Oktoberfest ohne neue Rekorde: Gleich viel Gäste, weniger Bier

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Leicht verregnet, friedlich und rekordfrei geht das Oktoberfest in diesem Jahr zu Ende. Nach Schätzung der Festleitung drängten in den zwei Festwochen rund 6,3 Millionen Gäste auf das Volksfest - so viele wie im Vorjahr. «Es war eine schöne Wiesn», sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) am Sonntag zum Abschluss des Volksfestes. Wirte und Schausteller seien sehr zufrieden. «Wir haben eine friedliche Wiesn gehabt mit einem entspannten und gut gelaunten Volksfestpublikum.»

Die Wiesn sei «als Gesamtkunstwerk neu entdeckt worden», sagte Baumgärtner. «Es wird wieder mehr aus den Zelten herausgegangen in die Schaustellerstraße» - um dort in historische Karussells oder moderne Hightech-Fahrgeschäfte zu steigen. Alle Generationen seien da gewesen, «vom Kleinkind bis zu Oma und Opa».

Unter den fast 3800 Fundsachen war auch dieses Jahr wieder ein Gebiss - es fehlt auch mit steigenden Transplantationskünsten der Zahnärzte nie. Bei den Trachten waren edlere Stoffe angesagt - anstatt greller Farben, Glitzer und Perlen. Der Hendlhut erlebte einen neuen Boom - und die Italiener entdeckten den klassischen Filzhut neu.

Auch die Prominenz feierte an den 16 Festtagen kräftig mit. Politiker, Schauspieler und TV-Größen zeigten sich in mehr oder minder traditionellen Trachtenoutfits. Der FC Bayern musste freilich einmal mehr mit Frust aufs Oktoberfest. Spieler, Trainer und Führung kamen - in Lederhosen - nach einem 1:2 gegen Hoffenheim im Bierzelt an. Eine Woche zuvor hatten die Wiesngäste vergeblich auf einen besonderen Gast gewartet: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der zur Gründermesse «Bits & Pretzels» in München war, reiste ohne Wiesnbesuch wieder ab.

Die Gäste kamen mit gutem Appetit und verzehrten wie im Vorjahr 124 Ochsen sowie 29 Kälber (2018: 27). Zugleich wurde laut Festleitung mehr Vegetarisches und Öko-Essen verzehrt. Dafür waren die Gäste zurückhaltender beim Bier: 7,3 Millionen Maß rannen durch durstige Kehlen, 200 000 weniger als im Vorjahr. Neues In-Getränk mit weniger Kalorien und Alkohol: «Saures Radler» mit Mineralwasser statt Limo.

In der Wiesn-Sanitätswache mussten die Helfer zwar mit 6592 mehr Patienten behandeln - aber weniger Bierleichen: Die Aicher Ambulanz Union registrierte rund 600 alkoholbedingte Intoxikationen, fast 120 weniger als im Vorjahr.

Trotzdem gab es bei den Alkoholfahrten einen Rekord: 774 Mal wurden Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss gestoppt - 414 von ihnen allein auf E-Tretrollern. Bei 469 Verkehrsteilnehmern wurde der Führerschein sofort sichergestellt, davon 254 E-Scooter-Fahrer. Viele betrachteten die Fahrzeuge nicht als ernstzunehmendes Verkehrsmittel, sondern ein Lifestyle-Produkt oder Spielzeug, sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins. Im Vorjahr hatte es 332 Alkoholfahrten und 192 sichergestellte Führerscheine gegeben. Da spielten die Scooter aber noch keine Rolle.

Die Polizei meldete einen leichten Rückgang der Straftaten um ein Prozent auf 914. Allerdings mussten die Beamten öfter ausrücken (1915, 2018: 1786). Das zeige, dass die Gäste schon in potenziellen Konfliktsituationen die Polizei alarmierten, sagte da Gloria Martins.

Es gab weniger Taschendiebstähle. Dafür stiegen Sexualdelikte leicht (45, 2018: 42). Teils wurden Täter in flagranti erwischt, dreimal verhinderten Einsatzkräfte ein Sexualdelikt. 263 Mal kam es zu Körperverletzungen (2018: 256), 32 Mal schlugen Gäste mit dem Maßkrug zu (2018: 27). Dennoch sei das Volksfest angesichts der Menschenmassen und des Alkoholkonsums extrem sicher, sagte da Gloria Martins. Welche Kräfte Alkohol freisetzen kann, erlebten die Beamten auf der Wiesnwache: Ein Mann riss eine Zellentür heraus - ein anderer eine Kloschüssel.

Mehr Zulauf erlebte mit 550 000 Gästen (2018: 500 000) auch die Oide Wiesn, vielleicht trieb Wehmut die Menschen auf diesen traditionelleren Teil des Volksfestes. Denn die «Oide» muss 2020 wie alle vier Jahre dem Zentral-Landwirtschaftsfest der Bauern weichen.

Wiesn-Hit: Fehlanzeige. Stattdessen seien Oldies und Klassiker gespielt worden, sagte Baumgärtner. Er hatte grundsätzlich geworben, den Fokus beim Wiesnbesuch mehr auf Qualität zu legen. Er findet: «Ich glaube, wir haben eine wirkliche Qualitätswiesn geschafft.»

Von Sabine Dobel, dpa


 

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