Delivery Hero: Neu im Dax mit großen Verlusten

| Gastronomie Gastronomie

Der Bestellrekord während der Corona-Pandemie hat dem Essenslieferdienst Delivery Hero tiefrote Zahlen eingebrockt. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr im fortgeführten Geschäft ein Verlust von rund 443 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie das seit dieser Woche im Dax gelistete Berliner Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Derweil setzt der Lieferdienst seine Einkaufstour in der Welt fort. Das Unternehmen hat den Online-Lebensmittel-Marktplatz Instashop aus Dubai übernommen, der sein Geschäft im Nahen Osten und in Nordafrika betreibt.

«Instashop passt perfekt zu unserer Strategie», sagte Vorstansdchef Niklas Östberg. «Wir glauben, dass die Chancen beim Lebensmittelhandel riesig sind.»

Delivery Hero hat im deutschen Leitindex Dax den Platz des Zahlungsabwicklers Wirecard eingenommen, der infolge eines milliardenschweren Bilanzskandals in die Pleite gestürzt war. Delivery Hero wird an der Börse mit rund 19 Milliarden Euro bewertet, der Aktienkurs hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie machten dem Unternehmen zwar auch finanziell zu schaffen, auf der anderen Seite bestellten die Kunden auf den Portalen des Konzerns so viele Mahlzeiten wie nie zuvor.

So sprang der Segmentumsatz des Unternehmens - wie bereits vorab berichtet - dank des Bestellbooms in der Corona-Krise im ersten Halbjahr um rund 94 Prozent auf fast 1,13 Milliarden Euro in die Höhe. Das Management erwartet, dass das Geschäftswachstum im zweiten Halbjahr weitergeht. Das Unternehmen hatte seine Umsatzprognose für 2020 daher bereits Ende Juli auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro angehoben. Finanzchef Emmanuel Thomassin sprach von beeindruckenden Wachstumszahlen.

Allerdings schreibt das 2011 gegründete Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Das laufende Geschäft deckt bislang die Kosten nicht. Daher geht der höhere Umsatz mit höheren Verlusten einher. Das gilt auch für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten (bereinigtes Ebitda). Dieses dürfte im laufenden Jahr bei minus 14 bis minus 18 Prozent des Umsatzes liegen. Das bedeutet: Je höher die Erlöse, desto höher der absolute operative Verlust.

Trotz der roten Zahlen setzt der Lieferdienst seine Einkaufstour im Ausland fort. Jetzt übernahm das Unternehmen den Online-Lebensmittel-Marktplatz Instashop aus Dubai. Instashop wird dabei mit 360 Millionen US-Dollar (305 Mio Euro) bewertet. Delivery Hero bezahlt zunächst 270 Millionen Dollar. Je nachdem, wie sich das Geschäft von Instashop in Zukunft entwickelt, sollen dessen Gründer noch einen Aufschlag erhalten.

Delivery Hero betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25 000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Das Unternehmen vermittelt Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Das meiste Geld stammt aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

Sein deutsches Geschäft (Foodora, Lieferheld, Pizza.de) hatte Delivery Hero im vergangenen Jahr an den damaligen niederländischen Konkurrenten Takeaway.com - heute Just Eat Takeaway (Lieferando) - verkauft. Derzeit sind die Berliner vor allem auf Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika stark vertreten.


 

Notizblock

Internet

Zurück

Vielleicht auch interessant

Seit eineinhalb Wochen wird gezapft und gefeiert auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Halbzeit. Wie kommt die große Sause auf dem Cannstatter Wasen an? Die Veranstalter legen die Zahlen offen.

Zwei Hotels am Schluchsee stellen die Kulinarik in den Mittelpunkt ihres Konzepts. Während die Mühle Schluchsee ihr Restaurant als eigenständiges Ziel positioniert, integriert der Auerhahn die Gastronomie in den gesamten Aufenthalt.

Die Zahl der Gastronomiebetriebe in Großbritannien sinkt kontinuierlich, wobei im ersten Quartal 2026 täglich mehr als drei Standorte aufgegeben wurden. Steigende Lohnkosten und steuerliche Belastungen setzen die Branche unter Druck.

Das Restaurant Heritage im Hamburger Hotel Le Méridien öffnet am 30. April nach einer technischen Modernisierung der Küchenbereiche wieder seine Türen. Neben einem aktualisierten Speisenangebot setzt der Betrieb künftig verstärkt auf neue Veranstaltungsformate.

In Hamburg ist der Genuss-Michel 2026 verliehen worden. Das Fischereihafen Restaurant wurde als Restaurant des Jahres ausgezeichnet, Herbert Seckler erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

McDonald's Deutschland nimmt Stellung zur angekündigten Klage der Deutschen Umwelthilfe bezüglich früherer Angaben zur Klimaneutralität. Das Unternehmen weist den Vorwurf der Verbrauchertäuschung zurück und verweist auf bereits erfolgte Anpassungen seiner Kommunikation.

In der Allianz Arena in München sind am 26. April die sechs Finalisten des Wettbewerbs „Koch des Jahres“ ermittelt worden. Wie der Veranstalter ROIKA Solutions GmbH mitteilt, qualifizierten sich vier Teilnehmer über den Live-Wettbewerb vor einer Fachjury, zwei weitere über einen Publikumsentscheid.

Im Ausland leben, das heißt viele Erfahrungen mit einer anderen Kultur zu machen. Ein Westfale brachte die Currywurst nach Nairobi – und musste dafür so manches kulinarische Hindernis überwinden.

Eigentlich hat Kenia perfektes Biergartenwetter. Man kann das ganze Jahr hindurch draußen sitzen. Den passenden Gerstensaft nach deutschem Reinheitsgebot gibt es mittlerweile auch.

Das Schlosshotel Münchhausen in Aerzen hat sein gastronomisches Konzept verändert. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde das neue Restaurant „1570 – Casual Fine Dining“ als Nachfolger des bisherigen Gourmetrestaurants „Hilmar“ eröffnet.