Zwischen Zapfhahn und Zopf: Warum Väter zum Frisieren in die Kneipe gehen

| Gastronomie Gastronomie

In schummrigem Kneipenlicht stehen Frisierköpfe auf den Tischen, dazwischen liegen bunte Haargummis. Dann betritt auch schon der erste Gast das Lokal: Er ist männlich, im mittleren Alter, hat selbst wenige Haare auf dem Kopf. Er ist einer von 20 Männern, die sich an diesem Tag im Gasthaus Fux in München für einen Workshop treffen. Hair- und Make-up-Artistin Anita Erdmann bringt den Teilnehmern bei, lange Haare zu frisieren – vom Pferdeschanz bis zu aufwendigen Bubble Braids. 

Das Angebot heißt «Dads do hair». Es richtet sich an Väter, die lernen wollen, ihre Töchter zu frisieren. Denn diese Aufgabe soll nicht allein an den Mamas hängen bleiben: «Ich bin der Papa und ich muss das auch können. Ganz einfach», meint Michael Bartmann, Vater einer vierjährigen Tochter mit langen blonden Haaren. Er wurde über Instagram auf den Kurs aufmerksam. «Ich fand die Idee großartig und ich habe auch richtig Bock drauf.»

Bei anderen Vätern kam der Anstoß dagegen von der Familie. «Meine Frau hat mich geschickt, weil ich zwei kleine Töchter habe», erzählt Johannes Pauli. Die Kinder müsse er derzeit für Frisuren immer noch zur Mutter schicken. Er hofft, dass er das Frisieren nach dem Abend mit Anita Erdmann selbst in die Hand nehmen kann.

Von Pferdeschwanz bis Space Buns

Und die Chancen stehen gar nicht schlecht. Anita Erdmann startet den Kurs zunächst mit dem Bürsten. Die gelernte Friseurin erklärt einige Kniffe, damit das Haarekämmen nicht zum Drama wird. Ihr Tipp: Immer von unten anfangen und den Haarstrang mit der Hand festhalten. Und dann geht es auch schon los mit der ersten Frisur: ein Pferdeschwanz. 

Die Papas dürfen ihr Geschick an den bereitgestellten Frisierpuppen testen. Erdmann geht währenddessen durch die Reihen und unterstützt. Von Frisur zu Frisur wird es dann komplizierter. Space Buns, also zwei Dutts hoch am Kopf, oder spezielle Bubble Braids bringen die Teilnehmer ganz schön ins Schwitzen. Dazu trägt vielleicht auch die Kneipenluft bei, die mittlerweile auch etwas nach Bier riecht. «Ein Bier fällt immer um», warnte Erdmann schon zu Beginn des Kurses. Und kaum eine Viertelstunde später schwappt die goldene Flüssigkeit über die Tische. Doch niemand lässt sich davon aus der Ruhe bringen.

Die Kneipe als Wohlfühlfaktor

Doch warum findet dieser Kurs ausgerechnet in einer Kneipe statt? «Weil es mir total wichtig ist, dass die Atmosphäre passt», erklärt Erdmann. Die Väter verließen ohnehin schon ihre Komfortzone. Erdmann findet: «Die Papas sollen sich wohlfühlen.» Diese Stammtischatmosphäre mache alles viel lockerer und entspannter. 

Auch den Teilnehmern scheint das zu gefallen: «Es ist gut zu wissen, dass es auch andere Männer gibt, die mit einem leiden. Aber man motiviert sich und spricht sich Mut zu», resümiert Johannes Pauli. Gegenseitige Unterstützung zeigt sich auch in der praktischen Arbeit. Sitzt der Zopf nicht ganz richtig, weiß der Nachbar zu helfen. Erdmann gefällt der Teamspirit: «Dann denke ich mir, das ist ja total cool. Genauso soll es sein eigentlich.»

Idee aus London

Die Idee hat Anita Erdmann aus London, dort starteten die beiden Hosts des Podcasts «Secret Life of Dads» vor Monaten das Event «Pints & Ponytails», auf Deutsch bedeutet das etwa «Bier und Pferdeschwänze». Traditionell britisch treffen sich dabei Väter im Pub zum Bier trinken und lernen, wie man gekonnt Haare kämmt und flechtet. Kurz nach der ersten Veranstaltung ging das Angebot dem Instagram-Account zum Podcast zufolge durch die Decke. Inzwischen gibt es auch Events wie «Periods & Ponytails», bei dem die Männer alles Wichtige über die Menstruation lernen können. 

