Studie: Männer würden von steuerfreien Überstunden mehr profitieren

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die von der Bundesregierung geplante Steuerbefreiung für Überstundenzuschläge würde nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor allem Männern zugute kommen. Einer der Gründe dafür ist, dass die Neuregelung nur für Vollzeitbeschäftigte gelten kann. Frauen sind aber viel häufiger in Teilzeit tätig als Männer. «Die Steuerfreiheit wird ganz überwiegend bei Männern ankommen», sagte der IAB-Experte Enzo Weber, neben Jonas Weik, Susanne Wanger und Yvonne Lott einer von vier Autoren der Studie. 

Traditionelle Rollenverteilung

«Da in erster Linie Männer vollzeitbeschäftigt sind, Überstunden leisten können und somit im Schnitt mehr verdienen, könnte sich die Arbeitsteilung in Familien wieder mehr in Richtung einer traditionellen Rollenverteilung – Frauen in Teilzeit und Männern in Vollzeit – entwickeln», heißt es in der IAB-Studie. 

Dies widerspreche dem gleichstellungspolitischen Ziel, den Erwerbsumfang von Frauen zu steigern. Denn: Im Rennen um die in vielen Unternehmen nach wie vor dringend benötigten Fachkräfte gelten Frauen als eines von mehreren Potenzialen, die noch gehoben werden können. Vergünstigungen, die bei der Aufstockung des Teilzeitbudgets greifen sollen, könnten dies zum Teil ausgleichen. 

Wenige Frauen bereit zu Überstunden

Insgesamt ist die Bereitschaft, künftig an einzelnen Tagen mehr als zehn Stunden zu arbeiten, bei den Beschäftigten sehr schwach ausgeprägt - bei Frauen noch schwächer als bei Männern, auch dann, wenn sie keine Kinder zu betreuen haben. Nur ein Viertel der Frauen - unabhängig von zu betreuenden Kindern - signalisierte in der Befragung Bereitschaft, an einzelnen Tagen mehr als zehn Stunden zu arbeiten. Bei Männern mit Kindern liegt dieser Prozentsatz bei 48 Prozent, bei Männern ohne Kinder bei 38 Prozent.

Die Reform der Bundesregierung gilt als umstritten. Insbesondere auch deswegen, weil die Beiträge zur Sozialversicherung, die auf Überstunden anfallen und häufig in der Summe höher sind als die reine Steuer, 

Das IAB hatte in seiner kurz nach Veröffentlichung des Koalitionsvertrages im April dieses Jahres durchgeführten Online-Befragung «Arbeiten und Leben in Deutschland» Antworten von 3.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 18 bis 65 Jahren erhalten. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Wie sind die Aussichten für die Beschäftigung in Deutschland? Während das Barometer des Ifo-Instituts schlecht ausfällt, sieht es beim IAB besser aus. Das könnte daran liegen, wer gefragt wurde.

Die Deutschlandchefin des Kurzzeitvermietungsportals Airbnb, Kathrin Anselm, hat Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, ihr Unternehmen trage Mitschuld an den explodierenden Mieten in Berlin. Die Managerin äußerte Zweifel an einer DIW-Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Airbnb-Angebot und steigenden Mieten nahelegt.

Es gibt Dinge, die man lieber nicht in Gegenwart seiner Vorgesetzten sagt - egal in welcher Sprache. Doch selbst wenn man sie sagt, ist eine Kündigung unter Umständen unwirksam, entschied ein Gericht.

Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland erhalten weiterhin Unterstützung durch ein bundesweites Förderprogramm zur Unternehmensberatung. Das Programm zielt darauf ab, die Erfolgsaussichten, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und gilt auch für Unternehmen des Gastgewerbes.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) hat seinen aktuellen Zahlenspiegel für das dritte Quartal 2025 vorgelegt. Die Publikation bietet eine Übersicht der zentralen wirtschaftlichen Kennzahlen aus Hotellerie und Gastronomie.

McDonald's Deutschland hat die Ergebnisse der fünften Ausbildungsstudie veröffentlicht. Diese offenbaren eine zunehmende Verunsicherung und eine skeptische Haltung bezüglich der gesellschaftlichen Durchlässigkeit und der Wirkung von Leistung.

Viele Beschäftigte winken bei Weiterbildungen ab – weil sie weder mehr Gehalt noch Aufstiegschancen erwarten. Experten sehen darin eine Bürde für die Wirtschaftskraft - und wollen Hürden abbauen.

Künstliche Intelligenz macht im Beruf vieles einfacher – aber wer steht gerade, wenn die Tools fehlerhafte Ergebnisse ausspucken? Eine Rechtsexpertin ordnet ein.

Die Verdienstgrenze für Millionen Minijobber steigt zum 1. Januar auf 603 Euro und zum 1. Januar 2027 auf 633 Euro. Die Grenze wird aufgrund ihrer Koppelung an den gesetzlichen Mindestlohn erhöht: Jede Erhöhung führt automatisch zur Anpassung der Minijobgrenze.

Jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland fürchtet nach einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts akut um die eigene Existenz. Als größte Gefahr sehen die Unternehmen demnach branchenübergreifend Auftragsmangel, der finanzielle Engpässe nach sich zieht.