So funktioniert mobiles Arbeiten im Ausland

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Eigentlich wollte Klara Krieg nur ein langes Wochenende in Barcelona verbringen. Es wurde dann eine Woche. Die 26-Jährige war auf ein Angebot ihres Arbeitgebers Bosch gestoßen, das mobiles Arbeiten im Ausland ermöglicht. «Vor Ort konnte ich prima arbeiten», sagt die Wirtschaftsinformatikerin, die ein Trainee-Programm für künftige Führungskräfte absolviert. Sie benötige nur einen Laptop und eine gute WLAN-Verbindung. Klara Krieg sieht viele Vorteile. Die Zeitzonen seien gleich, in Barcelona herrsche super Klima und es gebe richtig gutes Essen. Und: «Die Feierabende habe ich am Strand verbracht – das war super zum Abschalten!»

Gerade von der jungen Generation werde das kurzfristige mobile Arbeiten aus dem Ausland gefordert, beobachtet Heidi Schindler, die für die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) Firmen zu diesen Fragen berät. «In den Bewerbungsgesprächen wird oft gefragt, wie viel Flexibilität möglich ist. Und das ist oft auch ein Ausschlusskriterium.» Viele Arbeitgeber müssten ein solches Modell einfach anbieten. Was sie aber auch beobachtet: Der Wunsch danach sei mit Corona sehr groß gewesen - «wir haben das hoch und runter beraten». Wirklich aus dem Ausland gearbeitet hätten dann aber vergleichsweise wenige Mitarbeiter.

Und so reiht sich Bosch in eine Reigen von Unternehmen ein, die ihren Mitarbeitern eine begrenzte Zeit im Ausland ermöglichen. Beschäftigte des Pharmakonzerns Merck etwa können bis zu 60 Arbeitstage pro Jahr außerhalb Deutschlands verbringen, Einschränkungen gebe es nur für einige wenige Länder. Beim Zulieferer Continental sind seit Jahresanfang bis zu 40 Tage möglich, beim Software-Riesen SAP sind es 30 Tage. Beide erhoffen sich damit auch eine größere Attraktivität als Arbeitgeber. Sportartikelhersteller Adidas macht 10 Tage möglich.

Bei Bosch gehöre das mobile Arbeiten seit Jahren zum Berufsalltag, eine entsprechende Konzernbetriebsvereinbarung gebe es seit 2014. Nun könnten mit dem neuen Angebot Mitarbeiter an bis zu 54 Tagen im Jahr aus privaten Gründen mobil aus einem anderen Land arbeiten. Der Ansatz sei global, einige Länder hätten jedoch wegen Sicherheits- oder Rechtsrisiken ausgeschlossen oder die Anzahl der möglichen Tage begrenzt werden müssen. Das Angebot werde gut genutzt, über 500 Anträge seien seit April dieses Jahres bereits genehmigt worden.

Bosch setze auf eine flexible Arbeitskultur, die den Fokus auf das Ergebnis legt, sagt Arbeitsdirektorin Filiz Albrecht. Das Feedback zur mobilen Arbeit im Ausland sei «überaus positiv», so Albrecht.

Andere große Unternehmen prüfen derzeit solche Möglichkeiten, darunter etwa VW und Mercedes-Benz. Bei der Deutschen Bank ist mobiles Arbeiten derzeit nur in Deutschland möglich - die Bank beobachte aber die Rechtsentwicklungen und warte auf entsprechende Regelungen, um Mitarbeiter auch im Ausland arbeiten zu lassen. Auch bei Siemens Energy ist mobiles Arbeiten auf Deutschland beschränkt.

Großes Thema für die meisten großen Firmen: Es gibt kein Patentrezept, wie mobiles Arbeiten im Ausland rechtlich sicher möglich ist. Es gebe etliche Hürden, erklärt Beraterin Schindler - von der Sozialversicherung, über das Steuerrecht bis hin zur Frage, ob man in einem Land ohne entsprechendes Visum überhaupt arbeiten dürfe. Auch der Datenschutz sei ein Problem, wenn etwa Mitarbeiter mit sensiblen Firmendaten hantieren. Dazu kämen arbeitsrechtliche Themen und die Frage, wie Unternehmen Arbeitsschutz und etwa Arbeitszeiten sicherstellen können.

Viele Firmen begrenzten daher die Dauer und die Länderkombination und das Senioritätslevel der Mitarbeiter, für die es ermöglicht wird. «Je höher jemand in der Nahrungskette steht, desto komplexer wird es steuerlich, und desto höher wird das Risiko», sagt Schindler.

