Systemgastronomie und Catering im Fokus: Fortschritte bei Tierschutzstandards, Lücken im Engagement

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Der Masthuhn-Report 2025 der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt analysiert die Umsetzung höherer Tierschutzstandards in der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Der Bericht stellt fest, dass sich über 110 Unternehmen zur Masthuhn-Initiative (MHI) verpflichtet haben. Insbesondere in der Systemgastronomie und im Contract Catering zeigen sich jedoch große Unterschiede im Engagement. Die Analyse beleuchtet sowohl die positiven Entwicklungen als auch die Verweigerung von Commitments bei wichtigen Marktteilnehmern.

Systemgastronomie: Umsetzung und Ablehnung von Standards

Die Überprüfung der Systemgastronomie belegt eine heterogene Situation bezüglich der MHI-Kriterien. Als Unternehmen, das die Kriterien bereits vollständig umgesetzt hat, wird das Burger-Restaurant Hans im Glück genannt. L’Osteria verbesserte seine Bewertung durch detailliertes Reporting und eine Roadmap um etwa 30 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Auch Dean & David stieg um zwei Stufen auf.

Fabienne Schulte, Senior Sustainability Manager bei L’Osteria, beschreibt die interne Steuerung der Umstellung: »Die größte Vereinfachung lag in der zentral gesteuerten Warenbeschaffung. So konnten wir unsere Menüentwicklung und Operations reibungslos anpassen, ohne dass unsere Franchise-Partner aufwendige Einzelentscheidungen treffen mussten. Für uns müssen Qualität und Preis Hand in Hand gehen.«

Demgegenüber stehen Unternehmen, die sich nicht zur Masthuhn-Initiative bekennen. Die Ketten McDonald’s und Burger King verzichten weiterhin auf ein verbindliches Commitment zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Masthühnern. Der Report weist darauf hin, dass diese umsatzstarken Unternehmen mit ihrer Marktmacht einen erheblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen der Tiere ausüben könnten. Call a Pizza wird als Unternehmen genannt, das kein Interesse an einer Veränderung der Haltungsbedingungen zeigt.

Contract Catering: Breite Verpflichtung, Transparenzdefizite

Im Bereich des Contract Catering haben sich die zehn größten Unternehmen zur MHI bekannt. Dies steht im Gegensatz zu beobachteten Lücken bei der Transparenz der Umsetzung. Der Bericht verzeichnet in dieser Branche Defizite bei klaren und vollständigen Reporting-Standards. Manche Unternehmen führen regulatorische Hürden als Grund für die Verzögerung von Verbesserungen an. Konkrete Zahlen zur Umstellung der Lieferkette bleiben oft aus, auch wenn die erstmalige Verwendung MHI-konformer Ware angekündigt wird.

Die beste Bewertung im Catering-Ranking erreicht Sodexo dank eines ausführlichen Reportings und einer Roadmap auf Stufe 3. Apetito verbesserte sich um eine Stufe und erreicht mit einem Umstellungsgrad von 19,5 Prozent das beste Ergebnis im Vergleich zur Konkurrenz.

Alexander Weiß, Head of Communications Germany bei Sodexo, kommentiert die Entscheidung für die Initiative: »Die Masthuhn-Initiative passt zu unseren Grundwerten und zu unserem Nachhaltigkeitsplan. Für uns war die Masthuhn-Initiative in den ersten Jahren zunächst ein Auftrag, mit unseren Lieferanten über unsere Erwartungen zu sprechen. Danach haben wir an einem Hebel angesetzt, den wir direkt kontrollieren: an unserem Einkaufssystem.«

Die Unternehmen Genuss & Harmonie, Klüh und L & D bilden das Schlusslicht im Caterer-Ranking. Sie veröffentlichten Fortschrittsberichte, in denen die Lieferantensituation angesprochen wird, jedoch fehlen konkrete Angaben zur Umstellung der Lieferkette und eine Roadmap.

Fristen und Kriterien der MHI

Die Masthuhn-Initiative definiert klare Kriterien, die auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen. Zu den Standards gehören die Umstellung auf langsamere Zuchtlinien, die Bereitstellung von mehr Platz in der Haltung sowie die Anwendung schonenderer Schlachtmethoden.

Die Frist zur Umsetzung der MHI-Standards läuft für die meisten Unternehmen im Jahr 2026 ab. Die Albert Schweitzer Stiftung hebt hervor, dass Unternehmen, die ihre Selbstverpflichtungen nicht durch konkrete Fortschritte und vollständige Berichte belegen, im Ranking zurückfallen. 18 Unternehmen konnten ihre Bewertung im Vergleich zu 2024 verbessern. Gleichzeitig erhielten 13 Firmen Punktabzüge, unter anderem, weil die verschärften Bewertungskriterien nun die Anwendung des Commitments auf alle Sortimente einbeziehen.

Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt der Albert Schweitzer Stiftung, erklärt dazu: »Der Report macht auch deutlich, warum Transparenz wichtig ist: Unternehmen, die ihre Selbstverpflichtungen nicht durch konkrete Fortschritte untermauern oder keine vollständigen Berichte vorlegen, landen auf den hinteren Plätzen des Rankings. Nur wer seine Versprechen durch Taten belegt, kann beim Tierschutz glaubwürdig bleiben.«

Lebensmittelhersteller und Supermärkte zeigen ebenfalls Entwicklungen

Bei den Lebensmittelherstellern verbesserte sich Dr. Oetker von Stufe 3 auf Stufe 2 und weist mit einem Umstellungsgrad von 86 Prozent einen hohen Fortschritt auf. Auch Frosta zeigt eine aufsteigende Tendenz. Alexander Sack, Executive Manager Sustainability bei Dr. Oetker, äußert sich dazu: »Wir arbeiten gemeinsam mit bestehenden Lieferanten an der Umstellung auf Hähnchenfleischprodukte nach MHI-Kriterien. Hierfür war und ist ein enger Austausch mit allen beteiligten Akteuren der Lieferkette erforderlich.« Das Unternehmen Eismann bildet das Schlusslicht in diesem Vergleich und zeigt keine Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Im Lebensmitteleinzelhandel führen die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd das Ranking an, basierend auf gutem Reporting und Fortschritten. Norma liegt mit 57 Prozent auf Stufe 3 und erhielt die volle Punktzahl für das Commitment. Bei den Supermärkten erreicht Globus die höchste Punktzahl. Tegut fiel im Vergleich zum Vorjahr zurück, da das Commitment nur für einen Teil des Frischfleisch-Sortiments gilt. Unternehmen wie Bartels-Langness, Edeka, Hit, Klaas & Kock sowie Netto Markendiscount und Netto ApS finden sich auf den schlechtesten Stufen. Der Edeka-Verbund hat jedoch neue MHI-Ziele gesetzt, die sich zukünftig positiv auswirken sollen.

Verbraucher als Einflussfaktor

Der Bericht belegt, dass Unternehmen auf Nachfrage und öffentlichen Druck reagieren. Verbraucher können durch gezieltes Nachfragen bei Caterern, Supermärkten und Restaurants, ob diese die Masthuhn-Initiative unterstützen, sowie durch bewusstes Einkaufen einen Einfluss auf die Umsetzung von Tierschutzstandards ausüben.
 


 

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