Terz um Nerz: Clubs sperren Pelzträger aus

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Wer Pelz trägt, ist out - im Münchner Kulturzentrum Bahnwärter Thiel gilt das im wahrsten Wortsinn. Seit Anfang Februar müssen Pelzträger dort draußen bleiben. «Wir bieten hier ein feines, ausgewähltes Kulturprogramm, das auch Nachhaltigkeitsthemen behandelt. Da passen Pelze, für die Tiere nur als späteres Accessoires gezüchtet und gequält werden, einfach nicht dazu», begründet Daniel Hahn, Initiator des Zentrums samt Club, den Schritt. Da es für die Türsteher unmöglich sei, echte von falschen Pelzen zu unterscheiden, gelte das Einlassverbot auch für Träger von Imitaten.

Der Deutsche Tierschutzbund freut sich über die Entscheidung der Münchner. «Wir begrüßen es, wenn private Kulturbetriebe ihre Lokalitäten mit Verweis auf den Tierschutz zu pelzfreien Orten erklären – und sich damit auch dafür entscheiden, dem seit Jahren zunehmenden Trend des Fellbesatzes an Jacken oder Mützen keine Fläche mehr zu bieten», sagt die dortige Fachreferentin für Artenschutz, Henriette Mackensen.

Auch die Erweiterung des Verbots auf Kunstfelle und Second-Hand-Pelze hält sie für sinnvoll: «Bei diesen vermeintlichen Kunstprodukten wird der Verbraucher leider oft getäuscht», sagt sie. Da Felle bestimmter Tierarten je nach Herkunft – beispielsweise bei Marderhunden aus China – billiger oder zumindest genauso billig zu bekommen seien wie Kunstfell, werde oft heimlich Echtfell verwendet. «Auch die Kennzeichnungspflicht ist mangelhaft», betont sie.

Kritisch sieht dagegen Bernd Ohlmann, Sprecher beim Handelsverband Bayern, die Entscheidung. «Klar ist Pelzetragen gesellschaftlich immer weniger gewünscht, aber Kunstfelle sind auch ein modischer Trend. Und mit der pauschalen Aussage "Ihr kommt jetzt alle nicht mehr rein" stelle ich auch meine Kunden an den Pranger», sagt Ohlmann. «Gerade im Winter lehnen sich die Betreiber da schon arg weit aus dem Fenster. Zwar ist das ihre freie Entscheidung aber auch im Sinne der Kundenbindung ziemlich mutig.»

Mackensen vom Tierschutzbund hingegen betont, dass die Münchner mit ihrer Entscheidung in guter Gesellschaft seien. Den Anfang habe 2014 der Hiltl Club in Zürich gemacht. Ebenfalls in München nehme der Club Backstage schon seit 2016 an der Garderobe keine Pelze mehr an, ebenso das Imperial Theater in Hamburg. «Sogar ganze Straßen erklären sich pelzfrei - zum Beispiel Amsterdam», sagt Mackensen. «Der Trend, sich pelzfrei zu definieren, ist nicht neu, sondern eine konsequente Weiterführung einer gesellschaftlichen Entwicklung zu bewussterem Konsum.»

Auch Hahn vom Bahnwärter Thiel kennt viele Clubs, die keine Pelze mehr reinlassen: «In Berlin ist das überwiegend schon selbstverständlich. Und auch in Hamburg oder Leipzig ist das beispielsweise längst in der breiten Nachtkultur angekommen.»

Seit dem Verbot gab es eine Handvoll Veranstaltungen im Bahnwärter Thiel. Die Türsteher schickten laut Hahn bereits einige Gäste weg, Anfeindungen vor Ort gab es demnach noch nicht. Wohl aber in den sozialen Netzwerken. Von «klassischer Münchner Borniertheit», über «absoluter Schwachsinn» bis hin zu «heuchlerisch, was ist mit Lederschuhen und Jacken?» gehen die Kommentare etwa auf Facebook. Für Hahn waren die Reaktionen erwartbar. «Wir haben auch viel Zuspruch bekommen. Und Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie - einen Missstand mit einem anderen Missstand zu vergleichen, führt zu nichts.» Angst vor Einbußen wegen Gästemangels hat er nicht. «Die, die uns besonders am Herzen liegen, weil sie ein Verantwortungsgefühl haben, bleiben uns sicher auch erhalten.»

(dpa)


 

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