«Unerträglich» - Angriff auf israelisches Lokal in München

| Gastronomie Gastronomie

Unbekannte haben ein israelisches Restaurant in München angegriffen, Fensterscheiben zerstört und einen Schaden von mehreren Tausend Euro verursacht. Polizei, Justiz und Betreiber gehen von einem antisemitischen Motiv aus, Politiker zeigen sich entsetzt. Der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz hat die Ermittlungen übernommen. Brandexperten der Münchner Kriminalpolizei und des Landeskriminalamts prüften unter Sachleitung der Generalstaatsanwaltschaft München, welche Art von Sprengsatz verwendet worden sein könnte, teilte ein Sprecher mit. Verletzt wurde niemand. 

Am späten Nachmittag versammelten sich vor dem Lokal laut Polizei rund 300 Menschen, um ihre Solidarität zu bekunden, unter ihnen auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Der Angriff sei mehr als eine Attacke auf ein israelisches Restaurant, erklärte die 93-Jährige auf der Plattform X. «Es ist ein Angriff auf eine Institution Münchner Geselligkeit und einen wichtigen Raum für die jüdische Gemeinschaft. Hier kommen Menschen zusammen, um es sich miteinander gut gehen zu lassen.» 

«Teil eines gefährlichen Trends»

Der in München ansässige Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) warnte: «Dieser Anschlag ist kein Einzelfall, sondern Teil eines gefährlichen Trends, den wir seit dem 7. Oktober 2023 sehen: wachsender Hass gegen Juden – offen, aggressiv, enthemmt», sagte Gady Gronich, Generalsekretär der in München ansässigen Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER). «Ein Angriff auf ein jüdisches Restaurant ist feige und ein Angriff auf unser Zusammenleben. München war bislang ein sicherer Ort für Juden, und es muss es bleiben.»

Münchens neu gewählter Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) äußerte sich bestürzt: «Das ist unerträglich», sagte er und betonte: «Über den heutigen Tag hinaus sind wir alle dazu aufgefordert, Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Bereichen klar und entschieden entgegenzutreten – ganz egal in welcher Form, aus welcher Richtung und mit welcher ideologischen Aufladung er sich äußert.» Er hoffe, dass die Täter bald gefasst würden «und die Stadtgesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus noch näher zusammenrückt».

Mehrere Tausend Euro Schaden

«Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Schaufensterscheiben gewaltsam beschädigt und pyrotechnische Gegenstände in das Restaurant geworfen», teilte die Polizei mit. «Um welche Art es sich dabei handelte, ist Gegenstand der Ermittlungen.» Der Sachschaden wurde auf mehrere Tausend Euro geschätzt. 

Die Einsatzzentrale der Polizei habe gegen 00.45 Uhr einen Anruf erhalten, weil es in der Maxvorstadt an dem Lokal «Eclipse» drei Knallgeräusche gegeben habe, sagte ein Polizeisprecher. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren. Nach Polizeiangaben soll ein Zeugenaufruf gestartet werden. 

Auch wenn in alle Richtungen ermittelt werde, liege eine antisemitische Motivation nahe, hieß es bei der Generalstaatsanwaltschaft. «Das Tatobjekt ist ein alteingesessenes Restaurant mit vornehmlich israelischen Gerichten, das auch nach außen so auftritt. Im Schaufenster sind Gegenstände sichtbar, die mit dem jüdischen Glauben in Zusammenhang gebracht werden können», erläuterte ein Sprecher. 

«Eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt» 

Der Angriff kam nach Angaben eines Restaurantmitarbeiters ohne Vorwarnung. «Es gab keine direkten Drohungen», sagte der Schwager des Betreibers und Mitarbeiter des Lokals, Grigori Dratva, der Deutschen Presse-Agentur. Das Restaurant betreibe sein Schwager seit 2007. «Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt.» 

«Wir lassen uns nicht einschüchtern»

Am Donnerstagabend sei das Lokal bis 23.00 Uhr geöffnet gewesen. Als die Täter zuschlugen, hatte es demnach geschlossen. «Wir werden auch heute wieder öffnen», kündigte Dratva am Morgen an. «Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen auf.»

Auch er vermutet, dass die Täter politisch motiviert waren. «Also wir wollen natürlich nichts erfinden, niemandem was unterstellen, aber wir sind natürlich ein sichtbares israelisches Lokal, und da liegt halt die Vermutung nahe», sagte Dratva. 

