Weg von 30 % Provision: So bauen Restaurants 2026 ihren eigenen Online-Bestellkanal auf

| Gastronomie Gastronomie

Warum sind Plattform-Bestellungen für Restaurants so teuer?

Bei Plattform-Bestellungen fallen je nach Liefermodell 13 bis 30 Prozent Provision an. Außerdem verwaltet die Plattform den direkten Zugang zu den Kundendaten. Bei Lieferando fielen nach Angaben der damaligen Deutschland-Chefin Katharina Hauke 13 Prozent Provision an, wenn das Restaurant selbst lieferte, und 30 Prozent, wenn ein Lieferando-Fahrer auslieferte. Rund 90 Prozent der Gastronomen lieferten demnach damals selbst. Für Wolt nennt der Bericht 25 bis 30 Prozent bei Auslieferung. [1] Auch eine Branchenauswertung vom April 2026 nennt weiterhin 13 Prozent bei Eigenlieferung und 25 bis 30 Prozent mit Lieferando-Fahrern. [2] DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte dazu, bei so hohen Provisionen könnten sich nur sehr wenige Restaurants eine solche Zusammenarbeit leisten. [1]

Dazu kommt ein zweites Problem: Die Kundenbeziehung läuft über die Plattform. Name, E-Mail und Bestellhistorie liegen dort; das Restaurant kann diese Daten nicht ohne Weiteres für die eigene Kundenbindung nutzen. Wer seine Stammgäste nicht direkt erreicht, kann sie schwer gezielt zurückholen.

Ein eigener Bestellkanal lässt sich heute auch ohne eigenes IT-Projekt einrichten. Mit dem richtigen Aufbau lassen sich Bestellungen Schritt für Schritt auf den eigenen Shop umlenken.

Was kosten Plattform-Provisionen ein Restaurant pro Jahr?

Bei 8.000 € monatlichem Plattform-Umsatz kosten Provisionen ein Restaurant je nach Liefermodell rund 12.000 bis 29.000 € pro Jahr. Bei 30 % Provision sind das rund 2.400 € im Monat, also knapp 29.000 € im Jahr. Bei 13 % sind es immer noch gut 12.000 € jährlich.

Wenn die Hälfte dieser Bestellungen über einen eigenen Kanal läuft, entfallen rechnerisch rund 6.000 bis 14.000 € Plattform-Provision pro Jahr. Davon sind die Kosten für das eigene Bestellsystem und gegebenenfalls Zahlung und Lieferung abzuziehen.

Hinweis: Die Prozentsätze beruhen auf einem älteren Bericht mit Angaben von Lieferando [1] und einer Branchenauswertung von Consult-Gastro aus 2026 [2]; die genauen Konditionen hängen vom Vertrag und davon ab, wer die Lieferung übernimmt.

Eigener Bestellshop oder Lieferplattform: Was ist der Unterschied?

Bei einem Bestellshop mit festem Monatspreis zahlt das Restaurant für die Software und verwaltet die Kundendaten selbst. Bei Lieferplattformen zahlt es Provision und erhält dafür Reichweite. Ein eigener Bestellshop lohnt sich deshalb vor allem für Stammgäste, eine Lieferplattform vor allem für die Gewinnung neuer Gäste. Viele Restaurants nutzen beides.

Was muss ein Online-Bestellsystem für Restaurants können?

Ein Online-Bestellsystem für Restaurants muss auf dem Smartphone funktionieren, gängige Zahlarten sowie Abholung und Lieferung bieten und ohne Provision pro Bestellung auskommen.

Mit einem eigenen Online-Bestellsystem für Restaurants landen Bestellungen und Kundendaten direkt beim Betrieb. Ohne Plattform-Provision bleibt mehr vom Bestellumsatz. Damit Gäste den Kanal auch nutzen, sollte er ein paar Grundanforderungen erfüllen:

  • Mobil zuerst: Speisekarte, Warenkorb und Bezahlung müssen auf dem Smartphone in wenigen Klicks funktionieren.
  • Gängige Zahlarten: PayPal, Kreditkarte, Apple Pay und Barzahlung geben Gästen die Wahl, wie sie bezahlen möchten.
  • Abholung und Lieferung: Beide Optionen mit eigenen Zeiten, Liefergebieten und Mindestbestellwerten.
  • Keine Provision pro Bestellung: Ein fester Monatspreis macht die Softwarekosten planbar, auch wenn die Zahl der Bestellungen steigt.
  • Eigene Kundendaten: Das Restaurant sollte Kundendaten exportieren und Gäste mit der nötigen Einwilligung direkt ansprechen können.
  • Einfache Pflege: Preise, Artikel und Öffnungszeiten muss das Team selbst ändern können, ohne Agentur.

Welche Technik braucht ein Online-Bestellsystem im Restaurant?

Für den Betrieb sind eine passende Kassenanbindung, ein Bondrucker oder ein Tablet für die Küche hilfreich. Alle Umsätze müssen steuerlich sauber erfasst werden.

