Nach Restaurant-Verriss: Timberjacks und Gastroflüsterer Kemal Üres liefern sich heftigen Schlagabtausch

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Ein Restaurantbesuch des Gastro-Influencers Kemal Üres bei Timberjacks in Bannewitz bei Dresden hat sich zu einem öffentlichen Schlagabtausch entwickelt. Üres kritisierte das Essen der Restaurantkette in einem Instagram-Video massiv. Timberjacks widerspricht seiner Darstellung und verweist auf frühere Kontakte mit dem selbsternannten „Gastroflüsterer“. Üres weist einen Zusammenhang zwischen seiner Kritik und kostenpflichtigen Beratungsleistungen zurück. Inzwischen hat die Auseinandersetzung auch eine rechtliche Ebene erreicht.

Ausgangspunkt des Streits ist ein Besuch von Kemal Üres im Timberjacks in Bannewitz. In einem anschließend veröffentlichten Instagram-Video fällt sein Urteil über Teile des Essens vernichtend aus. Ein Porterhouse-Steak bezeichnet Üres als „Beleidigung“. „Geschmacklos, keine Liebe“, lautet sein Urteil. Zudem sagt er: „Das ist echt das Schlechteste, was ich je gegessen habe.“

Bei dem Steak äußert Üres den Verdacht, es könnte sich um Tiefkühlware handeln. Auch die große Auswahl auf der Speisekarte sieht er kritisch. Wenn sich Gäste beschwerten, könne dies nach seiner Einschätzung damit zusammenhängen, dass es für das Team angesichts der Vielzahl an Produkten schwierig sei, die Qualität auf den Punkt zu bringen.

Timberjacks reagiert auf die Kritik

Timberjacks ließ die Kritik nicht unbeantwortet. Unter dem Instagram-Video veröffentlichte der verifizierte Account der Restaurantkette eine ausführliche Reaktion.

„Lieber Kemal, als Gastronomiebetrieb wird man in Deutschland wohl erst dann nicht mehr kritisiert, wenn man, so wie du, noch nie geöffnet hat“, heißt es darin.

Timberjacks erklärt weiter, Kritik gehöre zum Geschäft, solange sie „fair, sachlich und fachlich fundiert“ sei. Zugleich räumt das Unternehmen ein, dass bei einer Vielzahl von Gästen nicht immer alles perfekt laufen könne.

Der Einschätzung von Üres widerspricht Timberjacks allerdings deutlich. Die Darstellung von „Tiefkühl-Knochensteaks“ gehöre nach Ansicht des Unternehmens „wohl eher in den Bereich der kreativen Dramaturgie“.

Auch das Beratungsgeschäft von Üres thematisiert Timberjacks in seiner Reaktion. Es wirke „bemerkenswert“, wenn subjektive Meinungen öffentlich dargestellt würden und wenig später eine Beratungsleistung als Lösung angeboten werde, schreibt das Unternehmen.

Timberjacks widerspricht beim Steak

Auf seiner eigenen Webseite hat Timberjacks inzwischen ausführlich auf einzelne Kritikpunkte von Üres reagiert. Besonders entschieden widerspricht das Unternehmen dessen Vermutung zum Steak.

Nach Darstellung von Timberjacks habe das betreffende Steak zuvor mehrere Wochen in einer für Gäste sichtbaren Reifekammer gehangen. Anschließend sei es frisch vom Knochen gesägt, portioniert und zubereitet worden. „Es war zu keinem Zeitpunkt tiefgekühlt“, erklärt das Unternehmen.

In einer früheren Stellungnahme hatte Geschäftsführer Thomas Kemner zudem erklärt, bei dem Fleisch habe es sich um Rindfleisch der Rasse Blonde d'Aquitaine gehandelt, das Timberjacks seit Jahren von einer italienischen Erzeugergenossenschaft beziehe.

Dabei handelt es sich jeweils um Angaben des Unternehmens. Tageskarte liegen keine eigenen Unterlagen vor, anhand derer sich Herkunft und Behandlung des konkret bei dem Restaurantbesuch servierten Steaks unabhängig überprüfen lassen.

Geschäftsführer verweist auf Kontakte aus den Jahren 2024 und 2025

Der Konflikt geht inzwischen weit über die Bewertung des Essens hinaus. Timberjacks-Geschäftsführer Thomas Kemner erklärte gegenüber dem Portal „Lust auf Dresden“, Üres habe das Unternehmen bereits 2024 kontaktiert und Beratungsleistungen angeboten. Timberjacks habe damals keinen Bedarf gesehen.

Im Jahr 2025 habe Üres erneut angefragt. Nachdem auch dieses Angebot abgelehnt worden sei, habe Üres nach Darstellung Kemners mit „Mega Konzept ❤️“ geantwortet.