Erdmann selbst entdeckte das Projekt auf Instagram und dachte sich: «Mein Gott, das ist so eine schöne Idee.» Der Gedanke habe sie seitdem nicht mehr losgelassen. «Jeder profitiert davon eigentlich. Die Mamas werden entlastet, die Papas haben einen coolen Abend mit Freunden und lernen Frisuren machen. Und die Kids natürlich, profitieren am meisten, weil die dann diese Zeit mit dem Papa haben und der ihnen eine coole Frisur machen kann», sagt sie. 

Die Friseurin findet, das braucht es auch in Deutschland. Und das Konzept hat Erfolg: Alle Termine in München sind bereits ausgebucht. Aber auch in Frankfurt und Heidelberg bietet Erdmann Kurse an und sucht nach weiteren Terminen, weil die Nachfrage so hoch ist. «Es kommt unglaublich gut an. Die Papas sind begeistert, die Mamas sind begeistert.» 

Papas wollen mehr

Oft bekomme sie am nächsten Tag Fotos von stolzen Vätern und stolzen Töchtern mit schicken Frisuren zugeschickt. Und die Papas wollen mehr: «Ganz viele Fragen nach fortgeschrittenen Kursen.» Sie habe bereits über Themenkurse nachgedacht, so Erdmann. «Es hat auf jeden Fall Ausbaupotenzial.»

Und wie lief der heutige Kurs? Teilnehmer Johannes Pauli ist glücklich. «Es war sehr erhellend, sehr spaßig», sagt er. Und auch Anita Erdmann ist stolz auf ihre Kursteilnehmer: «Das heute lief wirklich 1A. Also ich war total begeistert.»


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die US-amerikanische Bäckereimarke Cinnabon baut ein Franchisesystem in Deutschland auf. Der erste Standort der CB Germany GmbH soll im Oktober 2026 im Limbecker Platz in Essen eröffnen. Weitere Standorte sind bereits vorgesehen.

Die Wiesn naht - und auch die Rettungskräfte sind vorbereitet. Die Sanitätsstation auf dem Festgelände wappnet sich für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb. Dabei gibt es in diesem Jahr einige Neuerungen.

Tim Striegel ist der "Aufsteiger des Jahres 2026" von Der Feinschmecker. Der 25-jährige Koch aus dem Restaurant "Das Philippin" in Rutesheim bei Stuttgart setzte sich bei der Leserwahl gegen sechs weitere junge Talente durch.

Deutschland belegt bei den Rahmenbedingungen für Restaurantgründungen im Vergleich von 20 EU-Märkten Rang sieben. Der Restaurant Launch Report des Metro Marktplatzes weist für Deutschland 99,9 Punkte bei Wettbewerb und Immobilien und 36,9 Punkte bei Gründung und Personal aus.

Im Leipziger Hauptbahnhof eröffnet am 16. September Robyn’s mit einer automatisierten Küche. Nach der Bestellung am Terminal übernimmt ein Robotiksystem zentrale Schritte der Zubereitung und kocht die Gerichte vor Ort.

Big Squadra eröffnet ihren dritten Standort in Berlin im historischen Kranzler Eck am Kurfürstendamm. Im November startet das neue Lokal unter dem Namen Circolo Popolare in der bekannten Rotunde des Gebäudes aus den 1950er-Jahren.

Vom 19. September bis 4. Oktober 2026 findet in München das Oktoberfest statt. Auswertungen von Amadeus Travel Intelligence dokumentieren dabei signifikante Verschiebungen bei den internationalen Herkunftsmärkten und dem Buchungsverhalten der Flugreisenden.

Die Handelsgastronomie hat ihren Umsatz 2025 um 7,1 Prozent auf 13,29 Milliarden Euro gesteigert. Damit lag das nominale Wachstum deutlich über dem Plus von 1,8 Prozent in der Gastronomie insgesamt, deren Umsatz preisbereinigt um 2,2 Prozent zurückging.

Der Deutsche Gastro-Gründerpreis 2027 hat seine offizielle Bewerbungsphase gestartet. Ab sofort können Gründer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre gastronomischen Konzepten für den Wettbewerb einreichen.

Das Berliner Restaurant Zum Heiligen Teufel hat bei den True Italian Awards 2026 drei Auszeichnungen gewonnen. Gleichzeitig wurden traditionsreiche Gastronomen und weitere kulinarische Konzepte der Hauptstadt geehrt.