Toko und Co.: Den Haag ist Topadresse für indonesische Küche

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Nur ein paar Schritte vom lebhaften Hauptplatz Plein entfernt tauchen Den Haags Besucher ein in eine andere Welt: Das kleine Imbissrestaurant «Kopi Kopi» entführt in fernöstliche Genusswelten. 

«Wij zetten ons in om jou een stukje Indonesie te laten ervaren» - «Wir lassen sie ein Stück Indonesien erfahren», das versprechen die Inhaber von «Kopi Kopi» auf einer Wandtafel, die Köchin Debby Elias und ihr Lebenspartner Allan.

Von der Speisenkarte können die Gäste etwa wählen zwischen der süß-scharfen Ziegenfleischsuppe Tongseng Kambing mit frischen Kräutern und Kokosmilch, serviert mit Kohl und Tomaten, den vegetarischen Satay-Spießen (Tofu und Tempeh) mit hausgemachter Erdnuss-Soße oder marinierter und gegrillter Hähnchenkeule mit weißem Reis (Ayam Bakar Kalasan). Die Speisen sind halal, Schweinefleisch ist tabu, ebenso alkoholische Getränke, der indonesischen Küche folgend.

Entstehung der unabhängigen Republik Indonesien

Debby Elias und Allan haben indonesische Wurzeln: Ihre Eltern übersiedelten nach dem Zweiten Weltkrieg ins Land der Tulpen und Windmühlen. Es war eine Zeit, als die niederländische Königin Juliana die Souveränitätsübergabe unterzeichnete; im Dezember 1949 war das.

Es entstand die unabhängige Republik Indonesien. Es war das Ende der niederländischen Kolonialherrschaft über die fernöstliche Inselgruppe, die 1799 mit der Gouverneursverwaltung offiziell begonnen hatte.

Um die 350 Jahre lang hatten die Niederlande gut von den Schätzen ihrer ostindischen Kolonie gelebt: Export und Handel von Gewürzen, Tee, Kaffee, Zucker und Bodenschätze begründeten den Wohlstand ihres ursprünglich von Landwirtschaft und Fischerei geprägten Landes zwischen Westerschelde und Wattenmeer.

Denn bereits ab 1602 hatte der mächtige Handels- und Schifffahrtsbund Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC), dafür die Basis gelegt. Die Niederländische Ostindien-Kompanie war das größte Handelsunternehmen des 17. Jahrhunderts mit Stützpunkten etwa in Batavia, dem heutigen indonesischen Jakarta.

Es war das Goldene Zeitalter der Niederlande - mit noblen Häusern in Den Haag und an Amsterdams Grachten sowie berühmten Malern wie Rembrandt, Frans Hals oder Jan Vermeer.

Nach 1949 waren die Karten völlig neu gemischt, nichts war mehr so wie früher. «Die Niederländer - Handelsleute, Farmer, Militärs, Behördenbeschäftigte - im neuen Indonesien standen nun vor der Wahl: Indonesier werden, oder ins Mutterland heimkehren. Schließlich hatten sie die niederländische Staatsangehörigkeit und sprachen die Landessprache», so der 67-jährige Haager Steef Barneveld aus der zweiten Generation der Indo-Niederländer. Er ist hin und wieder mit Touristen in der Regierungshauptstadt zu den indonesischen Restaurants unterwegs.

Bereicherung der niederländischen Küche

Viele Übersiedler ließen sich in Den Haag nieder, fanden anfangs bei Verwandten, Bekannten oder in billigen Hotels und Pensionen eine Bleibe, teils unter ärmlichen Umständen. Und sie brachten ein Stück Esskultur aus der ehemaligen Kolonie mit in ihr neues Zuhause, Bereicherung der niederländischen Küche.

So entstanden ab Anfang der 1950er Jahre besonders in Den Haag zahlreiche Toko-Imbiss-Restaurants, von denen nach inoffiziellen Schätzungen heutzutage dort über 60 existieren sollen - so viele wie in keiner anderen niederländischen Stadt. Mittlerweile ist das gastronomische Angebot in Den Haag nicht nur von Betreibern mit niederländisch-indonesischen Wurzeln, sondern auch von Zuwanderern aus Indonesien selbst geprägt.