Tageskarte liegen bislang keine eigenen Unterlagen vor, anhand derer sich diese Kommunikation unabhängig überprüfen lässt.

Timberjacks thematisiert späteres Optimierungsangebot

Auf seiner Webseite stellt Timberjacks zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen öffentlicher Restaurantkritik und kommerziellen Beratungsangeboten zur Diskussion.

Das Unternehmen gibt dort einen Beitrag wieder, den Üres nach seiner Darstellung nach dem Restaurantbesuch veröffentlicht haben soll. Darin heißt es: „Wem auch immer diese Restaurants gehören... wir wollen diese Läden mit unserem Team optimieren. Bitte melden. Aber nur, wenn wir eine Doku daraus machen können. Zur Optimierung gibt es auch eine baba Werbung dazu @gastrobusinessschool.“

Der ursprüngliche Beitrag von Üres liegt Tageskarte nicht zur eigenen Überprüfung vor. Das Zitat wird deshalb ausschließlich als Wiedergabe durch Timberjacks dokumentiert.

Bemerkenswert ist dabei eine Einschränkung des Unternehmens selbst. Timberjacks erklärt ausdrücklich, dass die beiden früheren Kontaktaufnahmen keinen konkreten Zusammenhang zwischen der Restaurantkritik und dem Beratungsgeschäft beweisen würden. Aus Sicht des Unternehmens sollten Zuschauer allerdings wissen, welche geschäftlichen Tätigkeiten hinter einem Kritiker stünden, der öffentlich gastronomische Probleme diagnostiziere.

Üres weist Zusammenhang mit kostenpflichtiger Beratung zurück

Üres widerspricht der Darstellung, seine aktuelle Kritik sei mit dem Verkauf einer kostenpflichtigen Beratungsleistung verbunden gewesen.

Gegenüber TAG24 erklärte er, im Zusammenhang mit seiner Kritik „zu keinem Zeitpunkt“ eine kostenpflichtige Beratungsleistung angeboten zu haben. Nach seiner Darstellung habe er Timberjacks nach Veröffentlichung des Videos vielmehr vorgeschlagen, noch einmal kostenlos vorbeizukommen, gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen und anschließend ein positives Video für das Restaurant zu produzieren.

Die Aussagen von Üres und Timberjacks schließen sich in diesem Punkt nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Kemner bezieht sich bei den von ihm geschilderten früheren Beratungsangeboten auf Kontakte aus den Jahren 2024 und 2025. Üres bezieht seine Aussage gegenüber TAG24 dagegen ausdrücklich auf eine kostenpflichtige Beratungsleistung im Zusammenhang mit der aktuellen Kritik.

Nach Darstellung von Üres war sein Restaurantbesuch auf Hinweise aus seiner Community zurückzuführen. Viele Gäste hätten ihm von negativen Erfahrungen berichtet. Vor Ort sei er von Mitarbeitern erkannt, freundlich begrüßt und durch den Betrieb geführt worden. An seiner negativen Bewertung des Essens hält Üres fest.

Üres berichtet von zahlreichen Rückmeldungen

In seiner öffentlichen Antwort auf Timberjacks erklärte Üres zudem, innerhalb von 48 Stunden Hunderte Nachrichten von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern, Küchenchefs sowie Gästen erhalten zu haben, die seine Erfahrungen bestätigt hätten.

Gegenüber TAG24 sprach er ebenfalls von zahlreichen Rückmeldungen unzufriedener Gäste und Mitarbeiter. Veröffentlichen wolle er diese aus Diskretionsgründen nicht.

Tageskarte liegen diese Nachrichten nicht vor. Die Zahl und der Inhalt der von Üres geschilderten Rückmeldungen lassen sich deshalb von der Redaktion nicht unabhängig überprüfen.

Timberjacks hält es dagegen nach Angaben Kemners für wenig belastbar, aus Äußerungen ehemaliger Mitarbeiter Rückschlüsse auf ein gesamtes Unternehmen zu ziehen.

Timberjacks berichtet von Nachrichten und Videobotschaften

Auf seiner Webseite schildert Timberjacks inzwischen auch die weitere Kommunikation mit Üres. Nach Darstellung des Unternehmens seien nach der öffentlichen Reaktion Videobotschaften und Nachrichten eingegangen.

Timberjacks habe diese so verstanden, dass das Unternehmen die Angelegenheit auf sich beruhen lassen solle, da andernfalls weiteres belastendes Material veröffentlicht werden könnte. Den entsprechenden Nachrichtenverlauf und die Videobotschaften habe das Unternehmen nach eigenen Angaben dokumentiert.

