Wiesn-Reservierung: Gericht verbietet teuren Weiterverkauf

| Gastronomie Gastronomie

Einmal mehr hat sich ein Gericht mit den Graumarkttickets auf dem Oktoberfest befasst - und einmal mehr bekam eine Wirtsfamilie recht. Der Wiesnchef und Münchner Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) begrüßte das entsprechende Urteil des Landgerichts München I. Dieses hatte einer Eventagentur verboten, Tischreservierungen für das Festzelt Ochsenbraterei zu einem hohen Preis weiterzuverkaufen. 

«Derartige Geschäftspraktiken schaden dem Ruf und dem Image des Oktoberfestes», erklärte Scharpf. «Deswegen gehen wir gemeinsam mit den Wiesnwirten gegen diese Praktiken vor.» 

In dem Fall vor dem Landgericht München I hatte nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» ein Testkäufer der Wirtsfamilie Haberl im Jahr 2024 für sechs Plätze an einem Zehnertisch 1729 Euro bezahlt, inklusive Verzehrgutscheinen. Aufgrund der Reservierungsbedingungen wäre er unter Umständen sogar Gefahr gelaufen, des Zeltes verwiesen zu werden. Nach den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Ochsenbraterei dürften Reservierungen nicht zu überhöhten Preisen oder mit Gewinnerzielungsabsicht weiterverkauft werden, wie ein Gerichtssprecher erläuterte. 

«Kein Platz für Wucher-Preise»

«Auf der Wiesn ist kein Platz für Wucher-Preise», sagte Scharpf. Er unterstütze die Wirte darin, alle abzumahnen, die Wiesntische zu Preisen von zum Teil mehreren Tausend Euro weiterveräußerten - wie es die Ochsenbraterei vorbildlich getan habe. 

Seit Jahren wehren sich die Oktoberfest-Wirte gegen den Zweitverkauf von Platzreservierungen. Online-Portale bieten diese oft für ein Vielfaches der Preise an, die bei direkter Reservierung beim Wirt für Verzehrgutscheine fällig sind. 

Trotz des Urteils weiter Plätze für vier bis fünfstellige Beträge 

Trotzdem werden für die diesjährige Wiesn wieder Tische auf Online-Portalen zu einem Vielfaches des Preises angeboten der beim Wirt für Verzehrgutscheine fällig würden. Teils werden Preise von an die 10.000 Euro für zwei oder mehr Zehnertische aufgerufen. 

Bei den Wirten hingegen müssen für eine Reservierung Verzehrgutscheine gekauft werden. Diese schlagen zwar für einen Zehnertisch je nach ausgewählten Speisen auch mit ein paar Hundert Euro zu Buche, können aber dann zum Bezahlen von Speisen und Getränken im Zelt verwendet werden. 

Frühere Erfolge vor Gericht 

Schon früher hatte die Wirtsfamilie Haberl von der Ochsenbraterei vor dem Landgericht München I und weiter durch die Instanzen Erfolg mit einer Klage gegen den Online-Handel mit Reservierungen gehabt. Auf dem Portal waren seinerzeit laut Gericht Reservierungen für die dann abgesagte Wiesn 2020 im Festzelt Ochsenbraterei zu Preisen zwischen 1.990 und 3.299 Euro angeboten worden. Bei der Wirtin direkt wären damals für einen Tisch mit zehn Personen etwa 400 Euro für den Mindestverzehr fällig geworden, um zu reservieren. Es handelt sich aber um Gutscheine, mit denen dann im Zelt bezahlt wird.

Tausch-Portal mit fairen Original-Preisen

Seit einiger Zeit gibt es eigens ein offizielles Online-Portal der Stadt, auf dem nicht genutzte Reservierungen zum Originalpreis getauscht oder verkauft werden können. Das sei gedacht für alle, die ihre Reservierung nicht wahrnehmen können.

Das Oktoberfest findet vom 19. September bis zum 4. Oktober auf der Münchner Theresienwiese statt. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bars und Clubs für schwule Männer gibt es zuhauf - und mit dem «Gay Sunday» auch ein eigenes Wiesn-Event. Nun wollen sich auch lesbische Frauen ihren Platz auf dem Oktoberfest erobern.

Das Cannstatter Volksfest lockt mit Achterbahnen und Karussellen – doch wie viel müssen Besucher für den Bierkrug wirklich zahlen? Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Zelten.

Ausnahmezustand in München: Bei weiß-blauem Himmel hat das Oktoberfest begonnen. Der neue Oberbürgermeister wuppt seine Anzapfpremiere mit Bravour. Für einige Gäste gab es einen Schreckmoment.

Beim traditionellen Mittagsempfang des Bundesverbands der Systemgastronomie trafen sich in München rund zweihundert Gäste. Im Mittelpunkt standen die Verleihung des Branchenpreises sowie die Forderung nach politischen Reformen. Zusätzlich zeichnete der Verband Ingrid Hartges mit dem Ehrenpreis aus.

Das 191. Münchner Oktoberfest ist eröffnet. Neu-Oberbürgermeister Dominik Krause zapfte bei seiner Anstich-Premiere mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an und startete mit dem «O'zapft is» das weltberühmte Volksfest.

Das deutsche Gastgewerbe setzte im Juli 2026 real 4,0 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. In der Gastronomie sank der reale Umsatz um 4,7 Prozent, bei den Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen um 2,0 Prozent.

Das Café an der Spanischen Treppe gehört zu den ältesten Kaffeehäusern in Italien. Schon Goethe war hier zu Gast. Jetzt steht es seit bald einem Jahr leer. Und kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Der Europa-Park hat das Mitarbeiterrestaurant „Coasteria“ mit integrierter Zentralküche eröffnet. In den 4.500 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Anteil der Befragten, nach deren Ansicht bargeldloses Bezahlen in gastronomischen Betrieben möglich sein sollte, ist gestiegen. YouGov weist gegenüber März 2025 bei allen abgefragten Orten höhere Werte aus.

Bei den ersten Chef:in Awards in Hamburg sind neun Frauen in sieben Kategorien ausgezeichnet worden. Sarah Hallmann und Julia A. Leitner teilen sich den Titel Köchin des Jahres 2026.