelten «immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider». Gleichzeitig stellten Insolvenzen aber auch eine notwendige Marktbereinigung dar, wodurch Platz für zukunftsfähige Unternehmen geschaffen werde. 

Viele Branchen betroffen

«Der Anstieg war breit, da wurde niemand verschont», sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. «Besonders stark waren die Zuwächse im Hotel- und Gastgewerbe.» Auffällig seien aber auch viele Insolvenzen im Baubereich und bei Projektentwicklern gewesen. «Der Zinsanstieg Ende 2022 hat dort einigen einen Strich durch die Rechnung gemacht.» 

Auch die Zahl der Großinsolvenzen hat deutlich zugenommen. Laut einer Erhebung der Transformationsberatung Falkensteg meldeten 471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro Insolvenz an – ein Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Betroffen waren demnach insbesondere Metallwarenhersteller, Automobilzulieferer, Elektrotechnikunternehmen und der Innenausbau. Seit 2021 haben sich die Großinsolvenzen damit nahezu verdreifacht.

Keine Trendwende 2026

«Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen – sie hat Fieber bekommen», sagt Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. Die Ursachen seien vielfältig, aber ihr Zusammenspiel entwickele eine beunruhigende Dynamik. «Für viele Mittelständler ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern eine Überlebensfrage.» Auch für das Jahr 2026 sehen die Experten keine Trendwende in Sicht. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Krise in der Wirtschaft hinterlässt deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge ist in diesem Jahr auf rund 476.000 zurückgegangen, ist war der zweite Rückgang in Folge.

Die Bereitschaft von Fachkräften in Deutschland, während der Weihnachtsfeiertage und des Jahreswechsels für dienstliche Anfragen erreichbar zu sein, hat einen neuen Tiefstand erreicht. Insgesamt haben 71 Prozent der Berufstätigen über die Feiertage Urlaub.

Die wirtschaftspolitischen Verwerfungen treffen die Unternehmen in Deutschland weiter hart. Bonitäts-Schlusslicht bleibt das Gastgewerbe. Auch wenn sich die Lage seit Corona leicht gebessert hat, bleibt die Kreditwürdigkeit bei Gastronomen deutlich eingeschränkt.

Das kommende Jahr 2026 bringt für Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt 2,4 Arbeitstage mehr als das laufende Jahr 2025. Dies teilt das Statistische Bundesamt mit. Bundesweit wird die durchschnittliche Zahl der Arbeitstage 250,5 erreichen.

Neue Studienergebnisse zeigen einen deutlichen Wandel im Trinkgeldverhalten der Deutschen. Während es im Restaurant stabil bleibt, sinkt die Bereitschaft in anderen Dienstleistungsbereichen massiv.

Deutschland zählt so viele Firmenpleiten wie seit 2014 nicht - und trotz Konjunkturhoffnungen gibt es keine Entwarnung für das kommende Jahr. Die zahlenmäßig meisten Insolvenzen entfielen auf das Dienstleistungsgewerbe.

Die Zuversicht der Verbraucher in Deutschland bezüglich ihrer eigenen finanziellen Lage stagniert. Das aktuelle Postbank Stimmungsbarometer beleuchtet die Hauptsorgen der Bevölkerung und zeigt auf, wie die gestiegenen Kosten die Spar- und Konsumpläne beeinflussen.

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Niedriglohnquote in Deutschland konstant bei 16 Prozent liegt. Besonders betroffen ist das Gastgewerbe, wo über die Hälfte der Jobs dem Niedriglohnsektor zuzuordnen sind.

Im Büro, auf der Bühne oder an der Maschine: Macht das einen Unterschied, wenn Medikamente die Leistungsfähigkeit einschränken? Und was passiert, wenn ein Fehler passiert? Fragen und Antworten.

Die anstehende Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2026 hat für das Gastgewerbe die größten Auswirkungen. Das geht aus einer neuen Studie des ifo Instituts hervor. Die Branche weist die höchste Betroffenheit auf und plant entsprechende Reaktionen auf den signifikanten Lohnkostenanstieg.