Welche Absicht hinter den Aussagen gestanden habe, wolle Timberjacks ausdrücklich nicht abschließend beurteilen. Das Unternehmen hält selbst die Möglichkeit fest, dass in der aufgeheizten Situation lediglich „die Pferde durchgegangen“ seien.

TAG24 berichtete seinerseits über eine inzwischen gelöschte Instagram-Story von Üres. Darin habe dieser angekündigt: „Wenn ihr mich weiter so ärgert, mache ich eine YouTube-Dokumentation daraus, mit allen Dingen, die ich von euch habe [...] und ich sage euch, das wollt ihr nicht“.

Üres erklärte anschließend gegenüber TAG24, keine weitere Eskalation in der Sache zu wollen.

In einer weiteren, laut TAG24 ebenfalls später gelöschten Story kündigte Üres dem Bericht zufolge an, auf weitere Videos von Timberjacks mit eigenen Beiträgen zu reagieren und seine Community dazu aufzurufen, die Restaurants selbst zu testen und ihre Eindrücke per Videobotschaft zu schildern.

Timberjacks bestätigt Abmahnung

Inzwischen hat die Auseinandersetzung auch eine rechtliche Ebene erreicht. Üres hatte gegenüber TAG24 erklärt, Timberjacks habe mit einer anwaltlichen Unterlassungsaufforderung und einer Anzeige reagiert.

Eine Abmahnung bestätigt Timberjacks mittlerweile auf der eigenen Webseite. Das Unternehmen stellt deren Hintergrund allerdings anders dar.

„Die Abmahnung wurde nicht ausgesprochen, weil Kemal Üres unser Essen, aus unserer Wahrnehmung, zweckorientiert kritisiert hat“, erklärt Timberjacks. Der wesentliche rechtliche Punkt sei nach Darstellung des Unternehmens vielmehr die Anfertigung und anschließende Veröffentlichung von Filmaufnahmen im Restaurant gewesen.

Timberjacks erklärt, nach seiner rechtlichen Bewertung seien Aufnahmen ohne vorherige Genehmigung im Gastraum und in der Küche angefertigt worden. Zudem seien Mitarbeiter und Gäste erkennbar Bestandteil der Aufnahmen gewesen, ohne dass nach Darstellung des Unternehmens die erforderlichen Einwilligungen vorgelegen hätten.

Ob diese rechtliche Bewertung zutrifft, lässt sich anhand der vorliegenden Unterlagen nicht beurteilen.

Eine von Üres gegenüber TAG24 ebenfalls erwähnte Anzeige wird in der vorliegenden Stellungnahme von Timberjacks nicht bestätigt. Tageskarte liegen hierzu keine Unterlagen vor.

Aus Restaurantkritik wird Grundsatzstreit

Damit hat sich die negative Bewertung eines Restaurantbesuchs zu einer Auseinandersetzung entwickelt, in der es inzwischen um weit mehr als Geschmack und Speisenqualität geht.

Timberjacks stellt öffentlich Fragen nach dem Verhältnis zwischen großer Social-Media-Reichweite, Restaurantkritik und kommerziellen Beratungsangeboten. Gleichzeitig erklärt das Unternehmen selbst, dass die früheren Kontakte zu Üres keinen konkreten Zusammenhang mit dessen aktueller Kritik beweisen.

Üres weist seinerseits zurück, im Zusammenhang mit der aktuellen Kritik eine kostenpflichtige Beratung angeboten zu haben. Er bleibt bei seiner negativen Bewertung des Restaurantbesuchs und beruft sich zudem auf zahlreiche Rückmeldungen von Gästen und Mitarbeitern, die Tageskarte nicht vorliegen.

Auch beim Steak stehen sich unterschiedliche Darstellungen gegenüber: Üres äußerte den Verdacht, es könne sich um Tiefkühlware handeln. Timberjacks erklärt dagegen ausdrücklich, das betreffende Fleisch sei zu keinem Zeitpunkt tiefgekühlt gewesen.

Üres fasste seine Position in seiner öffentlichen Antwort an Timberjacks so zusammen: „Am Ende werden nicht Kommentare entscheiden, sondern die Zukunft, die Gäste und die Mitarbeiter. Die Zeit wird zeigen, wer Kritik annimmt und wer sie lieber zurückweist.“

Timberjacks wiederum stellt auf seiner Webseite klar, dass Kritik an Essen, Service oder Speisekarte aus Sicht des Unternehmens selbstverständlich öffentlich geäußert werden dürfe. Zugleich unterscheidet die Kette zwischen subjektiver Meinung und überprüfbaren Tatsachenbehauptungen.


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