Oktoberfest-Eintritt statt teurer Maß? Die Debatte um die Wiesn-Preise

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Ein Wiesn-Besuch geht inzwischen bös ins Geld - auch, weil das Bier Jahr für Jahr teurer wird. Dieses ungeschriebene Gesetz möchte Bayerns Bierbrauerpräsident Georg Schneider ändern - und stattdessen Eintritt für den Besuch des Oktoberfests verlangen. Dieser Überlegung erteilten Wiesn-Chef Christian Scharpf und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (beide SPD) allerdings umgehend eine klare Absage. Doch was sind die Argumente auf beiden Seiten?

Bierverkauf finanziert Zelte, Bands und Personal

«Bei Veranstaltungen wie dem Oktoberfest müssen wir darüber nachdenken, ob Bier die Haupt-Kalkulationsgrundlage für alle Kosten sein kann», hatte der Präsident des Bayerischen Brauerbundes der «Augsburger Allgemeinen» gesagt. Denn: «Oktoberfest-Besucher tragen durch ihren Bierkonsum dazu bei, dass die Kosten, die dieses Fest verursacht, finanziell getragen werden können.» Dazu gehöre etwa der Aufbau der Zelte, aber auch die Bezahlung der Bands oder des Personals. 

«Am Ende müssen wir uns die Frage stellen, ob Bier allein reicht, um eine Veranstaltung wie das Oktoberfest zu finanzieren», bilanzierte Schneider. Deshalb müsse man als Alternative in Betracht ziehen, Eintritt zu verlangen. Zur Höhe habe er «keine konkreten Vorstellungen», sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur.

Wiesn-Chef: «Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark»

Ein Eintritt für das Oktoberfest? Das ist für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) allerdings nicht vorstellbar. «Für die Wiesn selber wäre ich absolut dagegen», sagte der Kommunalpolitiker. «Das ist ein Volksfest, und das soll es auch bleiben.» Schließlich gebe es auch zum Beispiel Familien, die einfach nur über die Festwiese schlendern wollten. Anders ist es bei der Oidn Wiesn, dem Teil der Wiesn, auf dem es traditioneller und ruhiger zugeht. Das Gelände hier ist eingezäunt und Eintritt ist fällig, dafür sind etwa Fahrgeschäfte günstiger. 

Wiesn-Chef Scharpf ist da auf einer Linie mit Reiter. «Das Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark», sagte der Wirtschaftsreferent der Stadt München der Deutschen Presse-Agentur. «Die Wiesn ist für jeden und jede da, nicht nur für die, die sich einen teuren Eintritt leisten können.» Gäste, die nur die Atmosphäre genießen wollten, seien genauso willkommen wie die, die in den Bierzelten feiern oder sich in einem Fahrgeschäft vergnügen wollen.

Auch die Wiesn-Wirte selbst lehnen den Vorschlag ab - nicht nur, weil Eintrittsgelder den Volksfestcharakter zerstörten. «Falls mit dem Eintrittsgeld der Bierpreis subventioniert werden soll, ist das der falsche Weg. Auf der Wiesn selbst wird ja so viel Bier getrunken wie eh und je», kommentierten die Sprecher der Vereinigung der Münchner Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel. «Es ist wohl auch nicht davon auszugehen, dass die Preise dann sinken, wenn Eintritt erhoben wird. Unter dem Strich wird die Wiesn dann nur teurer für unsere Münchnerinnen und Münchner.»

Weitere mögliche Vor- und Nachteile von Eintrittspreisen

Wenn es Eintrittspreise gäbe, hätte dies eventuell noch einen weiteren Vorteil: Die Veranstalter könnten beim Einlass leichter einen Überblick bekommen, wie viele Menschen sich gerade auf dem Festgelände befinden. Im vergangenen Jahr war die Wiesn wegen Überfüllung geschlossen worden, für den Umgang mit dem Gedränge hagelte es heftige Kritik. Die Stadt kündigte daraufhin an, künftig unter anderem die Besucherzahlen in Echtzeit erheben zu wollen, um nicht länger mit Schätzungen arbeiten zu müssen. 

Hier gebe es schon Ideen, sagte Reiter. Möglicherweise müsse man das Festgelände künftig auch früher zusperren. Dazu brauche man aber definitiv keinen Eintritt. Dass etwas geschehen muss, steht für Reiter aber fest. «Wir hatten richtig Glück», das wolle man kein zweites Mal in Anspruch nehmen. Er sei dankbar, dass damals nichts passiert sei. 

Punktuelle Ballungen auf einer relativ kleinen Fläche wie auf der vergangenen Wiesn könnten mit Eintrittspreisen und Ticketkontrollen ohnehin wohl nicht verhindert werden. Zudem könnten Eintrittspreise dazu führen, dass die Menschen weniger Geld für Lebkuchenherzen, Mandeln oder das Riesenrad ausgeben. Denn auch, wenn viele in einen regelrechten Wiesn-Rausch verfallen - am Ende kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Was kostet die Maß heuer? 

Das Münchner Oktoberfest gilt mit mehr als sechs Millionen Besuchern pro Jahr als das größte Volksfest der Welt. Der Eintritt auf das Festgelände ist frei, nur die Oide Wiesn - der Teil, auf dem das Volksfest besonders traditionell ist - kostet für Besucher über 15 Jahren vier Euro Eintritt. 

Für's Bier hingegen werden andere Preise aufgerufen: 2025 kostete die Maß auf dem Oktoberfest zwischen 14,50 und 15,80 Euro. Das waren im Schnitt 3,52 Prozent mehr als 2024. Damals kostete der Liter noch zwischen 13,60 und 15,30 Euro. 

Die Stadt überprüft als Veranstalter des Oktoberfestes, ob die von den Wirten kalkulierten Preise angemessen sind. Wie teuer die Maß in diesem Jahr wird, ist noch nicht bekannt.

Auch wenn steigende Bierpreise oft ein Aufreger-Thema seien, gehe es ihm bei seiner Überlegung zu Eintrittsgeldern «gar nicht so sehr darum», die Bierpreise niedriger zu halten, sagte Schneider der dpa, «sondern um die Frage, wie Feste und Veranstaltungen bei geänderten Konsumgewohnheiten und geändertem Verbraucherverhalten künftig finanziert werden können». Das gelte nicht nur für die Wiesn, sondern auch für viele Feste und Veranstaltungen in Bayern, «die zu unserer Kultur gehören und letztendlich Bayern auch so liebenswert machen». (mit dpa)


 

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