  • Kassenschnittstelle: Online-Bestellungen sollten automatisch im Kassensystem landen, statt von Hand abgetippt zu werden. Das spart Zeit, vermeidet Fehler und hält alle Umsätze an einer Stelle zusammen.
  • Bondrucker oder Tablet: Neue Bestellungen sollten sofort als Bon in der Küche gedruckt oder auf einem Tablet mit Signalton angezeigt werden.
  • TSE und Kassengesetz: In Deutschland müssen elektronische Kassensysteme seit dem 1. Januar 2020 durch eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) gegen Manipulation geschützt sein (§ 146a AO, Kassensicherungsverordnung). Zusätzlich gilt die Belegausgabepflicht, wobei der Beleg elektronisch oder auf Papier ausgegeben werden kann. [3]
  • GoBD-konforme Daten: Bestell- und Zahlungsdaten sollten vollständig exportierbar sein, damit sie ordnungsgemäß archiviert und bei einer Prüfung vorgelegt werden können.

Welche Kassen und Drucker ein Anbieter unterstützt, unterscheidet sich stark und gehört in jeden Anbietervergleich. Wie online bezahlte Bestellungen steuerlich zu erfassen sind, sollten Restaurants mit ihrem Steuerberater klären.

Wie baut ein Restaurant einen eigenen Bestellkanal auf?

Ein Restaurant baut einen eigenen Bestellkanal auf, indem es einen Online-Shop einrichtet, ihn überall verlinkt und Gästen einen Grund gibt, dort direkt zu bestellen.

  1. Shop einrichten: Speisekarte mit Fotos einpflegen, Liefergebiete und Zeiten festlegen, Zahlarten aktivieren.
  2. Überall verlinken: Website, Google-Unternehmensprofil, Instagram und Facebook bekommen einen gut sichtbaren „Jetzt bestellen“-Button zum eigenen Shop.
  3. Plattform-Gäste umlenken: Jeder Lieferung einen Flyer mit QR-Code beilegen, zum Beispiel mit 10 % Rabatt auf die erste Direktbestellung.
  4. Im Lokal werben: Tischaufsteller und Kassenbon mit QR-Code machen Gäste vor Ort auf den Bestellshop aufmerksam.
  5. Ergebnisse messen: Monatlich vergleichen, wie viele Bestellungen direkt und wie viele über Plattformen kommen, und die Maßnahmen danach anpassen.

Viele Gäste bestellen aus Gewohnheit. Ein klarer Vorteil beim Direktkauf, etwa ein günstigerer Preis oder Treuepunkte, kann den Wechsel erleichtern.

Wie steigert ein eigener Bestellshop den Umsatz pro Bestellung?

Passende Vorschläge im Warenkorb können den Umsatz pro Bestellung erhöhen. Ein Treueprogramm gibt Gästen einen Grund, häufiger wieder direkt zu bestellen.

Treueprogramm: Wer für jede Bestellung Punkte sammelt, bestellt beim nächsten Mal eher wieder direkt. Ein einfaches Modell reicht, zum Beispiel ein Gratis-Getränk oder Dessert nach fünf Bestellungen. Auf Plattformen lässt sich die Kundenbindung nur eingeschränkt selbst steuern.

Cross-Selling im Warenkorb: Passende Vorschläge wie „Dazu eine Portion Pommes?“ oder „Getränk zur Pizza?“ können den durchschnittlichen Bon erhöhen, ohne dass das Team aktiv verkaufen muss. Entscheidend ist, dass die Vorschläge wirklich zur Bestellung passen und nicht aufdringlich wirken.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt zum Beispiel GastroSprint, ein provisionsfreies Online-Bestellsystem für Restaurants, Pizzerien, Imbisse und Lieferdienste. Neukunden von Marktplätzen werden gezielt auf den eigenen Kanal gelenkt. In der eigenen Smartphone-App des Restaurants sind dort Treuepunkte, passende Vorschläge zu ergänzenden Artikeln im Warenkorb und Push-Nachrichten eingebaut, um die Wiederbestellrate gezielt zu steigern. GastroSprint kostet (Stand 2026) ab 64 € netto im Monat und berechnet keine Provision auf Direktbestellungen. So bringt jede Direktbestellung die volle Marge und den Kunden gleichzeitig einen Grund, beim nächsten Mal wieder direkt zu bestellen.

 

Häufige Fragen zum Online-Bestellsystem für Restaurants

Was kostet ein Online-Bestellsystem für Restaurants?

Ein Online-Bestellsystem für Restaurants kostet meist einen festen Monatspreis statt Provision, bei Einstiegspaketen (Stand 2026) oft unter 100 € im Monat. Pakete mit eigener App oder Website liegen entsprechend darüber. Wichtig ist, auf Einrichtungsgebühren und Vertragslaufzeit zu achten.

Lohnt sich ein eigener Bestellshop neben Lieferando?

Ein eigener Bestellshop kann sich neben Lieferando lohnen: Stammgäste bestellen dort ohne Plattform-Provision, während die Plattform weiter neue Gäste bringt. Ob sich das eigene System rechnet, hängt vom Bestellvolumen, den Kosten und dem Liefermodell ab.

Welche Anbieter für eigene Bestellshops gibt es?

