Strukturwandel in den USA: Hohes Schließungsrisiko für klassische Speiselokale

| Gastronomie Gastronomie

Die wirtschaftliche Lage der Vollservice-Gastronomie in den Vereinigten Staaten spitzt sich für das Jahr 2026 erheblich zu. Wie das Fachmedium Nation’s Restaurant News unter Berufung auf Daten von Black Box Intelligence berichtet, sind derzeit rund 9 Prozent aller Restaurants mit Tischbedienung von einer dauerhaften Schließung bedroht. Besonders kritisch stellt sich die Situation für einen harten Kern der Branche dar: Etwa 3 Prozent der Betriebe verzeichneten Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent im Vergleich zu ihren Spitzenwerten.

Hoher Kostendruck und regionale Brennpunkte

Hintergrund der Entwicklung ist eine massive Kostensteigerung, die seit dem Jahr 2019 kumuliert fast ein Drittel beträgt. Laut Victor Fernandez, Vizepräsident für Erkenntnisse und Wissen bei Black Box Intelligence, sei es in diesem Umfeld faktisch unmöglich, einen Standort lebensfähig zu halten, wenn dieser 30 Prozent oder mehr seines Spitzenumsatzes verloren habe. Für diese Lokalitäten stelle sich laut seiner Aussage nicht die Frage, ob sie schließen, sondern wann.

Ein aktueller Bericht der National Restaurant Association untermauert diese Einschätzung. Demnach erklärten 42 Prozent der Gastronomen, dass ihre Betriebe im Jahr 2025 nicht profitabel arbeiteten. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Geschäftsbedingungen verschlechtert hätten, während lediglich 15 Prozent eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr wahrnahmen. Regional konzentrieren sich die Risiken vor allem auf gesättigte Märkte wie Fresno-Visalia in Kalifornien sowie Gebiete in Oklahoma, Texas und im Südosten der USA, darunter Städte wie Louisville, Little Rock und Mobile.

Segmentvergleich und Marktsättigung

Innerhalb der Branche zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den verschiedenen Segmenten. Während die klassische Gastronomie mit Bedienung seit 2022 einen Rückgang beim Netto-Wachstum der Standorte von 3,3 Prozent hinnehmen musste, wuchs die Schnellgastronomie um 5,8 Prozent. Noch stärker entwickelten sich Konzepte ohne Tischbedienung mit gehobenem Angebot, die ein Plus von 15,5 Prozent verbuchten.

Große Ketten wie Denny’s, Outback Steakhouse oder Applebee’s haben bereits Schließungen zahlreicher Filialen eingeleitet. Dennoch schrumpft der Sektor der Einzelgastronomen ohne die Vorteile einer großen Systemzentrale schneller. Daten von Technomic zufolge verringerte sich dieser Bereich im Jahr 2025 um 2,3 Prozent, während die Zahl der Standorte von Systemgastronomien insgesamt um 1,4 Prozent zunahm. Experten raten den Unternehmen zu einer Portfolio-Optimierung.

Fernandez führt dazu aus: „Wenn eine Marke aufhört, ihre untersten 10 Prozent der Einheiten zu subventionieren, kann sie Kapital, Managementaufmerksamkeit und Marketingausgaben auf die Einheiten mit dem höchsten Wachstumspotenzial umverteilen.“ Dieser Effekt der Verkehrsverlagerung sei ein wirksames Werkzeug für das Überleben der verbleibenden Standorte.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Giesinger Bräu strebt auf das Oktoberfest. Mit einem offiziellen Bürgerbegehren will die Brauerei die geltenden Zulassungsregeln für die Wiesn ändern. Zum Start des Starkbierfestes wurden bereits die ersten Unterschriften gesammelt.

Wechsel in der Duisburger schauinsland-reisen-arena: Ab der Saison 2026/27 übernimmt Supreme Sports Hospitality das gesamte Catering. Der neue Partner setzt auf eine Mischung aus Investitionen in die Infrastruktur, bewährten Stadion-Klassikern und innovativen Food-Konzepten.

Mit „OMA – Opportunity for More Authenticity“ gewinnt ein Team der FHWien der WKW den europäischen Hospitality-Wettbewerb in Amsterdam. Die Idee nutzt das kulinarische Wissen lokaler Großmütter, um Gästen authentische Food-Erlebnisse zu bieten.

Seit Ewigkeiten galt auf der Wiesn: Sechs Münchner Biere gibt es dort - und kein einziges mehr. Doch die Bier-Frage wird nun endgültig zum Politikum. Denn eine Brauerei plant die Revolution.

In Mainz-Gonsenheim setzt das Weingut St. Antony auf ein Gastronomiekonzept, das die Tradition der klassischen Eckkneipe aufgreift. Unter dem Namen Heiliger Anton wurde ein Pop-up-Restaurant eröffnet, das den Fokus auf soziale Interaktion und eine unkomplizierte Bewirtung legt.

Im Salzburger Hotel und Restaurant Cool Mama sorgt eine strikte Bekleidungsvorschrift für öffentliche Diskussionen. Einer Frau wurde bei der Reservierungsanfrage für das Sky-Restaurant eine Absage erteilt, da sie ein Kopftuch trägt. Das Gastronomieunternehmen beruft sich auf die Hausordnung, während die Betroffene den Vorwurf der Diskriminierung erhebt.

Pizza Hut steht vor einem bedeutenden Umbruch auf dem US-Markt. Die Muttergesellschaft Yum! Brands hat die Schließung von 250 leistungsschwachen Standorten angekündigt und prüft derzeit strategische Optionen für die Zukunft der Marke.

Die Hamburger Systemgastronomie-Kette Schweinske gibt die Mehrwertsteuersenkung ab März 2026 über gezielte Preisnachlässe an ihre Gäste weiter. Damit wählt das Unternehmen einen anderen Weg als weite Teile der Branche.

Vom 19. Februar bis zum 1. März lädt das Feinschmeckerfestival «eat! Berlin» zu besonderen kulinarischen Angeboten ein. Braucht man Anzug und Kleid? Und muss man wissen, wo welches Besteck liegt?

Die Gewerkschaft NGG fordert nach Bekanntwerden neuer Zahlen zu Mindestlohnverstößen im Gastgewerbe eine personelle Verstärkung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und eine verpflichtende digitale Zeiterfassung.