 

Seinen Angaben zufolge sind die Scheiben des Restaurants, das im Innenbereich etwa 70 Plätze für Gäste anbietet, mittlerweile provisorisch verklebt. Sie sollen später repariert werden. 

Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 habe jemand einmal einen Aufkleber an eine Fensterscheibe geklebt mit dem propalästinensischen Slogan «Free Palestine». Die Polizei sei eingeschaltet worden, die Hintergründe seien allerdings unklar geblieben, sagte Dratva. 

Starker Anstieg antisemitischer Vorfälle

Nach dem Hamas-Massaker mit mehr als 1.000 getöteten Israelis am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg mit Tausenden zivilen palästinensischen Opfern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) stark gestiegen. 

Israel steht derzeit auch im Fokus wegen seiner Beteiligung am Krieg gegen den Iran sowie seines Kriegs mit der Hisbollah im Libanon. Erst am Mittwoch hatte die Armee dort schwere Angriffe gegen die Schiiten-Miliz geführt, denen nach libanesischen Angaben auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Aber auch unabhängig von den Nahost-Konflikten gibt es Antisemitismus, etwa in rechtsextremen Kreisen.

Antisemitismusbeauftragter sieht «feigen Übergriff»

Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU) verurteilte den Angriff als einen «feigen Übergriff» auf einen «wunderbaren Ort der Begegnung». Am späten Nachmittag solle es eine Solidaritätskundgebung gemeinsam mit den Betreibern vor dem Restaurant geben. 

Der Direktor der etwa für die KZ-Gedenkstätte Dachau zuständigen Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, sprach von einem «feigen und zutiefst bestürzenden Akt des Antisemitismus – mitten in unserer Stadt, mitten in Bayern». Er betonte: «Dass jüdische Menschen und ihre Gäste in München noch immer um ihre Sicherheit bangen müssen, erfüllt mich mit Scham und tiefer Sorge.» (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Frittenwerk hat sein 50. Restaurant in Deutschland eröffnet. Der neue Standort im Halle Leipzig The Style Outlets bietet rund 80 Sitzplätze und schafft etwa 20 Arbeitsplätze.

Der Michelin Guide ist erstmals in Neuseeland vertreten und markiert damit den offiziellen Start der Publikation in Ozeanien. Im Zuge der Premiere zeichneten die Inspektoren insgesamt 110 Restaurants in den vier Regionen Auckland, Wellington, Christchurch und Queenstown aus.

Das Regensburger Restaurant Storstad stellt seine kulinarische Führung neu auf. Mit Simone Kubitzek und Hella Eggers übernimmt eine Doppelspitze das Kommando in der Küche.

Ein Forschungsteam der Stanford University hat ein KI-Modell entwickelt, das Burger nach Geschmack, Nachhaltigkeit und Nährwert optimiert. Im Blindtest schnitten einzelne KI-Burger ähnlich gut oder besser ab als ein Big Mac. Ein öffentlich zugängliches Online-Werkzeug steht nun zur Verfügung, das personalisierte Burger-Rezepte erstellen kann.

Die Getränkebestellungen in der Gastronomie verändern sich. Während Kaffee und Bier ihre Spitzenpositionen behaupten, gewinnen Matcha, neue Spritz-Varianten und Premium-Getränke nach einer Auswertung von orderbird an Bedeutung.

Die britische Restaurantkette Loungers erwägt den Schritt auf den deutschen Markt. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben für die zweite Jahreshälfte 2026 die Suche nach einem ersten Standort.

Die Wirtschaftskammer Wien hat die Preisträger der diesjährigen Branchenpreise Goldener Schani und Goldene Jetti bekannt gegeben. Mit diesen Auszeichnungen werden Betriebe gewürdigt, die durch ihre Außenbereiche oder Freizeitkonzepte zur Attraktivität der Stadt beitragen.

Nach einem juristischen Krimi läuft nun der Oktoberfest-Aufbau. Wie auf Münchens größter Baustelle die Wiesn-Mini-Stadt wird – und was München-Besucher wissen müssen.

Internationale WM-Gäste sorgen in nordamerikanischen Restaurants für Debatten über Trinkgeldregeln. Viele Betriebe reagieren mit automatischen Servicegebühren auf ausbleibende Zahlungen.

Die Gastronomie-Marke Kneipe 80 plant eine Tournee durch Deutschland und Österreich. Dabei ergänzen neue Standorte und diverse Gastspiele bei Großveranstaltungen das bisherige Portfolio des Konzeptgebers Marc Uebelherr.