Wer wird im Arbeitszeugnis zuerst genannt?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Schon eine ungewöhnliche Reihenfolge in einer Aufzählung kann in einem Arbeitszeugnis ein versteckter Hinweis sein. Bei der Beurteilung der sozialen Fähigkeiten sei es wichtig, dass die Vorgesetzten zuerst genannt werden, erläutert die Rechtsberaterin Britta Clausen im Podcast «Ihr Recht» der Arbeitnehmerkammer Bremen.

So müsse es in der Formulierung zuerst heißen, dass jemand mit den Vorgesetzten gut zurechtgekommen ist, dann erst mit den Kollegen und anschließend mit Kunden, sofern mit Kunden zusammengearbeitet wurde. Stimmt diese Reihenfolge in der Aufzählung nicht, werden also zuerst die Kollegen erwähnt und erst dann der Vorgesetzte, so bedeute dies, dass man mit dem Vorgesetzten nicht richtig zurechtkam, sagt Clausen. 

Lob für Banalitäten ist schlechtes Zeichen

Ein Hinweis auf Pünktlichkeit ist auch eher nicht wohlwollend. «Von einem Arbeitnehmer wird prinzipiell erwartet, pünktlich zu sein», sagt Clausen. Am besten sollte Pünktlichkeit also gar kein Thema im Zeugnis sein. Lob für Banalitäten sei immer ein schlechtes Zeichen. 

Genauso ist «Sie war stets bemüht...» eine kritische Formulierung. Das klinge zwar zunächst positiv, es aber enthält die Kritik, dass jemand es nicht geschafft habe, die Anforderungen zu erfüllen. Ein «geselliger Umgang mit Kollegen» ist ebenfalls nicht positiv: Dies spiele auf Geschwätzigkeit oder sogar auf ein Alkoholproblem an.

Schließlich gibt es noch so etwas wie ein echtes verstecktes Zeichen, erklärt Clausen: Ein Strich neben einer Unterschrift könne bedeuten, dass der Zeugnisempfänger ein Gewerkschaftsmitglied ist. 

Berichtigung erbitten

Wer unpassende Formulierungen oder Hinweise im Zeugnis entdeckt, ist nicht machtlos. Der Arbeitnehmer kann dann vom Arbeitgeber eine Berichtigung erbitten, freundlich auf kritische Stellen oder Formalien hinweisen und einen korrigierten Entwurf beilegen, rät Clausen. Zugleich sei es ratsam eine Frist vom zwei oder drei Wochen zu setzen. Verweigert sich der Arbeitgeber einer Korrektur oder reagiert er nicht, gibt es die Möglichkeit einer Zeugnisberichtigungsklage vor dem Arbeitsgericht. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

August 2021: Hoteliers und Gastronomen setzen mehr um / Zahlen weiter unter Vor-Corona-Werten

Der Umsatz im Gastgewerbe ist im August 2021 gegenüber Juli real um 5,9 Prozent und nominal gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg der Umsatz real um 5,9 Prozent.  Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lag der Umsatz damit noch 16,2 Prozent vergleichbaren Vor-Corona-Werten.

Dürfen Arbeitnehmer Geschenke von Kunden bedenkenlos annehmen?

Wer viel mit Kundinnen und Kunden arbeitet, stand vielleicht schon einmal vor der Frage: Soll ich das angebotene Geschenk annehmen? Und darf ich das überhaupt? Ein Rechtsexperte klärt auf.

Anteil von 2G- und 3G-Betrieben in Niedersachsen ungefähr gleich

In Niedersachsen gelten von Kreis zu Kreis gelten unterschiedliche Corona-Regelungen. Unterm Strich halte sich der Anteil an Betrieben, die nach 2G- und 3G-Regeln öffnen, ungefähr die Waage, wie nun der DEHOGA mitteilte.

Gastgewerbe in Baden-Württemberg kämpft um Nachwuchs

Dem Hotel- und Gastgewerbe in Baden-Württemberg fehlen weiter Auszubildende. Im vergangenen Jahr wurden im Südwesten 21 Prozent weniger Ausbildungsverträge in Hotellerie und Gastronomie abgeschlossen als 2019.

Corona-Regeln im Südwesten: Schüler brauchen keinen Testnachweis

Nachdem Restaurants in Baden-Württemberg die Bewirtung von Kindern und Jugendlichen mit Hinweis auf fehlende Testnachweise abgelehnt haben, stellt der DEHOGA klar: Schülerinnen und Schüler müssen in der Gastronomie oder Hotellerie keine Testnachweise vorlegen.

 

„Gelber Schein“ nach Kündigung: Arbeitnehmer müssen Krankheit im Zweifel nachweisen

War die für die Zeit ihrer Kündigungsfrist krank gemeldete Kollegin wirklich krank? Ein Unternehmen in Niedersachsen sieht das nicht so - und zahlt das Entgelt trotz Krankenscheins nicht aus. Das Bundesarbeitsgericht sagt nun: Das kann rechtens sein.

Corona kein Betriebsrisiko - Minijobber bekommen ohne Arbeit kein Geld

Arbeitgeber tragen nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts nicht das Betriebsrisiko, wenn ihre Geschäfte per allgemeiner Lockdown-Verordnung schließen mussten. Sie haben damit auch nicht die Pflicht zur Entgeltfortzahlung an Minijobber. Das entschied das Bundesarbeitsgericht.

Kein Geld für Minijobber bei Corona-Schließung

Geschäftsschließungen per Corona-Verordnung zur Eindämmung der Pandemie gehören nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts nicht zum allgemeinen Betriebsrisiko für Unternehmer. Diese würden damit auch nicht das Risiko für den Arbeitsausfall von Minijobbern tragen.

Umfrage: Corona stresst Azubis und Studierende

Für Studenten, Studentinnen und Auszubildende ist vieles unsicher. Meist gibt es noch keine sichere Perspektive, noch keinen festen Job. Der Lerndruck ist hoch, das Geld knapp. Und dann noch die Corona-Pandemie - eine ungute Mischung.

Jedes fünfte Unternehmen will mehr Homeoffice

Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland will einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten längerfristig ausbauen.