Weniger Firmeninsolvenzen im Mai - Gastgewerbe bleibt stark betroffen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Inmitten der Pleitewelle bei deutschen Unternehmen gibt es etwas Entspannung. Erstmals seit Februar ist die Zahl der Insolvenzen gesunken. Im Mai registrierten Amtsgerichte 1.995 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 2,0 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, berichtete das Statistische Bundesamt. 

Experten sehen aber keine Trendwende. Auch sieht die längere Betrachtung schlechter aus: Von Januar bis Mai stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen um knapp fünf Prozent auf 10.546. 

 «Insolvenzen gehören zur Marktwirtschaft», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. «Das aktuelle Ausmaß muss uns jedoch alarmieren.» Denn trotz des leichten Rückgangs im Mai bleibe das Niveau außergewöhnlich hoch. «In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben so viele Betriebe Insolvenz angemeldet wie seit 2014 nicht mehr.» 

Firmen am Weltmarkt unter Druck

Rein rechnerisch melde in Deutschland alle 20 Minuten ein Betrieb Insolvenz an, so die DIHK. Hiesige Firmen müssten einen wachsenden Wettbewerbsdruck mit hohen Arbeits-, Energie- und Bürokratiekosten am Standort Deutschland bewältigen. «Das geht an die Substanz.» 

«Ausdruck von Strukturwandel»

Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht dagegen keinen Grund für Alarmismus. «Die aktuelle Entwicklung ist vor allem Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels», sagt Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des VID. 

Nicht jedes Geschäftsmodell, das vor zehn Jahren funktioniert habe, passe noch zu den heutigen Marktbedingungen. «Verändertes Konsumverhalten, Digitalisierung, höhere Finanzierungskosten und neue Formen der Arbeitsorganisation setzen Unternehmen unter Anpassungsdruck.» 

Für Betroffene sei jede Insolvenz schmerzhaft und mit erheblichen Folgen verbunden, sagt Niering. «Zugleich werden dort, wo Geschäftsmodelle nicht mehr tragen, Kapazitäten frei.» Entscheidend sei, dass Kapital, Flächen und Arbeitskräfte danach in zukunftsfähige Geschäftsmodelle fließen.

Lagerei, Gastgewerbe und Bau besonders betroffen

Der wirtschaftliche Druck trifft Branchen unterschiedlich hart, wie die Statistik zeigt. Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es demnach von Januar bis Mai 29,8 Insolvenzen. Am stärksten traf es die Branchen Verkehr und Lagerei mit 57,2 Fällen je 10.000 Firmen. Es folgt das Gastgewerbe (49,2), wo Betriebe mit steigenden Energiekosten und Konsumflaute kämpfen und das Baugewerbe (44), wo die Krise am Neubau und steigende Zinsen Spuren hinterlassen.

Die Forderungen der Gläubiger bezifferten die Amtsgerichte von Januar bis Mai auf rund 15,4 Milliarden Euro - deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum (25,7 Mrd. Euro). Grund für den Rückgang ist, dass damals mehr große Unternehmen insolvent gingen. 

Die Daten des Statistischen Bundesamts sind allerdings ein Blick in den Rückspiegel: Denn die Anträge der Firmen fließen erst nach Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt oft fast drei Monate davor.

Auch Privatleute geraten in der Wirtschaftskrise in finanzielle Bedrängnis: Im Mai sank zwar die Zahl der Verbraucherinsolvenzen binnen Jahresfrist um gut zehn Prozent auf 5.926. Von Januar bis Mai gab es aber einen Anstieg um knapp zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 32.093.

Hoffen auf Besserung 2027

Die deutsche Wirtschaft wird seit längerem von einer Pleitewelle erschüttert. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen laut Statistischem Bundesamt um gut zehn Prozent auf 24.064 - der höchste Stand seit 2014. Schon 2023 und 2024 war die Zahl der Firmenpleiten je um mehr als 20 Prozent gewachsen. 

Schnelle Besserung ist nach Einschätzung von Experten nicht in Sicht. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das monatlich die Entwicklung der Insolvenzen analysiert, berichtete jüngst für Juli von einem «außergewöhnlich hohen Niveau» an Firmenpleiten in Deutschland. Zwar gebe es etwas Entspannung zum Vormonat, doch Frühindikatoren deuteten für die kommenden Monate auf sehr hohe Insolvenzzahlen hin.

Auch der Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform, Patrik-Ludwig Hantzsch, glaubt nicht, dass sich die Lage bald grundlegend entspannt. Eine Trendumkehr sei «ziemlich sicher», wenn überhaupt, erst im Jahr 2027 realistisch - «und dann wahrscheinlich auch erst im späteren Jahresverlauf». (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Wenn der Chef die Urlaubswünsche für das ganze Jahr haben möchte, fängt das große Grübeln an. Denn nicht immer ist alles schon durchgeplant. Darf er das überhaupt verlangen?

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat entschieden: Wer für Unternehmen schlechte Google-Bewertungen entfernen oder beanstanden will, benötigt dafür unter Umständen eine rechtliche Zulassung. Hotelverband und DEHOGA sagen, was dies für das Gastgewerbe bedeutet.

Für einen Liter Benzin musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im April fünf Minuten arbeiten. Der Ölpreisanstieg durch den Iran-Krieg ist aber weniger heftig als nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Bei den Firmenpleiten in Deutschland zeichnet sich aktuell keine Entspannung ab: Neue Höchstwerte gab es im April in den Bereichen Hotel und Gastronomie sowie Grundstücks- und Wohnungswesen.

Nur noch dies und das erledigen, immer ansprechbar sein und dann auch noch Meetings: Viele Menschen leiden unter zermürbendem Stress im Job. Leider lässt sich der nicht immer vermeiden. Aber: Mit ein paar einfachen Strategien lässt er sich besser managen.

Meta nutzt öffentliche Beiträge auf Facebook und Instagram, um seine KI zu schulen. Was Sie verhindern können, was dabei wichtig ist - und wie es mit WhatsApp aussieht.

Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag – im Mai stehen einige Feiertage an. Doch gerade bei Minijobbern, die nicht an jedem Tag der Woche arbeiten, kann das Fragen zu den Themen Gehalt und Arbeitszeiten aufwerfen. Was gilt?

Eine Umfrage unter Personalentscheidern zeigt, dass viele Unternehmen weiterhin auf Anwesenheitspflichten setzen. Gleichzeitig nennen Befragte konkrete Faktoren, die die freiwillige Rückkehr ins Büro beeinflussen.

Die Arbeitskosten im Gastgewerbe in Deutschland sind bis zum Jahr 2025 auf 27,40 Euro je Arbeitsstunde gestiegen. Das geht aus einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Im Jahr 2020 hatten die Kosten noch bei 20,90 Euro gelegen. Daraus ergibt sich ein Anstieg um 31,1 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Wegen der weltweiten Krisen wollen die Unternehmen in Deutschland nach Angaben des Ifo-Instituts mehr Stellen abbauen. Das entsprechende Beschäftigungsbarometer sank im März um mehr als zwei Punkte auf den niedrigsten Wert seit fast sechs Jahren.