Wirt beantragt EU-weite Ausschreibung für zwei Wiesn-Zelte

| Gastronomie Gastronomie

Ein Münchner Wirt greift die Vergabe der großen Oktoberfest-Zelte an – und stellt damit erstmals die bisherige Praxis grundsätzlich infrage. Der Gastronom will erreichen, dass sich die Stadt München bei der Zuteilung zweier zentraler Festzelte künftig nach europäischem Vergaberecht richten muss. Das würde eine EU-weite Ausschreibung der Standplätze für die beiden Zelte – das traditionelle Anzapfzelt Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt – bedeuten, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte.

Die Frage, ob die Zeltvergabe unter das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) fällt, muss nun die Vergabekammer Südbayern klären. Dort ging vergangene Woche der Antrag auf vergaberechtliche Nachprüfung der WE Gutshof GmbH ein, deren Geschäftsführer der Wirt Alexander Egger ist. Er selbst war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Keine unmittelbare Rechtswirkung für andere Zelte und Feste

Eine Entscheidung soll laut Regierung von Oberbayern gemäß den gesetzlichen Vorgaben binnen fünf Wochen ergehen. Wie es auch immer ausgeht: «Für andere Standplätze auf dem Oktoberfest oder für andere Volksfeste hat eine Entscheidung der Vergabekammer keine unmittelbaren Rechtswirkungen», erläuterte die Regierung von Oberbayern. Die Stadt München vergibt die Zelte bisher nach einem Punktesystem, das gelegentlich kritisiert und von der Stadt immer wieder angepasst wurde.

Die Sprecher der großen Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, warnten im Fall einer EU-weiten Ausschreibung vor einem Verlust von Tradition. Das Oktoberfest sei in seiner mehr als 200-jährigen Geschichte zu einem einzigartigen und schützenswerten Kulturgut geworden. Das dürfe nicht persönlichen Interessen geopfert werden.

«Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten werden», sagte Schottenhamel, dessen Zelt von dem Antrag direkt betroffen ist. In dem ältesten Wiesnzelt, seit 1867 in Händen der Familie Schottenhamel, wird das Volksfest traditionell vom Oberbürgermeister mit dem Anzapfritual eröffnet.

Egger und seine Frau betreiben seit Jahren ein kleines Zelt auf der Wiesn. Das Ehepaar hatte sich im Januar für das Paulaner-Zelt oder die Bräurosl beworben, beides große Zelte. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Michelin Guide hat elf verbreitete Irrtümer rund um Sterne, Inspektoren und Bewertungsverfahren aufgegriffen. Die Organisation erläutert dabei ihre Kriterien für die Auszeichnung von Restaurants und die Arbeitsweise ihrer Prüfer.

Das Berliner Zwei-Sterne-Restaurant Facil startet zum 25-jährigen Jubiläum eine sechsteilige Podcastreihe mit Reiner Veit. Das Audioformat beleuchtet ab dem 24. Juni 2026 die Geschichte und die personelle Kontinuität des Gastronomiebetriebs.

Bei den Frankfurter Gastro Talent Awards 2026 wurden Liv Geller als Kochtalent und Mihail Zaiat als Bartalent ausgezeichnet. Die Veranstaltung kehrte nach einer dreijährigen Pause als Teil des Rahmenprogramms der Michelin-Gala zurück.

Am Dienstag gibt der Guide Michelin in Frankfurt am Main die neuen Sterne für Deutschland bekannt. Bereits eine Woche zuvor hatte der Restaurantführer zehn neue Bib-Gourmand-Auszeichnungen veröffentlicht.

Starbucks Korea hat nach einem Werbe-Skandal sämtliche der über 2.000 Filialen in Südkorea vorzeitig geschlossen. Die Cafés wurden am Nachmittag dichtgemacht, damit Mitarbeiter an einer verpflichtenden Geschichtsschulung teilnehmen können.

Der Dresdner Historiker Andreas Rutz sieht Restaurants, Kneipen und gemeinsames Essen als wichtige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich beobachtet er einen Wandel der Esskultur durch Fast Food, To-go-Angebote und veränderte Lebensgewohnheiten.

Der Wirt Alexander Egger bleibt bei einer Klage gegen die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest erneut erfolglos. Das Verwaltungsgericht wies seinen Eilantrag ab. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen.

Lidl hat in Dundonald bei Belfast seinen ersten Pub eröffnet. Hintergrund sind besondere Regelungen des nordirischen Alkoholrechts, die dem Discounter den Verkauf alkoholischer Getränke in einer Gaststätte ermöglichen.

Die Zelte für das Münchner Oktoberfest können trotz eines Gerichtsstreits aufgebaut werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht lehnte den Eilantrag eines Wirtes ab, wonach die Betreiber zweier Festzelte zunächst nicht zur Wiesn zugelassen werden sollten.

Partner für Berlin hat zum 30-jährigen Jubiläum der Berliner Meisterköche die Nominierungen für das Jahr 2026 verkündet. Eine Jury wählte aus rund 150 Vorschlägen die Finalisten in sechs Kategorien aus, deren Gewinner im November gekürt werden.