Steigender Kostendruck: 2025 schloss täglich ein Pub in England und Wales

| Gastronomie Gastronomie

Die Strukturkrise im britischen Gastgewerbe hat sich im vergangenen Jahr weiter verschärft. Neue Daten belegen eine kontinuierliche Verringerung der Betriebszahlen, während die Branche vor einer massiven Erhöhung der steuerlichen Belastung durch die bevorstehende Neubewertung der Gewerbesteuern steht.

Analyse der Betriebsschließungen im Jahr 2025

Nach einer aktuellen Auswertung der Beratungsgesellschaft Ryan ist der Bestand an steuerpflichtigen Pubs in England und Wales im Kalenderjahr 2025 um 366 Betriebe gesunken. Waren Ende Dezember 2024 noch 38.989 Pubs registriert, fiel diese Zahl bis Ende Dezember 2025 auf 38.623. Dies entspricht einer durchschnittlichen Schließungsrate von einem Betrieb pro Tag.

Branchenexperten betonen die Endgültigkeit dieser Entwicklung. „Diese Pubs haben dauerhaft geschlossen, nicht nur vorübergehend. Die Gebäude wurden abgerissen oder in Wohnungen, Büros, Kindertagesstätten, Cafés oder für andere Zwecke umgewandelt“, erklärt Alex Probyn, Practice Leader für Grundbesitzabgaben bei Ryan, laut The Morning Advertiser. Eine Rückführung in die gastronomische Nutzung findet nach der Umnutzung faktisch nicht mehr statt.

Regionale Verteilung und wirtschaftliche Faktoren

Der Rückgang betrifft alle Regionen Englands und Wales. Die stärksten Einbußen verzeichneten die East Midlands, der Nordwesten Englands sowie Yorkshire und die Region Humber.

Obwohl viele Betriebe ihre Umsatzzahlen nach der Pandemie stabilisieren konnten, hat sich die Rentabilität nicht im gleichen Maße erholt. Die Branche berichtet von einer Kombination aus steigenden Lohnkosten, hohen Energiepreisen und einer erhöhten Alkoholsteuer. Diese Faktoren führen in Verbindung mit dem Bewertungssystem für Gewerbesteuern (Business Rates) zu einer sinkenden Profitabilität.

Ausblick auf die Steuerreform 2026

Für April 2026 ist eine flächendeckende Neubewertung der Gewerbesteuern angekündigt, die den Sektor vor weitere Herausforderungen stellt. Prognosen auf Basis der Entwürfe lokaler Bewertungslisten deuten darauf hin, dass der durchschnittliche steuerpflichtige Wert eines Pubs um 30 Prozent steigen wird – von derzeit 30.945 £ auf 40.245 £.

Gleichzeitig fällt die bisherige Steuererleichterung von 40 Prozent für den Einzelhandel, das Gastgewerbe und den Freizeitsektor weg. Branchenvertreter fordern daher eine Reform des Bewertungssystems. Kritisiert wird insbesondere, dass die aktuelle Bemessungsgrundlage primär den Umsatz heranzieht und die reale wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die tatsächlichen Gewinnmargen der Betriebe unzureichend berücksichtigt.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ein leuchtend buntes Plakat wirbt in diesem Jahr für das Münchner Oktoberfest. Was das Siegermotiv besonders macht und warum es bei Jury und Publikum gut ankam.

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent führt in der Gastronomie nicht zu sinkenden Preisen. Eine Auswertung von Meoton zeigt, dass die Branche die Entlastung nutzt, um gestiegene Kosten abzufedern und das Preisniveau stabil zu halten.

Die österreichische Kaffeekette The Coffeeshop Company hat ihren offiziellen Markteintritt in Indien vollzogen. Mit der Eröffnung in Delhi setzt das Wiener Unternehmen den Grundstein für eine großangelegte Expansionsstrategie auf dem Subkontinent.

In Hamburg-St. Pauli eröffnet Olivia Jones im März mit „Olivias Dschungel-Bar“ Deutschlands erste Bar für Reality-TV-Fans. Das Konzept setzt auf Dschungel-Atmosphäre, Original-Exponate bekannter Stars und interaktive Prüfungen direkt am Tresen.

Das Drei-Sterne-Restaurant Aqua im The Ritz-Carlton, Wolfsburg schließt im März 2026 nach über 25 Jahren. Spitzenkoch Sven Elverfeld setzt damit einen bewussten Schlusspunkt unter sein bisheriges Lebenswerk, während das Hotel eine gastronomische Neuausrichtung plant.

Die Maß auf der Wiesn wird jedes Jahr teurer. Das will der Bierbrauerpräsident ändern - und stattdessen Eintritt verlangen. Münchens Oberbürgermeister und der Wiesn-Chef halten dagegen.

Restaurant Brands International (RBI) verfolgt ambitionierte Ziele für den chinesischen Markt. Bis zum Jahr 2035 soll das Netzwerk von Burger King auf mehr als 4.000 Restaurants anwachsen.

Ein Drink zu viel oder schon ein Verbrechen? Warum die Dunkelziffer bei K.o.-Tropfen in Sachsen-Anhalt so hoch ist und wie Clubs versuchen, ihre Gäste vor unsichtbaren Angriffen zu schützen.

Mitchells & Butlers ist wieder mit zwei Standorten in der Hansestadt vertreten. Nach dem Auszug aus dem Alsterpavillon im Oktober 2025 wurde nun das ALEX am Rothenbaum offiziell eröffnet.

Das Berliner Sternerestaurant Bonvivant verfolgt konsequent seine Strategie der nachhaltigen Weiterentwicklung. Wie der Betrieb bekanntgab, wurde das gesamte kulinarische Angebot nun vollständig auf eine rein pflanzliche Basis umgestellt.