Eine aktuelle Untersuchung des Umfrageinstituts Appinio im Auftrag des Systemanbieters Lightspeed belegt, dass der Verzicht auf Alkohol in der deutschen Gastronomie kein kurzfristiges Phänomen des Jahresbeginns darstellt. Die Erhebung unter 1.000 Teilnehmern zeigt, dass alkoholfreie Alternativen für eine breite Zielgruppe dauerhaft an Bedeutung gewinnen. Gastronomen stehen jedoch vor der Herausforderung, die Wertigkeit dieser Produkte zu vermitteln, um eine entsprechende Zahlungsbereitschaft zu erzielen.
Marktanalyse zum Konsumverhalten außerhalb saisonaler Trends
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass das Interesse an alkoholfreien Optionen weit über den sogenannten alkoholfreien Januar hinausreicht. 61,1 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich, auch im restlichen Jahr entsprechende Alternativen in Restaurants und Bars zu bestellen. Die Basis für diese Entwicklung ist eine heterogene Zielgruppe. Während 25,9 Prozent der Teilnehmer angeben, grundsätzlich keinen Alkohol zu konsumieren, haben 48,0 Prozent ihr Konsumverhalten im ersten Monat des Jahres bewusst reduziert oder zeitweise eingestellt. Damit entwickelt sich das Segment zu einem stabilen Umsatzfaktor, der eine strategische Portfolio-Planung erfordert.
Gründe für den Verzicht auf Alkohol im sozialen Kontext
Die Anlässe für die Wahl alkoholfreier Getränke sind vielfältig und häufig pragmatischer Natur. Mit 46,2 Prozent bleibt die Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, der Hauptgrund. Dennoch zeigt sich eine zunehmende soziale Akzeptanz. So wählen 33,9 Prozent der Gäste auch in geselligen Runden die alkoholfreie Variante, während 30,9 Prozent während der Arbeitswoche bewusst auf Alkohol verzichten. Auch gesundheitliche Aspekte spielen für 34,3 Prozent der Befragten eine zentrale Rolle. Für Gastronomen bietet dies die Möglichkeit, gezielte Formate wie das Geschäftsessen, alkoholfreie Speisenbegleitungen oder alkoholfreie Varianten zum Feierabend anzubieten.
Herausforderungen bei der Preisgestaltung und Wahrnehmung von Mischgetränken
Trotz der steigenden Nachfrage stoßen insbesondere alkoholfreie Cocktails auf eine kritische Preiswahrnehmung. Zwar gehören alkoholfreies Bier mit 43,5 Prozent, hausgemachte Limonaden mit 41,1 Prozent und klassische Erfrischungsgetränke mit ebenfalls 41,1 Prozent zu den am häufigsten bestellten Optionen, doch alkoholfreie Mischgetränke folgen mit 38,8 Prozent knapp dahinter. Ein Problem stellt die gefühlte Wertigkeit dar: 54,9 Prozent der Befragten empfinden diese Getränke oft lediglich als teure Limonade. Während 84,2 Prozent der Gäste Wert auf Kreativität und Geschmack legen, ist für 75,6 Prozent der Preis ein entscheidendes Kriterium. Rund 35,3 Prozent der Teilnehmer würden häufiger zu diesen Alternativen greifen, wenn die Preisgestaltung attraktiver wäre.
Strategien für eine hochwertige Inszenierung des Angebots
Um aus der Wahrnehmungsfalle der teuren Limonade auszubrechen, ist eine klare Positionierung im Premium-Segment notwendig. Dies gelingt vor allem durch eine erwachsene Aromatik, die auf Bitterstoffe, Kräuter oder fermentierte Komponenten setzt, statt auf übermäßige Süße. Eine transparente Kommunikation der Zutaten auf der Getränkekarte sowie der Einsatz von hochwertigen Grundstoffen wie Botanicals oder Teebasen können den Mehrwert verdeutlichen. Sinahn Fabian Sehk, Regional Senior Director DACH Hospitality von Lightspeed, betont die Bedeutung dieser Differenzierung: „Dry January ist ein Peak, aber das Geschäft dahinter ist ganzjährig. Die Daten zeigen: Gäste wollen alkoholfreie Alternativen, sie vergleichen aber knallhart Preis und Leistung. Wenn Mocktails als ‚teure Limonade‘ wahrgenommen werden, ist das kein Nebengeräusch, sondern ein operatives Signal: Die Wertigkeit muss sichtbar werden, das geht über erwachsene Aromatik, Handwerk und eine klare Kartenlogik. Dann wird aus einem Pflichtangebot ein profitabler Umsatzblock und ein echtes Differenzierungsmerkmal.“
Sensibilität bei der Zielgruppe der Minderjährigen
Ein weiterer Aspekt der Untersuchung betrifft das Angebot von alkoholfreien Cocktails für Kinder und Jugendliche. Hier herrscht unter den Befragten eine zurückhaltende Einstellung. Lediglich 15,3 Prozent halten die entsprechende Optik für Kinder unter 12 Jahren für unproblematisch. 27,3 Prozent sehen solche Getränke für Minderjährige generell kritisch. Experten raten Gastronomen daher zu einer klaren Trennung in der Karte und einer gezielten Rubrik für Kindergetränke, um eine Fehlvermarktung zu vermeiden.