Es gibt drei Arten von Anbietern: spezialisierte Bestellsysteme, Kassensysteme mit Bestellfunktion und Lieferplattformen, die sich bei Kosten und Kundenbindung deutlich unterscheiden. Spezialisierte Bestellsysteme wie GastroSprint konzentrieren sich auf den eigenen Bestellshop mit App und Treuefunktionen. Kassensystem-Anbieter wie orderbird, Lightspeed oder gastronovi bieten Bestell- oder Self-Ordering-Funktionen teils als Erweiterung ihrer Kasse an. Lieferplattformen wie Lieferando oder Wolt bringen dagegen Reichweite, aber keinen eigenen Kanal.

Wie lange dauert die Einrichtung?

Ein einfacher Bestellshop ist meist innerhalb weniger Tage startklar, sobald Speisekarte, Preise und Liefergebiete vorliegen. Mit eigener App oder neuer Website dauert es entsprechend länger.

Brauche ich eigene Fahrer?

Nein, eigene Fahrer sind nicht zwingend nötig: Viele Restaurants starten mit Abholung und liefern erst später oder nur im nahen Umkreis mit eigenem Personal.

Fazit

Plattformen bleiben für viele Restaurants ein sinnvoller Kanal, um neue Gäste zu gewinnen. Für Stammgäste lohnt sich ein direkter Weg zum Restaurant: Im eigenen Shop entfällt die Plattform-Provision, das Restaurant verwaltet die Kundendaten selbst, und Treueprogramm und Cross-Selling können Wiederbestellungen und den Umsatz pro Bestellung fördern. Wer Gäste Schritt für Schritt in den eigenen Shop einlädt, wird weniger abhängig von Plattformen.

Quellen

[1] Abendzeitung München: „30 Prozent Provision: So zocken Lieferdienste ab“, 19. Februar 2021, aktualisiert 28. Juni 2023. Mit Angaben von Lieferando-Deutschland-Chefin Katharina Hauke und DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

[2] consult-gastro.de: „Lieferando für Restaurants Erfahrungen 2026 – Lohnt sich das?“, 12. April 2026.

[3] Bayerisches Landesamt für Steuern: „Elektronische Aufzeichnungssysteme (z. B. Kassensysteme)“, abgerufen im September 2026.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Eat Happy Group führt mit Mrs. Yumami eine neue Marke für koreanische Lebensmittel ein. Zum Start kommt Korean Style Fried Chicken in den Sorten Sweet & Spicy und Soy & Garlic in deutsche Supermärkte.

Lufthansa nimmt ab September fünf warme Speisen in das Onboard-Delights-Angebot auf. In der Economy Class können Passagiere unter anderem Currywurst von Dönninghaus und einen Cheeseburger von Hans im Glück vorbestellen.

​​​​​​​Der Kochberuf scheint bei jungen Menschen wieder stärker gefragt zu sein. In Dresden beginnen in diesem Sommer 186 Nachwuchskräfte eine Ausbildung zum Koch oder zur Köchin. Der Beruf gewinnt nach Einschätzung des Tourismusverbandes wieder an Attraktivität.

Feinkost Käfer baut seine Aktivitäten in Japan aus. In Fukuoka hat die erste Käfer Alps Kitchen eröffnet. Das Engagement des Münchner Unternehmens in Japan reicht bis 1992 zurück – und bereits 2016 gab es Pläne für eine eigene Coffee-Shop-Kette.

Bei den Uber Eats Awards 2026 wurden durch ein öffentliches Online-Voting 16 Betriebe als Bundesland-Gewinner für das Halbfinale ermittelt. Eine Jury um Sternekoch Tim Raue kürt im Finale in Berlin den Sieger des mit 40.000 Euro dotierten Titels.

Das Gastronomiekonzept The Dawn eröffnet einen neuen Standort mit 250 Sitzplätzen auf dem Dach des Kalle Neukölln in Berlin. Neben ganztägigem Frühstück setzt der Betrieb auch auf kulturelle Veranstaltungen.

Das Berlin Food Network ist mit rund 100 Gästen in der Hauptstadt gestartet. Der neue Verein will Akteure der gesamten Food-Branche vernetzen, ihre Sichtbarkeit erhöhen und sie auch bei politischen Terminen vertreten. Eine GRW-Förderung für den weiteren Aufbau ist bereits bewilligt.

Das britische Gastronomieunternehmen Loungers expandiert erstmals nach Deutschland und eröffnet im Oktober einen Standort in Essen-Rüttenscheid. Unter dem Markennamen Southville wird das Konzept für den deutschen Markt angepasst.

Frank Buchholz übergibt sein Mainzer Bootshaus zum 1. September an das Gastronomieunternehmen Cuisyn. Küchenchef Lucas Kriesel und Betriebsleiter Slim Ennakhla bleiben im Restaurant und übernehmen Verantwortung für den Betrieb.

Hackbällchen in Tomatensoße im Sternerestaurant: Das Berliner Nobelhart & Schmutzig serviert Polpette nach einem Familienrezept. Das Gericht ist Teil der Reihe „Wir kochen Heimat“.