Vor zehn Jahren wurde der Cronut zur Mutter der viralen Food-Trends

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Doch, den Cronuts gibt es noch. Sogar immer noch jeden Monat in einer neuen Geschmacksrichtung. Für Dezember ist das Malz-Karamell, für etwa sieben Dollar (6,50 Euro) pro Stück, wie die New Yorker Bäckerei von Star-Konditor Dominique Ansel mitteilt.

Was es aber nicht mehr gibt, sind die langen Schlangen. Vor zehn Jahren hatte die Einführung des Cronut - halb Croissant, halb Donut, mit Cremeschicht innen und oben drauf - zu einem solchen Hype geführt, dass schon am frühen Morgen hunderte Menschen vor Ansels Bäckerei anstanden, um eines der begehrten Gebäckstücke zu ergattern, damals 2013 noch für fünf Dollar. Im Internet wurden die Kringel teilweise für ein vielfaches weiterverkauft. Inzwischen kann man sich in der Bäckerei im Szene-Stadtviertel Soho in Manhattan auch am Nachmittag noch entspannt einen Cronut kaufen.

Der Ansturm auf das Gebäckstück hat nachgelassen - aber sein Erfolg war nachhaltig. Der Cronut, dessen Namen sich Ansel längst hat patentieren lassen, wurde weltweit berühmt und gilt inzwischen als Mutter aller inszenierten und Instagram-tauglichen Food-Trends. Seitdem folgten - in New York und weltweit - unter anderem Ramen-Burger, Rainbow-Bagel und unzählige andere meist kurzzeitig gehypte Angebote.

Ein Ex-Koch des früheren US-Präsidenten Donald Trump löste beispielsweise mit Riesen-Milchshakes einen Hype aus. Inzwischen gibt es die spektakulären Kalorienbomben aus Eiscreme, Milch, Sirup und jeder Menge Süßigkeiten sogar in Dubai. In Berlin und anderswo entstanden unter anderem Cruffins (Mischung aus Croissants und Muffins) und Croffles (Mischung aus Croissant und Waffeln).

Seit dem Cronut seien virale Food-Trends das Ziel fast jedes neuen Gastronomie-Betriebs - in der Hoffnung, so gleich viel Wirbel und damit viele zahlende Kunden und Kundinnen zu bekommen und sich von der Konkurrenz abzusetzen, sagt Gastronomie-Experte Adam Platt vom «New York Magazine». «Jeder Koch, der heute ein neues Restaurant eröffnet, denkt sich ein oder zwei Gerichte aus, von denen er hofft, dass sie auf Instagram viral gehen. Wir nennen das Instagram-Köder.»

Dass die Food-Trends ausgerechnet von New York aus die Welt erobert haben, ist nach Einschätzung von Restaurant-Kritikern kein Zufall. Einen Gastronomie-Betrieb in dieser Stadt zu betreiben sei schwieriger und teurer als anderswo, sagt Restaurant-Kritiker Alan Sytsma vom «New York Magazine». «Die Menschen sehen es als einen Weg, ihr Erbe zu zementieren - dass sie es nach New York geschafft haben und hier Erfolg hatten.» Die Konkurrenz sei größer, gute Angestellte schwieriger zu bekommen und zu halten und das Publikum sei anspruchsvoller als anderswo.

Das führe dann aber auch dazu, dass in der Millionenmetropole immer wieder Trends geboren würden. «Alles wird durchgespielt und was immer am Ende durchkommt, was immer New Yorker aussuchen, wird in die Welt gesendet. Wenn es in New York gemacht wird, dann ist es offiziell Trend.»

Wie genau entstehen solche Trends und was funktioniert? Das ist eine Mischung aus Zufall, künstlicher Verknappung, raffiniertem Marketing - vor allem auch online über die sozialen Medien - und Neuigkeits-Faktor. Um viral zu gehen, sind die Kreationen idealerweise neuartig, sehr fotogen, relativ simpel und nicht allzu teuer. Cronut-Erfinder Ansel rief damals einfach beim «New York Magazine» an - wurde vom Erfolg dann aber doch überrascht. «Ich hatte nichts erwartet», sagte er dem «Forbes»-Magazin. «Ich wollte das einfach nur zum Muttertag machen und dann ging es viral und es war verrückt, das zu sehen.»

Es funktioniert allerdings längst nicht alles: Ansel selbst hat seit dem Cronut zahlreiche weitere Kreationen erfunden, darunter ein Wassermelonen-Eis in einem Stück echter Wassermelone mit Kernen aus Bitterschokolade, ein Pfirsich-Eis, das zur Blume wird, wenn man es in der Verpackung nach oben schiebt, und ein viereckiges Kiwi-Eis. Auf Instagram verbreiteten sich auch diese Kreationen rasant - ein Ansturm wie beim Cronut blieb aber aus.

Gourmets und Restaurant-Kritiker sind in Hinblick auf Food-Trends kritisch. Einige der Kreationen seien sicherlich lecker, sagen beispielsweise Sytsma und Platt vom «New York Magazine». Aber sie raten trotzdem dazu, dem eigenen Geschmack zu folgen und nicht jedem Hype nachzugeben: «Esst solche Sachen nicht, macht keine Fotos davon, schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit.»

Trotzdem: Food-Trends scheinen sich nicht aufhalten zu lassen. New York erlebte gerade erst eine Art «Cronut 2.0» mit dem Suprême, einer Art sehr fotogenes Croissant, rund und mit Creme verschiedener Geschmacksrichtungen gefüllt. Vor der Lafayette Grand Bakery im Stadtviertel Noho in Manhattan bildeten sich erneut lange Schlangen, die Gebäckstücke waren rasend schnell ausverkauft. Der Suprême, schrieb das Gastro-Portal «TastingTable», sei die «heißere und coolere ältere Schwester des Cronut». (dpa)


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