Kölner Palmengarten über EU-Veggie-Entscheidung: „Das ist so dermaßen bescheuert“

| Gastronomie Gastronomie

Der Kölner Gastronomiebetrieb Palmengarten, ein Biergarten und Restaurant nahe der Stadthalle in Köln-Mülheim, hat sich in Social Media gegen einen Beschluss des Europäischen Parlaments zur möglichen Einschränkung von Bezeichnungen für pflanzenbasierte Lebensmittel positioniert. Demnach sollen Begriffe wie „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ künftig nur noch für tierische Produkte zulässig sein.

Palmengarten hält Verbot für „bescheuert“

Der Palmengarten reagierte auf seinem Social-Media-Kanal mit deutlicher Ablehnung auf die Abstimmung in Straßburg. In dem Statement, das Fachpublikum aus der Hotellerie und Gastronomie adressiert, heißt es in einer emotionalen Kritik an das Europäische Parlament: „Ihr habt echt nicht mehr alle Latten am Zaun. Jetzt habt ihr uns allen heute ernsthaft verboten, dass wir vernünftige vegane Alternativen in Zukunft „Wurst“ oder „Schnitzel“ oder „BURGER“ nennen dürfen??? Das ist so dermaßen bescheuert, dass wir es noch immer nicht fassen können.“

Der Betrieb weist die Annahme eines Verwechslungsrisikos zwischen veganen und tierischen Produkten zurück. „Als ob unsere Gäste oder die Menschen in Europa so dermaßen minderbemittelt wären, als dass sie nicht zwischen vegan oder Fleisch entscheiden könnten, nur weil da „Wurst“ steht“, so der Palmengarten. Man biete von Anfang an eine vegane Currywurst an, und „NOCH NIE ist das verwechselt worden“. Auch beim Mettmahl, bei dem 5000 Mettbrötchen geschmiert würden, gebe es selbstredend eine vegane Alternative.

Bezeichnungen als Beschreibung des Gerichts

Der Palmengarten argumentiert, dass die Bezeichnungen die Art des Gerichts beschreiben: „Ein Burger ist ein Gericht zwischen 2 runden Brothälften, ob da gebratenes Rindfleisch oder ein vegetarischer Ziegenkäse zwischensitzt, das geht euch nen feuchten Kehricht an.“ Weiter wird die Logik der Bezeichnung eines Schnitzels erläutert: „Und ein Schnitzel ist ein Wiener Schnitzel wenn es vom Kalb ist und Wiener Art wenn es vom Schwein ist. UND WENN DA SELLERIESCHNITZEL AUF DER SPEISEKARTE STEHT, DANN IST DA EBEN VERDAMMTER SELLERIE ZWISCHEN EI UND PANADE!!!

Der Kölner Gastronom erklärt, dass man seinen Gästen stets eine vegane Alternative anbieten werde und die Gerichte auch weiterhin so bezeichnen wolle, wie es der Betrieb für richtig hält. Die Stellungnahme endet mit der Aufforderung: „Und Brüssel - kommt ihr mal zur Besinnung und kümmert euch um die wichtigen Sachen!“

Hintergrund des Vorhabens und Kritik aus der Branche

Der Beschluss des EU-Parlaments sieht vor, Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ oder „Soja-Schnitzel“ zu untersagen. Die Mehrheit der Abgeordneten möchte, dass Begriffe wie „Steak“ oder „Wurst“ ausschließlich für tierische Lebensmittel genutzt werden. Für das Inkrafttreten der Vorgaben ist noch die Zustimmung der EU-Staaten notwendig.

Die zuständige Abgeordnete Céline Imart (EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören) begründet die Initiative mit einem „echten Verwechslungsrisiko“, da pflanzenbasierte Ersatzprodukte nicht dieselben Nährwerte wie die tierischen Originale böten. Zudem soll das Vorhaben Landwirte schützen.

