Zulässige Abmahnungen sind kein Mobbing

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Lästereien, Isolation oder Schikane: Mobbing hat viele Gesichter. Gehören auch regelmäßige letztlich unberechtigte Abmahnungen dazu? Ein Arbeitnehmer hatte deshalb auf Schmerzensgeld geklagt - und verloren. Auf das entsprechende Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln weist der Bund-Verlag hin.

In dem Fall hatte ein Mann wegen Gesundheitsschädigung von seinem Arbeitgeber ein Schmerzensgeld in der Höhe von mindestens 53.000 Euro verlangt. Dem Prozess waren acht Jahre voller arbeitsrechtlicher Konflikte vorangegangen.

Gegen den Arbeitnehmer wurden insgesamt 14 Abmahnungen ausgesprochen, unter anderem wegen Arbeitszeitverstößen durch Privattelefonate, eigenmächtigen Fernbleibens von der Arbeit, Zuspätkommens und Verstößen im Zusammenhang mit Krankmeldungen. Der Arbeitgeber versuchte auch, dem Mitarbeiter zu kündigen.

Gericht kassierte Abmahnungen ein

Gegen diese einzelnen Maßnahmen ging der Mitarbeiter erfolgreich vor Gericht vor. Die Abmahnungen mussten aus seiner Personalakte entfernt werden und auch die Kündigung wurde als unzulässig bewertet. Zwei weitere Anträge auf Kündigung wurden vom Integrationsamt, zu dessen Aufgaben auch das Durchsetzen des Kündigungsschutzes für schwerbehinderte Menschen gehört, abgelehnt. Denn der Mitarbeiter war inzwischen aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt worden.

Im zuletzt verhandelten Schmerzensgeldprozess hatte der Mitarbeiter dem Arbeitgeber Mobbing und schwere Persönlichkeitsrechtsverletzungen vorgeworfen. Zudem legte er ein ärztliches Gutachten vor, welches gesundheitliche Probleme aufgrund der Konflikte im Job bestätigte.

Übliche Konfliktsituation am Arbeitsplatz

Dem Gericht reichte das aber nicht. Es bewertete den Sachverhalt als übliche Konfliktsituation am Arbeitsplatz. Denn für die Abmahnungen habe es jeweils einen sachlichen Grund gegeben - und rechtlich zulässige Abmahnungen seien kein Mobbing. Entscheidend sei, ob diese zum Zeitpunkt ihres Ausspruchs berechtigt erscheinen, auch wenn sie sich nachträglich als unberechtigt herausstellen.

Die Auswirkungen der Konflikte auf die Gesundheit hätten genauer und detaillierter bewiesen werden müssen. Dass der Kläger wegen der Situation am Arbeitsplatz in ärztlicher Behandlung war, reiche für den Anspruch auf Entschädigung nicht aus, so das Gericht. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Liste der Corona-Risikogebiete in Deutschland

In Deutschland stagnieren die Corona-Neuinfektionen. Die Auflistung zeigt in rot die Städte und Regionen, in denen die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen über 50 gelegen haben.

Gut jeder Zweite für Homeoffice-Pflicht

Eine Reduzierung der Kontakte im Büro hilft bei der Eindämmung des Infektionsgeschehens: Mehr als jeder zweite Berufstätige befürwortet für die Dauer der Pandemie eine Homeoffice-Pflicht.

Teil-Lockdown sorgt für gedämpfte Konsumlaune und Angst vor Insolvenzen

Wie schon die erste Corona-Welle im Frühjahr dieses Jahres hat auch die zweite Welle die Konsumlaune empfindlich gestört. Der vierwöchige Teil-Lockdown, der nun in die Verlängerung geht, hat die Verbraucherstimmung im November spürbar gedämpft.

NGG fordert Erhöhung der Löhne um 3,5 bis 5,5 Prozent in Hotels und Gaststätten

Für die Tarifrunde 2021 hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten eine tarifpolitische Empfehlung beschlossen. Demnach sollen die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen im Ernährungsgewerbe sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe um 3,5 bis 5,5 Prozent im Jahr 2021 steigen.

Selbstisolation vor Weihnachten: Was gilt für Arbeitnehmer?

Für Arbeitnehmer kann es zu einer Herausforderung werden, vor Weihnachten ihre Kontakte zu reduzieren. Aus rechtlicher Sicht ist meist nur das möglich, was mit dem Arbeitgeber abgesprochen wird.

Ifo-Geschäftsklima: Corona-Maßnahmen belasten Stimmung deutscher Unternehmen

Die Maßnahmen gegen die neue Corona-Infektionswelle haben die Stimmung deutscher Unternehmen spürbar belastet. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigster Konjunkturindikator, fiel im November gegenüber dem Vormonat um 1,8 Punkte auf 90,7 Zähler.

DEHOGA veröffentlicht Zahlenspiegel zum Gastgewerbe für drittes Quartal 2020

Auch für das 3. Quartal 2020 hat der DEHOGA wieder die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen aus Hotellerie und Gastronomie in seinem aktuellen Zahlenspiegel zusammengestellt. Die Daten verdeutlichen die gravierenden Auswirkungen der Corona-Krise auf unsere Branche verdeutlichen.

 

Kurzarbeit: Was Beschäftigte wissen müssen

Die Bundesregierung setzt zur Sicherung von Arbeitsplätzen weiter auf den Ausbau von Kurzarbeit. Die Corona-Sondermaßnahmen wurden bis Ende 2021 verlängert. Was bedeutet das konkret?

ifo Institut: Deutsche Unternehmen unsicher über den Verlauf ihrer Geschäfte

Den deutschen Unternehmen fällt es wegen Corona derzeit schwer, die Entwicklung ihrer Geschäfte vorherzusagen. Das ergibt sich aus einer neuen Frage, mit der das ifo Institut die Unsicherheit von Unternehmen erfasst.

Neuer Höchststand: 23 648 neue Corona-Infektionen gemeldet

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 23 648 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Damit ist am Freitag ein Höchststand erreicht worden, wie aus den Angaben des RKI vom Morgen hervorgeht.