Mensa-Studie nimmt Herkunft der Lebensmittel unter die Lupe

| Gastronomie Gastronomie

Eine Studie der Universität Hohenheim hat den Biodiversitäts-Fußabdruck der Lebensmittelbeschaffung der Hohenheimer Mensa untersucht. Dafür seien Lebensmittel bis zu ihren wahrscheinlichen Herkunftsländern zurückverfolgt worden. Nach Angaben der Universität zeige die Untersuchung, dass für den Einfluss einer Mahlzeit auf die biologische Vielfalt nicht nur entscheidend sei, was auf den Teller komme, sondern vor allem, woher die Zutaten stammten.

Valentin Specht, Doktorand am Fachgebiet „Nachwachsende Rohstoffe in der Bioökonomie“, analysierte dafür ein Jahr lang die Lebensmittelbeschaffung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim für die Hohenheimer Mensa. Untersucht wurden rund 200 Tonnen Lebensmittel für etwa 211.000 Mahlzeiten.

Für die Biodiversitätsbilanz habe Specht den Produkten nicht einfach globale Durchschnittswerte zugeordnet. Stattdessen habe er die wahrscheinlichen Herkunftsländer der Zutaten und die jeweilige ökologische Empfindlichkeit der dortigen Ökosysteme berücksichtigt, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Einflussfaktoren.

Zehn Rohstoffe verursachen etwa 85 Prozent des Biodiversitäts-Fußabdrucks

Die zehn wichtigsten Rohstoffe tragen nach den Studienergebnissen zusammen etwa 85 Prozent zum Biodiversitäts-Fußabdruck der Mensa bei. Die räumlich differenzierte Betrachtung habe das Bild im Vergleich zu globalen Durchschnittswerten deutlich verändert.

„Auswirkungen auf die Biodiversität werden zum großen Teil durch die Landnutzung verursacht, aber auch durch Wasserverbrauch, Eutrophierung von Gewässern sowie Effekte des Klimawandels“, erklärt Specht.

Tierische Produkte wie Fleisch und Milch gehörten weiterhin zu den größten Verursachern von Biodiversitätsverlust. Gleichzeitig rückten tropische Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Palmöl stärker in den Fokus, obwohl sie vergleichsweise kleine Mengen ausmachten. Specht begründet dies damit, dass sie in Regionen mit hoher Biodiversität produziert würden.

Würden lokale Wasserknappheit und Bewässerung am jeweiligen Produktionsstandort berücksichtigt, gewännen nach Angaben des Wissenschaftlers auch einzelne Gemüsekulturen an Bedeutung.

Studierendenwerk könnte Biodiversität künftig beim Einkauf stärker berücksichtigen

Die Ergebnisse könnten nach Darstellung der Universität langfristig in der Praxis Anwendung finden. Universitäten, Schulen, Krankenhäuser und andere Großküchen kauften jedes Jahr große Mengen an Lebensmitteln ein. „Wenn wir wissen aus welchen Regionen Lebensmittel stammen, können wir Beschaffungsentscheidungen gezielter treffen und dort ansetzen, wo sie den größten Nutzen für den Schutz der biologischen Vielfalt haben“, erklärt Specht.

Das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim könne die Auswirkungen von Lebensmitteln auf die Biodiversität bislang nicht ausdrücklich berücksichtigen, da dafür kein Instrument zur Verfügung stehe. Die CO₂-Emissionen von Lebensmitteln könnten dagegen bereits gut erfasst werden.

„Ich kann mir aber gut vorstellen, dass dies künftig auch in die Einkaufsentscheidungen einfließen könnte“, erklärt Fynn Schumann, Nachhaltigkeitsmanager des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim.

Forscher wollen Analysen auf einzelne Lieferketten weiter verfeinern

Als nächsten Schritt wolle das Forschungsteam die Analysen bis auf die Ebene einzelner Lieferketten und Anbauregionen weiter verfeinern. „Unser Ziel ist es, Biodiversität als Entscheidungskriterium in der Gemeinschaftsverpflegung zu verankern“, kündigt Specht an.

Die Studie von Valentin Specht und J. Lask wurde unter dem Titel „Multi-driver biodiversity impact assessment reveals hidden hotspots in institutional consumption“ in Communications Sustainability veröffentlicht.

Publikationen

Specht, V., Lask, J. Multi-driver biodiversity impact assessment reveals hidden hotspots in institutional consumption. Commun. Sustain. 1, 93 (2026) https://doi.org/10.1038/s44458-026-00099-7

Blog-Beitrag

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Althoff Hotels starten mit dem Althoff Eats Club ein kostenfreies Angebot rund um Kulinarik, Wein und Reisen. Grand Chef Joachim Wissler teilt Restaurantempfehlungen und stellt Produzenten sowie kulinarische Entdeckungen vor.

Pizza Pilgrims kündigt sein erstes deutsches Restaurant für den 2. November 2026 in München an. Ein zweiter Standort soll im Januar 2027 folgen; insgesamt strebt die Marke bis zu 50 Standorte in Deutschland an.

Bayerns Gastronomie verzeichnete im August 2026 einen realen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Beherbergung erzielte dagegen preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gemeinsam mit Sodexo den neuen Campus „Upbeat“ in der Berliner Europacity eröffnet. Sodexo übernimmt die gastronomische Versorgung sowie weitere Bewirtungsleistungen am Standort.

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.

Kneipe 80 eröffnet erstmals einen Standort außerhalb Bayerns. In Münster kooperiert die Münchner Marke mit dem Betreiber der Ausgehlocation Das Schaf. Am Tegernsee wird der saisonale Kiosk 80 zum Klub 80 in Rottach-Egern.

Nach dem dramatischen Einbruch der Besucherzahlen beim diesjährigen Cannstatter Wasen steht noch immer die Frage im Raum, wie es dazu kommen konnte. Beteiligte äußern offenbar unter vorgehaltener Hand die Vermutung, die Zahlen könnten in der Vergangenheit beschönigt worden sein.

32 Künstler und ein Vier-Gänge-Menü aus mehreren Restaurantküchen gehören zur neuen Europa-Park Dinner-Show „The Grand Club“. Die Veranstaltung ist für ausgewählte Abende vom 21. November 2026 bis zum 21. Februar 2027 angekündigt.