Mammertsberg: Neues Herrschaftshaus für Andreas Caminada und Silvio Germann

| Gastronomie Gastronomie

Spitzenkoch Andreas Caminada und Silvio Germann übernehmen am Bodensee ein Boutiquehotel. Der herrschaftliche „Mammertsberg“ gehört künftig zum Portfolio des 3-Sterne-Kochs. Sein Musterschüler Silvio Germann übernimmt die Küche..

Aktuell arbeitet Germann im Grand Resort Bad Ragaz. „Ich liebe meinen Job in Bad Ragaz. Es war immer klar, dass ich sieben Jahre bleiben werde. Es war aber auch klar, dass ich dann eine neue Herausforderung suche. Ich bin noch nicht ‚fertig‘ mit meiner Karriere“, erklärt er gegenüber Gault&Millau. Zwar sei ihm der Abschied nicht leichtgefallen, allerdings sei die Bedenkzeit nur kurz gewesen.

Stattdessen freut er sich jetzt über die neue Herausforderung und will am Bodensee neue Wege gehen: „Wir wollen im ‚Mammertsberg‘ kein Abklatsch vom Schloss sein, wollen unser eigenes Konzept entwickeln. Aber klar: Ist Not am Mann, kann ich auf den Support von Andreas immer zählen.“ Auch Germanns Nachfolge in Bad Ragaz ist geklärt. Andreas Caminada übergibt das Zepter an Joël Ellenberger, seinem Souschef vom Schloss Schauenstein.

Neun Jahre lang stand das Herrschaftshaus „Mammertsberg“ in erster Lage zum Bodensee unter der Leitung von Luisa und August Minikus. Ab April gehen sie in den Ruhestand und übergeben an Andreas Caminada.

Mammertsberg-Inhaber Daniela und Jürg Maurer freuen sich indes über die erfolgversprechende Neubesetzung ihres Traditionshauses: «Wir blicken gemeinsam mit August und Luisa Minikus auf grossartige Jahre zurück und sind nun absolut begeistert, mit Silvio Germann eine neue Ära im Mammertsberg einzuleiten.»

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat sich «ihr Mammertsberg» einen guten Namen gemacht. Das herrschaftliche Anwesen überblickt in bester Lage den Bodensee, die Thurgauer Hügellandschaft und die Appenzeller Alpen. Aufwendig und mit besonderem Bedacht für die Denkmalpflege wurde das historische Landhaus von 2011 bis 2013 modernisiert und um einen futuristischen Neubau erweitert. Der zugehörige Garten wurde vom Schweizer Landschaftsarchitekten Enzo Enea eindrücklich gestaltet.

Das Besondere am Umbau: Die Schweizer Architektin Tilla Theus gab dem Haus seine ursprüngliche Ästhetik zurück. Nach alten Fotos wurden Fassaden- und Dachmalereien rekonstruiert und selbst ein Dachtürmchen, das einst abgebrannt war, wiederaufgebaut. Im bewussten Kontrast zum Altbaucharakter des Originalgebäudes entstand ein bewusst gradliniger, grosszügig verglaster Monolith als Nachbargebäude. Die verbindende Passerelle zwischen Alt- und Neubau beherbergt Germanns zukünftige Wirkungsstätte: Die offene Küche des Hauses.

Dass der gebürtige Luzerner kochen kann, hat er längst erfolgreich bewiesen. Nach seiner Ausbildung und einer Station im Epoca in Films ergatterte er mit 22 Jahren einen Posten im Drei-Sterne-Restaurant Schloss Schauenstein. Drei Jahre schulte er sein Können an der Seite von Andreas Caminada. Von einem Abstecher zum brasilianischen Kochstar Alex Atala nach Sao Paulo holte ihn der Bündner Spitzenkoch alsbald zurück, um ihn 2015 mit seiner ersten Küchenchefstelle zu betrauen: Caminada machte ihn zum Statthalter für sein erstes Gourmetnest – das neue IGNIV-Restaurant im Grand Resort Bad Ragaz.

Germann sollte das damals noch neue Konzept der «Fine-Dine-Sharing-Experience» in Nestatmosphäre zum Fliegen bringen. Seine Aufgabe erfüllte der junge Aufsteiger mit Bravur – und wurde für die gekonnte Umsetzung der aufs Teilen bei Tisch fokussierten IGNIV-Küche bereits mehrfach ausgezeichnet. Binnen sieben Jahren kochte Germann das IGNIV Bad Ragaz in die Schweizer A-Liga der Spitzenrestaurants: 2 Michelin-Sterne, 18 Gault&Millau-Punkte und – am allerwichtigsten – begeisterte Gäste zeugen davon.