Das Thema ist für Unternehmen nicht ohne Risiko - aber auch Beschäftigte müssen aufpassen. Wenn man in bestimmten Ländern ohne entsprechendes Visum erwischt werde, seien auch Gefängnisstrafen möglich, sagt Schindler. «Das heißt: Das sollte man sich tatsächlich überlegen». In der Praxis sei ihr aber noch nicht untergekommen, dass jemand am Strand in der Türkei den Laptop aufgeklappt habe und jemand fragt: «Sie gucken ja gar nicht Netflix, sondern Sie arbeiten doch hier – dürfen Sie das überhaupt?»

Viele Beschäftigte berichteten, dass sie zuhause fokussierter arbeiten können, weil die Störeffekte im Büro höher eingeschätzt werden, sagt Milena Bockstahler, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart zu Fragestellungen rund um Arbeitsumgebungen forscht. Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben habe sich für viele durch die vermehrte Arbeit im Home-Office seit Beginn der Corona-Pandemie verbessert. Umgekehrt müsse man aber auch vorsichtig sein, weil die Grenze immer mehr verschwimme.

Ganz wichtig - ob zuhause oder im Ausland - sei die Ausstattung. Eine gute Beleuchtung, ein großer Schreibtisch oder ein guter Stuhl, wo man keine Rückenschmerzen bekomme. Ab und zu könne man mit dem Laptop an einem Wohnzimmertisch arbeiten, auch im Ausland. «Aber über längere Zeit wird es irgendwann schwierig und wirkt sich auch auf die Produktivität aus», sagt Bockstahler.

Gegen eine Workation, eine Mischung aus Arbeit und Urlaub, spreche aus Sicht der Wissenschaftlerin nichts. «Solange man gut die Grenze ziehen kann.» Genau das plant nun Bosch-Mitarbeiterin Karla Krieg. Einen Monat im Frühjahr, vielleicht in Griechenland oder Spanien, könne sie sich gut vorstellen. «Wenn es hier noch regnet.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Rheinland-Pfalz senkt das Mindestinvestitionsvolumen für die Tourismusförderung auf 50.000 Euro. Beherbergungs-, Camping- und Gastronomiebetriebe können unter den genannten Voraussetzungen Zuschüsse erhalten, die bei bestimmten Investitionen bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten betragen.

BWH-Geschäftsführerin Carmen Dücker spricht sich dafür aus, unterschiedliche Stärken und Arbeitsweisen der Generationen im Team zu berücksichtigen. Flexibilität und Austausch dürften dabei nicht nur von einer Seite erwartet werden.

Eine aktuelle DATEV-Analyse zeigt, dass vor allem langjährig Beschäftigte und qualifizierte Fachkräfte von der Inflationsausgleichsprämie profitierten. Zudem zahlten kleine und mittlere Unternehmen häufiger als Kleinstbetriebe.

Die Nachfrage bleibt vergleichsweise stabil, doch höhere Kosten belasten die Margen in Reise, Freizeit und Gastgewerbe. Wie unterschiedlich sich Hotelbetriebsergebnisse entwickeln, zeigt ein europäischer Städtevergleich: Berlin verzeichnet ein Minus von zwölf Prozent, Mailand ein Plus von 34 Prozent.

Der Kreditschutzverband zählt in Österreich 640 Insolvenzen in Beherbergung und Gastronomie von Januar bis September 2026 – acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In 245 Fällen seien die Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet worden.

Auch nach der Inkassoübergabe bleibt das Geld oft aus: Forderungen von Hotels, Gastronomen und Imbissen werden innerhalb eines Jahres nur halb so häufig vollständig bezahlt wie im Branchendurchschnitt. Bei vollständig beglichenen Forderungen vergehen im Median 106 Tage.

Die schleppende Digitalisierung der Verwaltung belastet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Für drei Viertel der Unternehmen ist die digitale Rückständigkeit ein internationaler Standortnachteil, so eine aktuelle Bitkom-Umfrage.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Gastgewerbe zeigt sich von Januar bis Juli eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzhäufigkeit.

Psychische Erkrankungen entwickeln sich nach einer Auswertung der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zusehends zu einem Treiber für Fehlzeiten im Job - und das mit langen Ausfallzeiten.

Ab dem 15. Oktober ist das Trinken von Alkohol auf allen Bahnhöfen verboten. Das Anstoßen auf dem Bahnsteig etwa hat dann Konsequenzen. Aber was gilt für Gepäck - und in der Gastronomie?