Slow Food-Gründer Carlo Petrini gestorben

| Gastronomie Gastronomie

Der Gründer der Bewegung Slow Food, Carlo Petrini, ist tot. Wie die Organisation Slow Food mitteilte, starb Petrini am 22. Mai 2026 im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren.

Petrini hatte die Bewegung im Jahr 1986 in Rom gegründet. Anlass war ein Protest gegen die Eröffnung der ersten McDonald’s-Filiale an der Spanischen Treppe. Bei der Aktion wurden Makkaroni verteilt, um ein Zeichen gegen Fast Food zu setzen. Aus dieser Initiative entstand Slow Food, das sich nach eigenen Angaben für „gute, saubere und faire“ Lebensmittel einsetzt.

Carlo Petrini entwickelte Slow Food zu internationalem Netzwerk weiter

Der 1949 im piemontesischen Bra geborene Petrini war Gastronom, Journalist und Autor. Nach Angaben von Slow Food wurde zunächst am 26. Juli 1986 die Organisation Arcigola gegründet, aus der später Slow Food Italien hervorging. Am 9. Dezember 1989 unterzeichneten mehr als 20 Delegationen in Paris das Slow-Food-Manifest. Petrini wurde anschließend Präsident der Bewegung und blieb bis 2022 im Amt.

Unter seiner Führung entwickelte sich Slow Food von einer kleinen Initiative in Italien zu einem Netzwerk in mehr als 160 Ländern. Im Mittelpunkt standen Themen wie regionale Lebensmittelproduktion, Biodiversität und faire Bezahlung von Erzeugern. Petrini kritisierte wiederholt industrielle Ernährungssysteme und unbegrenztes Wirtschaftswachstum.

In einem früheren Rückblick erklärte Petrini laut Vorlage, die Bewegung sei entstanden, „mit dem Ziel, das kulinarische Erbe zu verteidigen, das Ausdruck der Regionen und der verschiedenen Kulturen ist“.

Petrini gründete Universität und weltweites Netzwerk für Lebensmittelgemeinschaften

Im Jahr 2004 gründete Petrini in der italienischen Region Piemont die Universität der gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo. Nach Angaben von Slow Food war dies die erste Hochschule mit einem interdisziplinären Schwerpunkt auf Lebensmitteln. Bis heute wurden dort demnach rund 4.000 Absolventen aus 100 Ländern ausgebildet.

Ebenfalls 2004 initiierte Petrini das Netzwerk Terra Madre, das Bauern, Fischer, Produzenten, Köche und Wissenschaftler international miteinander verbindet. Nach Angaben der Organisation wollte Petrini damit kleineren Erzeugern mehr Sichtbarkeit verschaffen und dem Einfluss großer Lebensmittelkonzerne entgegentreten.

Die Leitformel der Bewegung lautete „Buono, pulito e giusto“ – auf Deutsch „gut, sauber und fair“. Gemeint war damit laut Slow Food, dass Lebensmittel geschmacklich hochwertig sein, ökologisch produziert werden und Produzenten fair entlohnt werden sollten.

Internationale Organisationen zeichneten Petrini für Nachhaltigkeitsarbeit mehrfach aus

Petrini veröffentlichte mehrere Bücher zu Ernährung, Nachhaltigkeit und Landwirtschaft. Zudem schrieb er regelmäßig für italienische Tageszeitungen wie La Repubblica, La Stampa und Il Manifesto. Laut Slow Food flossen Einnahmen aus seiner journalistischen Tätigkeit in Projekte der Organisation und der Universität zurück.

Auch internationale Organisationen würdigten Petrinis Arbeit. 2013 zeichnete ihn das Umweltprogramm der Vereinten Nationen als „Champion of the Earth“ aus. 2016 ernannte ihn die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO zum Sonderbotschafter für das Ziel „Zero Hunger“ in Europa.

Petrini pflegte zudem Kontakte zu Papst Franziskus. Gemeinsam veröffentlichten beide 2020 das Buch „Terrafutura“. Bereits zuvor hatte Petrini ein Vorwort zur Buchausgabe der Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ geschrieben.

Im Jahr 2022 zog sich Petrini aus der Führung von Slow Food zurück. Zu seinem Nachfolger wurde der Ugander Edward Mukiibi gewählt. Petrini blieb danach Mitglied des Vorstands von Slow Food und Präsident der Universität der gastronomischen Wissenschaften.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Kentucky Fried Chicken hat im texanischen McKinney ein neues Konzeptrestaurant eröffnet, das als Testlabor für erweiterte Menüs und modernisierte Serviceprozesse dient.

Starbucks schließt rund 250 Filialen in den USA und Kanada, um das nordamerikanische Netzwerk zu restrukturieren. Durch die Reduktion unrentabler Standorte soll die operative Effizienz gesteigert werden. Die Kosten belaufen sich auf 300 Millionen US-Dollar.

Seit Freitag wird auf dem Wasen wieder kräftig getrunken, geschunkelt und gefeiert. Bei vielen Gästen auch mit Zigarette - obwohl es ein strengeres Nichtrauchergesetz gibt. Wie kann das sein?

Ein komplettes Mittagessen für nur einen Euro? Das lockt viele Studierende in Frankreich an - und sorgt für Überlastung bei den Mensen. Muss das Angebot bald eingeschränkt werden?

Auf dem Wasen herrscht in den kommenden 17 Tagen wieder so etwas wie Ausnahmezustand. Bis zum 11. Oktober wird nach dem traditionellen Auftakt um 16.00 Uhr auf dem zweitgrößten Volksfest der Welt in Stuttgart wieder getrunken, geschunkelt und gefeiert.

Der Tamworth Tap aus Staffordshire ist bei den Great British Pub Awards 2026 zum Pub des Jahres gekürt worden. Insgesamt wurden 17 Kategorien ausgezeichnet, darunter erstmals die Kategorie „Best Inn“.

Die sechs Finalisten des Wettbewerbs „Koch des Jahres 2026“ haben am Flughafen Frankfurt erstmals gemeinsam gekocht. In der FRALounge präsentierten sie ein Sechs-Gänge-Menü mit persönlichen Bezügen und unterschiedlichen kulinarischen Ansätzen.

Die Besucher am ersten Wiesn-Wochenende waren weniger aber internationaler als vor einem Jahr. Am Eröffnungssamstag machten ausländische Gäste rund 33 Prozent aus, am Sonntag gut 29 Prozent, wie eine Untersuchung von Handydaten ergab.

Von der Dorfwirtschaft bis zur Vorstadtkneipe: Lisa Lindhuber und Franzi Püschel erkunden für BR Puls die bayerische Wirtshauskultur. Im zweiten Instagram-Format „Die Foodlerin“ geht Marie Schwesinger kulinarischen Fragen aus Bayern nach.

Im Frankfurter Hochhauskomplex Four öffnet die neue Tagesbar The Graevenitz ihre Türen. Hinter dem Konzept stehen der Gastronom Maximilian Graf von Saurma und seine Geschäftspartnerin Sarah Korb.