Heizpilze könnten aus Sicht des Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur Tausende Gastronomen vor der Pleite retten. «Viele Menschen möchten sich in der derzeitigen Situation in der Gastronomie nicht in geschlossenen Räumen aufhalten», befürchtete Vereinsvorsitzender Franz Bergmüller am Mittwoch in Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim). Wenn es kälter werde, würden es viele Gäste ohne Heizpilze aber nicht lange draußen aushalten. Für die ohnehin angeschlagene Gastronomie in der Corona-Krise wäre das fatal.
Die Heizstrahler gelten als Klimasünder, die zu viel Energie verbrauchen und CO2-Emissionen verursachen. In Nürnberg sind Heizpilze deshalb verboten, andere Städte wie München haben ihre Nutzung zumindest eingeschränkt. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, wird nun bundesweit über eine Ausnahme während der Corona-Krise diskutiert.
DEHOGA hofft auf "großzügige Handhabungen im Einzelfall"
«Wir hoffen hier auf großzügige Handhabungen im Einzelfall durch die Kommunen», sagte Hartges vom Dehoga-Bundesverband. Ihr Kollege Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Berliner Landesverbands, hat bereits einen konkreten Vorstoß gewagt. In einem Brief an die Berliner Bezirksbürgermeister und den Stadtrat fordert er, dass Heizpilze, Infrarotstrahler und andere Wärmequellen in Schankvorgärten erlaubt werden.
«Wir wissen, dass diese Punkte in der Vergangenheit kritisch geworden sind», heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Berliner Gastgewerbe befinde sich jedoch in der «schwersten Krise aller Zeiten». Man hoffe daher auf eine unbürokratische Genehmigungspraxis. Der Dehoga-Landesverband Bayern unterstützt die Forderung ausdrücklich.
Lengfelder weiß, dass sein Vorstoß kontrovers ist. Man müsse kein Umweltaktivist sein um einzusehen, dass es nicht sinnvoll ist, die Außenflächen zu beheizen, wenn es regnet und schneit. Es sei aber zu befürchten, dass sich die Berliner nicht in die Restaurants hineinwagen würden. Bislang seien die Rückmeldungen der Berliner Bezirke unterschiedlich. «Die einen sagen, kommt gar nicht infrage», sagte Lengfelder. Andere wollten die Heizpilze auf Antrag erlauben.
Johann Lafer: "Auch Heizpilze werden die Gastronomie nicht retten"
Wärmespender sind für den Johann Lafer keine zufriedenstellende Lösung für die Corona-Herausforderungen, die in der kalten Jahreszeit auf die Gastronomie zukommen. Im Rahmen des „großen SWR3 Grillen mit Johann Lafer“ am 23. August 2020 zweifelte er an, ob die aktuell diskutierten Heizpilze eine Lösung für die Gastronomie im kommenden Herbst und Winter sein könnten. Aufgrund der Corona-Pandemie werden in der kalten Jahreszeit weitere große Einbußen in der Gastronomiebranche befürchtet. Lafer betrachtet die Wärmespender jedoch lediglich als vorübergehende Lösung.
Der Starkoch sieht unter anderem funktionelle Probleme: Mithilfe der Heizpilze erhoffen sich viele Menschen derzeit eine praktikable Lösung, um Außenplätze in der Gastronomie auch im Winter ausreichend nutzen zu können. Johann Lafer, der selbst große Einbußen durch die Krise hinnehmen musste, hält dies jedoch nicht für eine dauerhafte Lösung, wie er in SWR3 sagte: „"Ich bin davon überzeugt, dass auch Heizpilze die Gastronomie nicht retten werden“, so Lafer. Einerseits gehe durch die Abstandsregeln und Maßnahmen gegen das Virus die Atmosphäre beim Essen verloren, sodass die generelle Nachfrage in der Gastronomie weiter minimiert sei - andererseits sieht er auch Probleme in der Umsetzung: Der Heizpilz wärme zwar von oben - die Füße und das Essen würden aber trotzdem schnell kalt werden. Um die Zukunft der Gastronomie macht sich Lafer deshalb große Sorgen. (dpa)