Das geplante Verbot stößt jedoch auf scharfe Kritik von Verbraucherschützern und Unternehmen der Lebensmittelbranche. Die Organisation Foodwatch betonte, dass niemand Tofuwürstchen versehentlich kaufe, weil er Rinderwürste erwarte. Auch Unternehmen wie Aldi Süd, Lidl und Burger King sprachen sich in einem gemeinsamen Schreiben gegen das Vorhaben aus.

Deutschland gilt als der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Im Jahr 2024 wurden hierzulande etwa 121.600 Tonnen Fleischersatz hergestellt, was einer Verdopplung im Vergleich zu 2019 entspricht. Das Parlament muss nun mit den EU-Staaten über eine endgültige Einigung verhandeln. Eine Position der Bundesregierung zu dem Parlamentsbeschluss ist bisher nicht bekannt.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In Köln trafen sich die besten Nachwuchstalente zum 16. Teamcup der Systemgastronomie. In einem simulierten Betriebsszenario kämpften 27 Teams um den Sieg und bewiesen Fachwissen von der Inventur bis zur Produktentwicklung.

Rund eine Woche nach dem Start eines Bürgerbegehrens für ihre Zulassung zum Oktoberfest, hat die Giesinger Brauerei mehr als 5.000 Unterschriften gesammelt. Ziel ist die Erzwingung eines Bürgerentscheids über die Zulassung.

«Redo» hat es mit seinen XXL-Restaurants zu lokaler Berühmtheit gebracht. Seit einiger Zeit startet der Gastronom als Influencer durch. Über einen Nimmermüden mit einem bescheidenen Traum.

Mit Tim Mälzer und Lukas Mraz bewirbt WienTourismus die kulinarische Vielfalt der österreichischen Hauptstadt. Die Kampagne ist Vorbote für das Themenjahr 2026 und rückt sowohl die klassische Wirtshauskultur als auch die Sterne-Gastronomie in den Fokus.

Sternekoch Alexander Herrmann startet im Wirsberger Bistro „Oma & Enkel“ das Projekt „Knallhart Oma“. Neun Großmütter aus Oberfranken bringen ihre Originalrezepte ohne gastronomische Veränderung auf die Speisekarte des Posthotels – den Auftakt macht Stockfisch aus dem Landkreis Hof.

Auf der Internorga 2026 kämpfen 18 junge Kochtalente um den zehnten Next Chef Award. Unter den Augen einer prominenten Jury um Johann Lafer und Tim Mälzer messen sich die Teilnehmer in der Hamburger Messehalle. Dem Gewinner winken ein eigenes Kochbuch und eine Kooperation mit der Lufthansa.

Pressemitteilung

Mit innovativen Produktkonzepten, modularen Systemlösungen und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit entwickelt Sander das Sortiment konsequent entlang der Anforderungen von Hotellerie, Gastronomie und Eventcatering weiter. Ob flexible Baukasten- und 2-in-1-Konzepte, ressourcenschonende Refill-Lösungen, kreative Dessert- und Garnierkomponenten oder zeitgemäße vegane und internationale Trendgerichte – alle Neuheiten sind darauf ausgelegt, kreative Freiheit, Prozesssicherheit und wirtschaftliches Arbeiten im gastronomischen Alltag optimal zu verbinden.

Inhaberwechsel in der Hamburger Hafencity: Sternekoch Kevin Fehling gibt seine Puzzle Bar ab. Wie Fehling über soziale Medien mitteilte, wechselt das Objekt mit sofortiger Wirkung in die Hände eines neuen Besitzers. Der Gastronom Kristian Zrno übernimmt die Bar.

Sechs Plätze am Wiesn-Tisch für 1.729 Euro? Ein Gericht bremst Online-Händler und soll Wiesn-Fans vor Abzocke schützen. Doch endgültig gestoppt scheint der Verkauf überteuerter Wiesn-Plätze nicht.

Die offizielle Zeremonie zur Veröffentlichung des Guide Michelin Frankreich findet am 16. März 2026 erstmals im Fürstentum Monaco statt. Die Veranstaltung im Grimaldi Forum wird durch eine Kooperation zwischen dem Fürstentum und der Monte-Carlo Société des Bains de Mer realisiert.