Karlsruher Sternerestaurant Tawa Yama insolvent

| Gastronomie Gastronomie

Das Amtsgericht Karlsruhe hat einen Sachwalter für das Sternerestaurant Tawa Yama beauftragt. Das Restaurant will sich nun in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung neu aufstellen, um den veränderten Rahmenbedingungen zu begegnen.

Das Amtsgericht Karlsruhe ist einem entsprechenden Antrag der Geschäftsführung der Tawa Yama Betriebs GmbH & Co. KG gefolgt und hat Rechtsanwalt Holger Blümle von Schultze & Braun damit beauftragt, als vorläufiger Sachwalter die Interessen der Gläubiger wahrzunehmen.

„Wir heißen unsere Gäste im Business-Campus Raumfabrik Durlach weiterhin in beiden Restaurantbereichen willkommen, Reservierungen gelten weiterhin“, stellt Dirk Eichelbaum klar. Der erfahrene Sanierungsfachmann unterstützt die Geschäftsführung für die Dauer der Neuausrichtung. „Aus unserer Sicht bietet sich die Neuausrichtung mit einer Investorenlösung und einem angepassten Konzept an“. Löhne und Gehälter der beiden Auszubildenden, der zehn Vollzeit- und 33 Teilzeitkräfte sind über vorfinanziertes Insolvenzgeld bis einschließlich Juni 2025 gesichert.

Gründe für die Neuausrichtung

Seit 2020 ist das Tawa Yama der kulinarische Mittelpunkt auf dem Gelände der Raumfabrik, dem in seiner Art einzigartigem Business-Campus mit 80.000 Quadratmetern Gewerbefläche auf dem ehemaligen Gelände der Pfaff-Nähmaschinenfabrik. Seinerzeit war das Gastronomiekonzept des Restaurantbereichs Tawa Yama Easy mit einer gästefreundlich kalkulierten Speisekarte im Casual Dining auf das Potenzial von 3.000 Arbeitsplätzen auf dem Business-Campus ausgelegt. Derzeit sind durch Home-Office-Regelungen und vereinzeltem Leerstand einzelner Flächen wesentlich weniger Mitarbeitende täglich vor Ort.

Im Tawa Yama Easy ist ebenso wie in dem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurantbereich Tawa Yama Easy ein zurückhaltendes Konsumverhalten der Gäste zu verzeichnen: „Unsere Gäste schätzen sowohl die höchste kulinarische Kunst als auch die entspannte Dining-Umgebung mit ansprechendem Service. Gleichzeitig sind die Gäste bei ihren Bestellungen zurückhaltender und zögerlicher geworden, reduzieren ihren Konsum bei steigenden Betriebskosten“.

Vor diesem Hintergrund konnte das Weihnachtsgeschäft, das durch deutlich reduzierte Budgets für Firmenfeiern geprägt war, nicht ausgeglichen werden.

„All diese Aspekte werden wir in den nächsten Wochen mit den Gläubigern besprechen, um in diesem außergewöhnlichen Ambiente in einem aufwändig ausgestatteten Gastronomieobjekt mit einem angepassten Konzept und Investoren wieder durchstarten zu können“, so Eichelbaum.

„Das Eigenverwaltungsverfahren ist darauf angelegt, das Tawa Yama zu erhalten und für die veränderten Rahmenbedingungen neu aufzustellen. Ich bin zuversichtlich, dass Geschäftsführung und Sanierungsberatung ein Konzept erarbeiten, das dieses Ziel erreichen kann und gleichzeitig die beste Lösung für die Gläubiger ist“, sagt der vorläufige Sachwalter Holger Blümle. „Es wäre wirklich schade, wenn Karlsruhe ein so innovatives Konzept in so schönem Ambiente verlieren würde.“


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Noma in Kopenhagen gilt als eines der besten Restaurants der Welt. Doch Ex-Mitarbeiter werfen Chefkoch Redzepi laut «New York Times» Gewalt und Demütigungen vor. Jetzt zieht der Däne Konsequenzen.

Eine Woche vor der offiziellen Vorstellung der vollständigen Restaurantselektion 2026, hat der Guide Michelin die diesjährigen Preisträger des Bib Gourmand für Österreich bekannt gegeben. Wie die Organisation mitteilt, erhalten in diesem Jahr 26 Restaurants die Auszeichnung neu.

Kurz vor der Veröffentlichung des Guide Michelin Frankreich 2026 sorgen prominente Abwertungen für Aufsehen: Das Pariser Traditionsrestaurant L’Ambroisie verliert nach Jahrzehnten seinen dritten Stern, während auch renommierte Häuser in der Provinz Federn lassen müssen.

Sternekoch Heston Blumenthal kündigt die Schließung seines Zwei-Sterne-Restaurants Dinner by Heston für Januar 2027 an. Neben auslaufenden Pachtverträgen führt der Gastronom steigende Warenkosten und gesundheitliche Gründe für diesen Schritt an.

Feinkost Käfer übernimmt nach einer europaweiten Ausschreibung das Catering in den Lounges des BER und festigt damit seine Präsenz am Berliner Markt sowie im Segment der gehobenen Flughafengastronomie.

Billy Wagner analysiert die strukturelle Ausbeutung in der Sternegastronomie und fordert nach den Noma-Enthüllungen eine ehrliche Debatte über Preise und Arbeitsbedingungen. Der Inhaber des Berliner Sternerestaurants Nobelhart & Schmutzig thematisiert damit ein tief verwurzeltes Systemproblem der gesamten Branche.

Mit 20 Mikrowellen statt einer Kochbrigade: Das Startup Juit eröffnet in Berlin-Mitte einen Pop-up-Store für tiefgekühlte Fertiggerichte. Kunden können ihre Mahlzeit in acht Minuten vor Ort selbst erwärmen oder für den späteren Verzehr mit nach Hause nehmen.

Gastronom Josef Laggner rettet das insolvente „Kuchel Eck“ in Berlin-Wilmersdorf. Die traditionsreiche Eckkneipe am Ludwigkirchplatz bleibt unter ihrem Namen bestehen und wird Teil der Laggner Gruppe.

Die US-Gastronomie steht vor einer Bereinigungswelle. Laut aktuellen Branchenberichten droht fast jedem zehnten Bedienrestaurant das Aus, da massive Kostensteigerungen und Umsatzrückgänge die Rentabilität behindern.

Das dänische Restaurant Noma und dessen Inhaber René Redzepi stehen im Zentrum massiver Kritik durch ehemalige Angestellte. Die New York Times berichtet über eine Arbeitskultur der Angst und Gewalt. Inszwischen hat sich Inhaber René Redzepi zu den Vorwürfen geäußert.