Manche der Tokos seien kombiniert mit Lebensmittelläden, «mit ein paar Tischen zum Speisen vor Ort, oder zum Mitnehmen», sagt Steef Barneveld. Ein Beispiel ist das «Toko Frederik» in der Frederikstraat, wo sich Beschäftigte aus dem nahen Verwaltungshaus der Provinz Zuid-Holland ein preiswertes Mittagessen abholen. So ist das Essen in den Tokos oft günstiger als in Haager Restaurants, die - mal abgesehen von Pannekoeken-Gasthäusern - als hochpreisig bezeichnet werden können: Niveau der eleganten Regierungshauptstadt eben.

Als eines der ältesten indonesischen Restaurants gilt «De Poentjak», gelegen am Kneuterdijk auf halbem Weg zwischen Königspalais Noordeinde und Regierungsquartier am zentralen Stadtsee Hofvijver. Von dem Paar Winatuva und Benjamin Tombal vor 45 Jahren gegründet, führen Sohn Christian und seine Frau Dian heute den Familienbetrieb.

Spezialität des Hauses: die klassische Reistafel, eine ostindische-niederländische Verbindung. In vielen Schälchen werden dabei Fleisch, Fisch und Gemüse sowie Reis aufgetischt.

Wichtig während des Verzehrs: Um einen Löffel Reis in der Mitte eines Tellers werden die Komponenten drapiert. Und dann zusammen verspeist - das Ganze variiert von angenehm mild gewürzt bis zu beißender Schärfe.

Prominenz zu Tisch

Gäste im «De Poentjak» sind Beschäftigte und Mitglieder des Königshauses, Lobbyisten und Parlamentarier. Der frühere Ministerpräsident und heutige Nato-Generalsekretär Mark Rutte wurde schon im Poentjak gesehen, ebenso der französische Präsident Emmanuel Macron.

Nur zwei Häuser weiter im «Garoeda» servieren sie ebenfalls die indonesische Reistafel. Gäste des traditionsreichen Restaurants können der Kochcrew in der offenen Küche bei der Zubereitung der einzelnen Komponenten über die Schulter schauen.

Die Geschichte und Geschichten der Heimkehrer aufzuzeigen hat sich das Haager Museum Sophiahof zur Aufgabe gemacht. Multimedial kommen in der eindrucksvollen Präsentation die Übersiedler zu Wort: 300.000 Menschen sind zwischen 1946 und 1968 eingetroffen, per Schiff in Rotterdam oder Amsterdam, mit ein paar Koffern und Kartons nur, die einzige Habe.

Erst im Juni 2019 wurde das Museum eröffnet. 2022 entschuldigte sich der damalige Ministerpräsident Rutte für die Kolonialherrschaft. Spät, sehr spät sei die geschichtliche Aufarbeitung in Gang gekommen, bemängeln Kritiker.

Neues Food- und Kulturfestival

Währenddessen sorgt ein Medium für interkulturellen Austausch und ein Wachhalten der Geschichte. «Moesson» – Monsum, so heißt das Magazin, das von Vivian Boons Großvater bereits 1956 gegründet wurde und seitdem als Stimme der Indo-Niederländer gilt. Die 54-jährige Chefredakteurin Boon sagt: «Die Lebensgeschichten der Migranten nicht zu vergessen, sondern ihr Erlebtes weiterzutragen, ist unsere Aufgabe.»

Dazu soll auch das neue Food- und Kulturfestival «Jalan Jalan» beitragen, das am Wochenende 21. bis 23. August auf dem Platz Lange Voorhout stattfinden wird. «Speisen und Getränke, Indo-Niederländische Rockmusik und Talkshows, es wird bunt und lebhaft werden», erwartet Mitorganisatorin Boon. (dpa)


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