Berlins Hotelbranche steckt tief in der Krise

| Hotellerie Hotellerie

Ein halbes Jahr nach dem ersten Coronafall in Berlin steckt die Hotelbranche der Hauptstadt tief in der Krise. Zwar dürfen in den Hotels und Pensionen seit dem 25. Mai wieder Touristen und nicht nur Geschäftsreisende übernachten, aber die Zahlen liegen immer noch weit unter dem Niveau des Vorjahres. «Es ist absolut dramatisch», beschreibt Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Berlin, die Situation.

Am 2. März war in Berlin der erste Fall einer Infektion mit dem Covid-19-Virus nachgewiesen worden. Die Folge der zunehmenden Infektionszahlen waren ab Mitte März weitreichende Einschränkungen auch für Gastronomie und Hotellerie. In den drei Monaten seit dem 25. Mai habe das Umsatzminus der Berliner Hotellerie im Vergleich zum Vorjahr immer noch 68,9 Prozent betragen. «Das ist existenzbedrohend», sagte Lengfelder der dpa.

April schlechtester Monat

Der schlechteste Monat sei ganz klar der April gewesen. Im April waren nur 8,3 Prozent der Zimmer belegt - der Umsatz pro verfügbares Zimmer, eine der wichtigsten Kennzahlen für die Branche, lag bei 6,80 Euro, mehr als 90 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zu der Zeit waren praktisch keine Touristen in der Stadt. In den drei Monaten seit dem 25. Mai lag der Wert den Dehoga-Daten zufolge bei 24,70 Euro - im Vorjahr bei 78,80 Euro - das Minus betrug immer noch 68,9 Prozent.

«Zu befürchten ist, dass die Belegung im September wieder sinkt, weil die Urlaubszeit vorbei ist und das Messe-, Kongress- und Firmengeschäft fast komplett fehlt», sagte der Dehoga-Geschäftsführer. Große Messen im September wie die Ifa oder die Innotrans finden nur noch für wenige Fachbesucher statt oder wurden verschoben. «Die Umsätze und Belegungszahlen werden dramatisch unter dem Vorjahr liegen. Für den Herbst habe ich ein ganz schlechtes Gefühl.»

"Hotels kämpfen um jeden Gast"

«Wir gehen für dieses Jahr von einer maximalen Auslastung von 40 Prozent der Hotelzimmer aus - 2019 lag die Belegung bei über 80 Prozent», sagte Lengfelder. «Der Umsatz pro verfügbares Zimmer wird noch mehr im Vergleich zum Vorjahr verlieren, weil viele Hotels die Zimmerraten deutlich gesenkt haben. Wegen der geringen Zimmerbelegung kämpfen die Hotels um jeden Gast.»

Lengfelder rechnet damit, dass das Vorkrisenniveau beim Umsatz frühestens 2022 wieder zu erreichen ist. Und selbst daran gebe es noch große Zweifel. Insolvenz angemeldet hätten bisher nur wenige Häuser. Und noch einen Lichtblick gibt es: «Bisher sind uns keine Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus in der Berliner Hotellerie bekannt.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der niederländische Hotelbetreiber Fletcher Hotels hat zum 1. April 2026 das Parkhotel Olsberg-Winterberg in Deutschland übernommen. Das teilte das Unternehmen mit. Mit der Übernahme stieg die Zahl der Häuser in Deutschland auf 25 Hotels.

Das Leonardo Köln hat seine dreimonatige Modernisierung abgeschlossen und bietet nun 165 renovierte Zimmer sowie erweiterte Tagungskapazitäten an. Die Investition am Standort Köln umfasst zudem die Neugestaltung der Gastronomie- und Fitnessbereiche.

Die Berufungsinstanz der niederländischen Werbekodex-Kommission hat im Verfahren um die Verwendung von Hotelsternen auf Online-Buchungsplattformen eine richtungsweisende Entscheidung getroffen.

Die niederländische Berufungsinstanz hat eine frühere Empfehlung gegen Booking.com bestätigt. Nach der Entscheidung muss die Plattform klarer darauf hinweisen, wenn Hotels in den Niederlanden die angezeigten Sterne unter Umständen selbst festgelegt haben.

Die Odyssey Hotel Group übernimmt mit dem Moxy und dem AC Hotel am Humboldthain Park ihre ersten zwei Häuser in Berlin. Der Zuwachs von 233 Zimmern ist Teil einer Expansionsstrategie, die eine Vergrößerung des Portfolios auf 8.000 Zimmer bis zum Jahr 2028 vorsieht.

Es sollte ein schickes Hotel in einer historischen Fabrik in Augsburg werden. Doch für mehr als 100 Anleger wurde es zum Albtraum. Nun hat ein Gericht die Verantwortlichen reihenweise verurteilt.

B&B Hotels schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Umsatzplus und 21 Neueröffnungen ab. Das Unternehmen setzt auf eine verstärkte Expansion in der Region Central and Northern Europe sowie auf umfassende Investitionen in die Modernisierung seines Bestands.

Das The Baltic View auf Rügen nimmt Ende des Monats den Betrieb auf. Das erste deutsche Haus der Brionj Luxury Hotel Collection setzt auf 14 Apartments mit privater Sauna und Anbindung an ein Spa-Resort.

Donald Trump plant in Miami den Bau einer präsidentiellen Bibliothek in Form eines Hochhauses inklusive eines integrierten Hotels. Das Projekt der Trump Organization setzt auf eine multifunktionale Nutzung und eine Architektur, die an das Design von Kreuzfahrtschiffen angelehnt ist.

Der Hotelkonzern Accor hat eine Absichtserklärung zum Verkauf seiner Beteiligung an Essendi (ehemals AccorInvest) unterzeichnet. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der Anteil von 30,56 Prozent an ein Konsortium aus Blackstone und Colony IM veräußert werden.