2,5 statt 4,2 Millionen: Wasen-Verantwortliche hinterfragen Vorjahreszahlen

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Gab es auf dem Cannstatter Wasen in diesem Jahr wirklich einen drastischen Besucherrückgang? Die Verantwortlichen des berühmten Stuttgarter Volksfestes haben da so ihre Zweifel und stellen die Zahlen der Vorjahre in Frage. «Die Rückmeldungen der Festwirte und Schausteller passen nicht zu einem Rückgang um 1,7 Millionen Besucher», sagte Guido von Vacano, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart, bei einem Pressegespräch.

Für das diesjährige Volksfest wurden 2,5 Millionen Besucherinnen und Besucher gemeldet, 2025 waren es noch 4,2 Millionen. Die aktuellen Zählungen sind nach Einschätzung der Verantwortlichen jedoch korrekt. Diese Zahl sei so genau wie möglich erfasst worden, hieß es.

«Wir haben jetzt eine neue Ausgangsbasis. Das Fest ist dadurch aber nicht schlechter», sagte Stuttgarts Wirtschafts- und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU). Er sei bereits am zweiten Festwochenende über die schlechteren Zahlen informiert worden. «Die haben uns überrascht, weil gefühlt alle zufrieden waren», sagte Fuhrmann.

Kameras zählen seit 2024

Seit 2024 werden die Besucher des Wasen mit Hilfe von Kameras an den Ein- und Ausgängen gezählt. Das System koste jährlich 45.000 Euro und diene in erster Linie der Sicherheit, sagte von Vacano, der seit April im Amt ist. Gute Besucherzahlen seien dennoch wichtig.

Nach einem erfolgreichen Auftaktwochenende seien die ersten Zahlen besprochen worden. Schon anhand dieser Daten sei absehbar gewesen, dass das Volksfest nicht auf vier Millionen Besucher kommen werde. Es folgten nahezu tägliche Besprechungen und zusätzliche manuelle Zählungen mit Klickern. Dabei habe sich gezeigt, dass die Kameraerfassung Fehler mache, diese aber nicht das gesamte Ausmaß der Abweichung erklären könnten.

Festwirte und Schausteller berichten von guter Saison

Die Vertreter der Festwirte und Schausteller stützen von Vacanos Einschätzung mit ihren Beobachtungen aus dem laufenden Geschäft. «Wir Festwirte hatten ein leichtes Umsatzplus», sagte Michael Wilhelmer, stellvertretender Sprecher der Wasen-Festwirte. Bereits im Vorfeld habe es mehr Buchungsanfragen gegeben. Zudem kämen wieder mehr Firmen für Feiern auf den Wasen, sagte Marcel Benz, Sprecher der Festwirte.

Benz sagte, er habe die bislang genannten Größenordnungen von rund vier Millionen Besuchern schon länger hinterfragt. «Da hat man schon gemerkt, dass das eigentlich nicht ganz gestimmt haben kann.»

Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbands Südwest Stuttgart, verwies auf betriebliche Kennzahlen. Personaleinsatz, Stromverbrauch und Müllaufkommen hätten sich auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren bewegt. Bei tatsächlich 1,7 Millionen weniger Besuchern hätte sich das seiner Einschätzung nach deutlicher bemerkbar machen müssen.

Früherer Wasen-Verantwortlicher weist Vorwürfe zurück

Von Vacano sagte, er habe über die Besucherzahlen auch mit seinem Vorgänger Andreas Kroll gesprochen. Kroll habe ihm erklärt, dass er die Zahlen stets von Marcus Christen erhalten habe, dem früheren für den Wasen zuständigen Abteilungsleiter.

Christen hatte zuvor gegenüber der Deutschen Presse-Agentur den Verdacht zurückgewiesen, die Besucherzahlen könnten in der Vergangenheit beschönigt worden sein. «Das ist absoluter Quatsch», sagte er. Es habe immer ein Zählsystem gegeben, das alle Besucher erfasst habe, die das Gelände betreten oder verlassen hätten. Als Abteilungsleiter habe er nichts verändert oder beschönigt.

Von Vacano sagte, hohe Besucherzahlen seien zwar gut für das Marketing. «Wir müssen aber mit den realen Daten arbeiten», betonte er. (dpa)


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