Jeunes Restaurateurs: Warum Spitzenküche heute mehr leisten muss

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35 Jahre Jeunes Restaurateurs (JRE) Deutschland stehen nicht nur für kulinarische Entwicklung, sondern auch für den Wandel innerhalb der Spitzengastronomie. Während früher vor allem das Gericht im Mittelpunkt stand, wird heute intensiver denn je darüber diskutiert, welche Rolle Fine Dining künftig spielen soll. Aussagen wie „Fine Dining ist tot“, die derzeit verstärkt innerhalb der Branche diskutiert werden, stehen sinnbildlich für diese Debatte: weg vom klassischen Gourmet-Erlebnis, hin zu mehr Offenheit, Authentizität und gesellschaftlicher Relevanz.

Warum Spitzenküche heute mehr leisten muss als gutes Essen, erklärt Oliver Röder, Präsident der JRE-Deutschland:

„Es reicht heute nicht mehr, einfach nur gut zu kochen. Spitzenküche muss sich die Frage stellen, welche Verantwortung sie übernimmt – für Produkte, Produzenten, Nachwuchs und letztlich auch für die Gesellschaft. Genau darin sehen wir als JRE-Deutschland eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre.

Die Diskussion darüber, ob Fine Dining noch zeitgemäß ist, greift aus meiner Sicht oft zu kurz. Gerade Spitzenküche kann heute Orientierung geben: beim Umgang mit Lebensmitteln, bei Nachhaltigkeit, bei Regionalität und bei der Frage, wie bewusster Genuss künftig aussehen kann. Vieles, was heute in der Spitzengastronomie entsteht, wird einige Jahre später zum Standard in der gesamten Branche. Deshalb tragen wir auch eine besondere Verantwortung.

Verantwortung über die Küche hinaus

Als Vereinigung junger Spitzenköchinnen und -köche arbeiten wir seit jeher eng mit regionalen Produzenten und Partnern zusammen und setzen bewusst auf hochwertige, nachhaltig erzeugte Produkte. Diese Haltung endet für uns aber nicht an der Restauranttür. Wir wollen Wissen weitergeben, Menschen einbinden und Formate schaffen, die Gastronomie erlebbar machen.

Genau aus diesem Anspruch heraus haben wir 2024 die JRE-Deutschland Foundation gegründet. Sie bündelt unsere gesellschaftlichen Aktivitäten und schafft eine langfristige Grundlage, um Ernährungsbildung, nachhaltiges Handeln und den bewussten Umgang mit Lebensmitteln stärker in die Gesellschaft zu tragen. Gleichzeitig wollen wir damit konkrete Projekte fördern und Themen vorantreiben, die aus unserer Sicht künftig deutlich wichtiger werden – gerade mit Blick auf Kinder und Jugendliche.

Bildung und Genuss in einem

Ein zentraler Bestandteil der Foundation sind eigene Bildungs- und Veranstaltungsformate. Dazu gehört unter anderem JRE Chefs4Kids. In diesen Kochkursen stehen Kinder zwischen zehn und 14 Jahren gemeinsam mit Spitzenköchinnen und -köchen am Herd, lernen Produkte kennen und entwickeln ein Verständnis dafür, wo Lebensmittel herkommen und welchen Wert sie haben. Beim Food-Festival „ZU TISCH! 26“ in Wirsberg führen wir dieses Format am 17. Mai weiter und machen Ernährungsbildung unmittelbar erlebbar.

Ein weiterer wichtiger Baustein sind unsere regionalen Charity-Veranstaltungen. Ob in Bonn, Stuttgart oder demnächst in Baden-Baden: Hier verbinden wir kulinarische Erlebnisse mit konkreter gesellschaftlicher Wirkung. Über diese Spendenaktionen konnten seit Gründung der Foundation bereits rund 85.000 Euro gesammelt werden. Die Mittel fließen unter anderem in Programme wie die GemüseAckerdemie des Acker e. V. oder schulische Initiativen wie „HandWerk & HochGenuss“ an der Realschule Calvarienberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die nächste JRE & Friends Charity Gourmetparty findet am 5. Juli in Baden-Baden statt.

Die Politik mit einbinden

Gleichzeitig schaffen wir mit Veranstaltungen wie dem Kulinarik-Salon bewusst Plattformen für Austausch und Diskussion. Gemeinsam mit der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt bringen wir dabei einmal im Jahr Gastronomie, Politik und Öffentlichkeit an einen Tisch, um über die Zukunft der Branche zu sprechen. Im Deutschen Bundestag diskutieren Spitzenköchinnen und -köche, Branchenvertreter sowie politische Entscheidungsträger unter anderem über Ernährungsbildung, Regionalität, Inklusion, Gleichstellung und nachhaltige Rahmenbedingungen für Gastronomiebetriebe. Auch die Frage, welche gesellschaftliche Rolle Spitzengastronomie künftig übernehmen kann, steht dabei im Mittelpunkt.

Sie sehen: Für uns geht es heute um weit mehr als gutes Essen. Spitzenküche darf nicht im eigenen Kosmos bleiben. Sie muss Verantwortung übernehmen, Diskussionen anstoßen und Menschen für Themen wie Ernährung, Regionalität, Nachhaltigkeit und bewussten Genuss sensibilisieren. Genau darin sehen wir unseren Auftrag als JRE-Deutschland: kulinarische Qualität mit gesellschaftlicher Wirkung zu verbinden.“


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