Online-Kochkurse bleiben beliebt

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Lust auf eine kleine Reise um die Welt? Bei Helmut Bäumker, Gründer und Inhaber der Kochschule Eisenherz beginnt diese Reise mit einem indischen Gurkensalat mit gerösteten Erdnüssen und getrockneten Aprikosen in einer würzigen orientalischen Vinaigrette. Der Hauptgang gibt sich italienisch und der Nachtisch ist in Deutschland angesiedelt.

Innerhalb von gut zwei Stunden zaubert Koch Helmut Bäumker mit mindestens zwanzig Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein Drei-Gänge-Menü. Dazu kommen Pausen zum Aufräumen und Essen. Geschmaust wird allerdings nicht an einer großen Tafel mit allen zusammen. Jeder sitzt an seinem eigenen Tisch - wie auch jeder in der eigenen Küche schnippelt und brutzelt.

Der Kochschulenleiter versucht dennoch, echte Atmosphäre aufkommen zu lassen, stellt sich zu Beginn vor und erklärt das Menü anhand der Lebensmittel, die vor jedem auf dem Tisch liegen. Wird ein Kurs gebucht, liefert Eisenherz vorher auch alle nötigen Zutaten. Jede erdenkliche Frage ist erlaubt, sagt Bäumker. «Nur wer fragt, kommt weiter, und die einfachsten Fragen sind die wichtigsten.»

Schritt für Schritt wird alles durchgegangen

«Man kann auch in meine Töpfe hineinschauen», sagt der Koch. Klappt bei einem Teilnehmer mal etwas nicht so richtig, kann er gleich nachfragen. «Dann sage ich: "Halt mal deine Pfanne etwas schräg und vor den Bildschirm", so kann ich direkt sehen, was da passiert ist, denn auch ich habe einen Bildschirm in der Küche, auf dem ich die Teilnehmer sehe.»

Oft sind es Betriebe, die einen Kurs für ihre Mitarbeiter oder für Kundenevents buchen. Auch größere Gruppen von Freunden oder Familien können so zusammen am Bildschirm kochen. Wo die Teilnehmenden sich auch befinden, sie brauchen lediglich Internetzugang, ein Notebook oder ein Tablet.

Der Kurs läuft über die Plattform Teams, von Bäumkers Seite aus mit umfangreicher technischer Ausstattung und entsprechendem personellen Aufwand. Für Einzelpersonen lohnt sich solch ein Kurs daher nicht, zwanzig bis vierzig Freischaltungen kosten bereits über tausend Euro, dazu kommen die Zutaten.

Am schönsten findet es Helmut Bäumker, wenn die Teilnehmenden nicht alleine in der Küche stehen, sondern gleich die ganze Familie dazu holen. «Das war wirklich toll», erinnert er sich an einige Weihnachtsfeiern im vergangenen Jahr. «Da saßen die Menschen mit ihren Kindern auf dem Arm, Hund und Katze waren dabei und alle konnten ganz entspannt miteinander reden. Das ist der Vorteil in der häuslichen Atmosphäre.»

Es gibt auch Sterneköche-Abos für die Mediathek

Wer es günstiger haben möchte, kann ein Ein-, Dreimonats- oder Jahresabo für die Mediathek buchen. Dort erklärt der Eisenherz-Chef verschiedenste Gerichte in Kochvideos. Ähnlich ist das Konzept der Plattform The Golden Circle. Hier können Laien von Sterneköchen lernen. So erklärt Cornelia Poletto, wie handgemachte Kartoffelagnolotti in Salbeibutter gelingen, oder Outdoor-Experte Andi Schweiger macht mit Stockbrot mit Kalbstatar und Honigzwiebel Lust auf Lagerfeuer.

Per Jahres- oder Vierteljahresabo haben Kochbegeisterte Zugriff auf alle online gestellten Folgen. Die sind etwa zwischen zwölf und zwanzig Minuten lang, je nachdem, ob es sich um Grundlagen wie Lammkunde oder eine Sauce Hollandaise handelt oder um Hauptgerichtsrezepte wie Senfrostbraten oder Lachsforelle im Kräuterbad.

Die Köche und Köchinnen heißen hier Mentoren und erklären den Abonnenten der Plattform Gerichte aus ihren Fachgebieten. Dass sie prominente Profis sind, sollte keinen kochfreudigen Laien abschrecken, sagt Steffen Sinzinger von The Golden Circle. «Wenn sie ein, zwei oder drei Sterne haben, stellt das nur dar, welche Expertise sie mitbringen, nicht, welchen Schwierigkeitsgrad die Rezepte haben.» Über den Kundenservice können auch kulinarische Fragen beantwortet werden.

Lernen durch Abgucken vom Profi

«Neunzig Prozent von dem, was man lernt, lernt man durchs Abgucken», weiß Sinzinger aus eigener Erfahrung als ehemaliger Küchenchef. Und da komme es drauf an, von den Experten zu lernen. «Es ist ein Unterschied, ob es ein Sternekoch zeigt oder jemand, der nicht vom Fach ist, zwei, drei Sachen zusammenrührt und das Ganze kostenlos im Netz zeigt.»

Um mit den Profis zu kochen, druckt man sich am besten vorher das Rezept aus und schaut sich das Video schon einmal «trocken» an. Beim praktischen Umsetzen in der Küche kann der Film einfach zwischendurch gestoppt werden. «Wenn Jan Hartwig erklärt, ist es, als würde man mit ihm zusammen kochen», sagt Sinzinger.

Immer wieder sonntags: Zweistündiger Backkurs

Gemeinsam gebacken wird bei der Berliner Café-Betreiberin Cynthia Barcomi. Am letzten Sonntag im Monat streamt die deutsch-amerikanische Konditorin und Kochbuchautorin aus ihrer eigenen Küche vormittags zwei Stunden lang einen Backkurs. Ob Cheesecake-Schnitten, Blitzblätterteig-Häschen oder Angel Food-Cupcakes - für jeweils knapp dreißig Euro können Backbegeisterte ihr digital über die Schulter schauen.

Das Rezept gibt es im Vorfeld, wer will, kann in Echtzeit mitbacken. Gibt es Fragen, werden sie beantwortet. «Ich liebe die Fragen von den Teilnehmern», sagt Barcomi. «Der Austausch ist sehr wichtig - nur so kann ich ihnen alles beibringen.» Ihre Tochter nimmt die Fragen entgegen und stellt sie, wenn es gerade passt.

Bis zu hundert Teilnehmende sind möglich, manche schauen nur zu, viele backen direkt mit. «Was für eine Freude, wenn ich hinterher die Fotos des Gebäcks von den Teilnehmern sehe», sagt Barcomi. Und die wiederum freuen sich über leckere Cakes, Shortbreads und Brownies für ihr Sonntagskaffeetrinken.


 

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