Waschbär mit Klößen: In Weimar kommt Wildes auf den Teller

| Gastronomie Gastronomie

Erst wird geschnippelt, dann geschmort - und am Ende probiert. Im Gasthaus Lindeneck in Weimar kommen Waschbärkeulen auf den Tisch. 15 Jägerinnen und Jäger aus Thüringen bereiteten bei einem Kochkurs im Gartenlokal Lindeneck in Weimar Keulen des Tieres mit Rotwein-Preiselbeersoße, Rotkohl und Klößen zu. «Es schmeckt super, das ist butterzart und hat eine ganz eigene Note», sagt einer der Jäger. Für viele sei der erste Bissen zunächst eine Überwindung, nach dem Probieren werde das Fleisch aber meist als sehr schmackhaft gelobt, sagt Julia Bloch, Vorstandsmitglied beim Ökologischen Jagdverein (ÖJV) Thüringen.

Der Verein veranstaltet die Kochkurse gemeinsam mit dem Gastronomen. Neben der Neugier auf den Geschmack gehe es dabei auch um den Abbau von Vorbehalten und die nachhaltige Verwertung. Zu einer ökologisch ausgerichteten Jagd gehöre auch, das erlegte Tier sinnvoll zu nutzen. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Waschbär gilt in Deutschland als invasive, also eigentlich nicht heimische Art. Da er hier kaum natürliche Feinde hat und äußerst anpassungsfähig ist, hat er sich stark ausgebreitet.
 

Auf die Idee, Waschbär anzubieten, kam Koch Steffen Haaßengier vor rund zwei Jahren. Beim Angeln sei ein Waschbär in seiner Nähe aufgetaucht. Als Koch habe er sich gefragt, wie das Fleisch schmecke, und einen befreundeten Jäger gebeten, ihm einen erlegten Waschbären zum Ausprobieren zu überlassen. «Ich war begeistert», sagt Haaßengier, der privat Vegetarier ist.

Die Keule eigne sich zum Schmoren, andere Stücke wie Rücken, Nacken oder Schulter könnten auch kurz gebraten, gegrillt oder zu Gulasch verarbeitet werden. Für ihn gehören kräftige Gewürze wie Rosmarin, Thymian, Paprika, Knoblauch und Zwiebeln dazu. Als Beilagen empfiehlt er Klöße oder Salzkartoffeln.

Das Fleisch bezieht der Gastronom nach eigenen Angaben von einem befreundeten Jäger. Vor dem Verzehr müssten die Tiere auf Trichinen untersucht und freigegeben werden. Die rechtlichen und veterinärmedizinischen Abläufe seien in der Praxis jedoch nicht einfach, sagte Bloch. So dürften Jäger - anders als etwa bei Schwarzwild oder Dachs - die Proben derzeit nicht selbst entnehmen. Der gesamte Tierkörper müsse daher unter Einhaltung der Kühlkette zum Veterinäramt gebracht und anschließend wieder abgeholt werden. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.

Kneipe 80 eröffnet erstmals einen Standort außerhalb Bayerns. In Münster kooperiert die Münchner Marke mit dem Betreiber der Ausgehlocation Das Schaf. Am Tegernsee wird der saisonale Kiosk 80 zum Klub 80 in Rottach-Egern.

Nach dem dramatischen Einbruch der Besucherzahlen beim diesjährigen Cannstatter Wasen steht noch immer die Frage im Raum, wie es dazu kommen konnte. Beteiligte äußern offenbar unter vorgehaltener Hand die Vermutung, die Zahlen könnten in der Vergangenheit beschönigt worden sein.

32 Künstler und ein Vier-Gänge-Menü aus mehreren Restaurantküchen gehören zur neuen Europa-Park Dinner-Show „The Grand Club“. Die Veranstaltung ist für ausgewählte Abende vom 21. November 2026 bis zum 21. Februar 2027 angekündigt.

Seit vergangener Woche wurde nach einem Medienbericht spekuliert, dass Starbucks eine auf mexikanische Küche spezialisierte Restaurant-Kette kaufen könnte. Doch dazu kommt es nicht.

Rund 2,5 Millionen Gäste statt 4,2 Millionen im Vorjahr: Der Cannstatter Wasen endet mit deutlich geringeren Besucherzahlen. Wie die dpa berichtet, gehe auch der Bierkonsum weiter zurück. Veranstalter und Festwirte zeigen sich dennoch zufrieden.

Schwabinger Tor Bräu hat ein Wirtshaus im Andaz-Hotel in München eröffnet. Die angeschlossene Brauerei produziert seit 2025 und beziffert ihre mögliche Jahresproduktion auf bis zu 100.000 Liter Bier.

Weißer Trüffel gilt als wertvoll – nun macht ihm auch der Klimawandel zu schaffen. Die Delikatesse könnte nach Hitze und Dürre in diesem Sommer noch teurer werden. Experten hoffen auf den Spätherbst.