Im Sommer 2022 wird Germann sein jetziges Küchenchefzepter in Bad Ragaz an Joel Ellenberger und damit an ein neues, junges Talent aus Caminadas Küchenkader weiterreichen, um diesem die Bühne des Gourmetnests überlassen. «Bis zum Wechsel bin ich mit Kopf und Herz zu 100 Prozent im IGNIV», bekräftigt der Küchenchef. «Das IGNIV war in jeder Hinsicht der perfekte Platz, um als Koch und Gastgeber zu reifen: Ein geborgener Ort mit viel Nestwärme und Unterstützung, aber auch einem konstanten «Push» von Andreas, um flügge zu werden. Ich habe von und mit den Besten gelernt, ein gutes Restaurant zu führen. Mein grandioses Team werde ich arg vermissen, aber ich bin bereit für mein eigenes Ding», resümiert Germann.

Die Übergabe an ihn als neuen Pächter ist für April 2022 vorgesehen, doch bevor Germann seine ersten Gäste begrüssen wird, bekommt das Interieur der stilvollen Residenz noch eine behutsame Neugestaltung. «Den schönen Gasträumen und dem Garten merkt man in jedem Winkel an, dass das Haus sehr liebevoll geführt und das Interieur gepflegt wurde. Wir wollen aber natürlich einige neue Akzente setzen und bringen ein wenig von unserer DNA ein, um die besondere Atmosphäre zu unterstreichen», verrät Silvio Germann. Während den Mitarbeitern vom Mammertsberg individuelle Übernahmeangebote gemacht werden, ist die offizielle Wiedereröffnung für Herbst 2022 geplant.

Zukünftig wird das Anwesen überdies wie das Schloss Schauenstein in Fürstenau zur Boutique Collection von Andreas Caminada gehören. «Der Mammertsberg ist ein zauberhaftes Anwesen in wunderschöner Lage und eine einmalige Chance für Silvio. Das Hotel wird zwar Teil unserer Boutique Collection, doch Silvio wird dort mit seinen besonderen Qualitäten als Gastgeber und seiner eigenen Küche glänzen», betont Andreas Caminada. «Ich stehe ihm auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite und begleite ihn gerne in seinem Tun.»


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Michelin Guide hat elf verbreitete Irrtümer rund um Sterne, Inspektoren und Bewertungsverfahren aufgegriffen. Die Organisation erläutert dabei ihre Kriterien für die Auszeichnung von Restaurants und die Arbeitsweise ihrer Prüfer.

Das Berliner Zwei-Sterne-Restaurant Facil startet zum 25-jährigen Jubiläum eine sechsteilige Podcastreihe mit Reiner Veit. Das Audioformat beleuchtet ab dem 24. Juni 2026 die Geschichte und die personelle Kontinuität des Gastronomiebetriebs.

Bei den Frankfurter Gastro Talent Awards 2026 wurden Liv Geller als Kochtalent und Mihail Zaiat als Bartalent ausgezeichnet. Die Veranstaltung kehrte nach einer dreijährigen Pause als Teil des Rahmenprogramms der Michelin-Gala zurück.

Am Dienstag gibt der Guide Michelin in Frankfurt am Main die neuen Sterne für Deutschland bekannt. Bereits eine Woche zuvor hatte der Restaurantführer zehn neue Bib-Gourmand-Auszeichnungen veröffentlicht.

Starbucks Korea hat nach einem Werbe-Skandal sämtliche der über 2.000 Filialen in Südkorea vorzeitig geschlossen. Die Cafés wurden am Nachmittag dichtgemacht, damit Mitarbeiter an einer verpflichtenden Geschichtsschulung teilnehmen können.

Der Dresdner Historiker Andreas Rutz sieht Restaurants, Kneipen und gemeinsames Essen als wichtige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich beobachtet er einen Wandel der Esskultur durch Fast Food, To-go-Angebote und veränderte Lebensgewohnheiten.

Der Wirt Alexander Egger bleibt bei einer Klage gegen die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest erneut erfolglos. Das Verwaltungsgericht wies seinen Eilantrag ab. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen.

Lidl hat in Dundonald bei Belfast seinen ersten Pub eröffnet. Hintergrund sind besondere Regelungen des nordirischen Alkoholrechts, die dem Discounter den Verkauf alkoholischer Getränke in einer Gaststätte ermöglichen.

Die Zelte für das Münchner Oktoberfest können trotz eines Gerichtsstreits aufgebaut werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht lehnte den Eilantrag eines Wirtes ab, wonach die Betreiber zweier Festzelte zunächst nicht zur Wiesn zugelassen werden sollten.

Partner für Berlin hat zum 30-jährigen Jubiläum der Berliner Meisterköche die Nominierungen für das Jahr 2026 verkündet. Eine Jury wählte aus rund 150 Vorschlägen die Finalisten in sechs Kategorien aus, deren Gewinner im November gekürt werden.