Kritik an Marriott nach Sonder-Liquidierung

| Hotellerie Hotellerie

Die Liquidation von Sonder Holdings, einem Betreiber von Apartment-Hotels, hat Marriott International in die Schlagzeilen gebracht (Tageskarte berichtete). Seit dem abrupten Zusammenbruch der Lizenzvereinbarung sieht sich Marriott mit erheblichem Gegenwind seitens der Gäste konfrontiert. 

Sonder Holdings Inc. hatte am 10. November 2025 die sofortige Einstellung des Geschäftsbetriebs sowie die Einleitung eines Chapter 7 Liquidationsverfahrens in den USA und entsprechender Insolvenzverfahren international bekannt gegeben. Diese Entscheidung folgte unmittelbar auf die Beendigung der Lizenzvereinbarung durch Marriott am 9. November 2025, die Marriott mit einer Vertragsverletzung seitens Sonder begründete.

Chaos bei Reisenden: Keine Rückerstattung durch Marriott möglich

Der Kollaps von Sonder führte zu weitreichenden Störungen für Reisende. Marriott informierte Gäste, deren Buchungen über Sonder liefen, dass diese nicht länger gültig seien.

Die Situation spitzte sich vor allem bei Rückerstattungen zu: Da die Zahlungen der Gäste direkt an Sonder geflossen waren, erklärte Marriott, keine Rückerstattungen ausstellen zu können. Betroffene Reisende sind gezwungen, nun Kreditkartenstreitigkeiten einzuleiten, um ihr Geld zurückzufordern.

Reisende berichteten von massiver Frustration, da sie mit weniger als einem Tag Vorlauf zur Räumung ihrer Unterkünfte aufgefordert wurden. Zudem trafen sie auf entlassenes Personal, das keine Hilfe leisten konnte.

Reputationsrisiko für Marriott im Fokus der Kritik

Das Scheitern der Kooperation und die daraus resultierenden Folgen für die Gäste werfen einen Schatten auf Marriott. Kritiker argumentieren, der Hotelriese habe die finanzielle Instabilität von Sonder unterschätzt. Das Ergebnis: Die Gäste müssen nun die Konsequenzen der gescheiterten Partnerschaft tragen.

Die Reputationsrisiken für Marriott werden hervorgehoben. Der Vorfall zeige exemplarisch die Gefahr der „Asset-Light“-Expansionsstrategie auf, bei der große Marken ihre Zimmeranzahl schnell durch Verträge mit externen Betreibern steigern, ohne die volle operative Kontrolle oder die Haftung für die Gästefinanzierung zu übernehmen.

Finanzielle Schieflage und verzögerte Integration als Auslöser

Die Liquidierung von Sonder war das Ergebnis langanhaltender finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens, einschließlich hoher Verluste und verzögerter Berichtsabgaben.

Als zentrales Problem nannte die Interim CEO von Sonder, Janice Sears, in einer Pressemitteilung die erhebliche Verzögerung bei der technischen Integration der Sonder-Systeme mit denen von Marriott International. „Unsere Integration mit Marriott International war erheblich verzögert [...], was zu signifikanten, unvorhergesehenen Integrationskosten sowie einem deutlichen Umsatzrückgang aufgrund der Teilnahme von Sonder am Marriott Bonvoy Reservierungssystem führte“, erklärte Sears. Diese Probleme hätten zu einem erheblichen und materiellen Verlust an Betriebskapital beigetragen.

Die ursprünglich am 22. August 2024 angekündigte Partnerschaft, die über 9.000 Apartments in die Marriott-Systeme integrieren sollte, hatte das Ziel, Marriott Zugang zu Apartment-Hotels für Langzeitaufenthalte zu verschaffen und Sonder durch das umfangreiche Vertriebssystem von Marriott zu stärken. 

Marriotts Priorität: Unterstützung der Gäste

Marriott International betonte, die unmittelbare Priorität liege in der Unterstützung betroffener Gäste. Dies betrifft sowohl aktuelle Aufenthalte als auch zukünftige Reservierungen.

Gäste, die direkt über Kanäle wie marriott.com oder die Marriott Bonvoy App gebucht hatten, sollen aktiv kontaktiert werden. Kunden, die über Drittanbieter-Online-Reisebüros buchten, müssen sich jedoch direkt an diese Anbieter wenden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Österreichs Hotels erwarten für die Wintersaison stabile Übernachtungszahlen, aber rückläufige Betriebsergebnisse. Hohe Beschäftigungskosten, zurückhaltende Gästeausgaben und erschwerte Finanzierungen belasten die Betriebe.

Six Senses plant für 2027 vier Neueröffnungen in Mailand, Spanien, Tel Aviv und Saudi-Arabien. Vorgesehen sind Stadthotels, ein Resort auf einem historischen Anwesen und eine Anlage in einer Wüstenlandschaft.

Das Designer Motel glockna in Fusch an der Großglocknerstraße hat fünf Chalets und einen Infinitypool fertiggestellt. Die Eröffnung des Hotels mit Zimmern, Suiten, Spa und Restaurant ist für den 19. Dezember 2026 geplant.

Hotels unter einer Marke stellen inzwischen 45,5 Prozent der Hotelzimmer in Deutschland. Der DACH-Bericht von Horwath HTL dokumentiert steigende Markenanteile in allen drei Ländern und die Expansion durch Marken- und Betreiberwechsel.

Charlotte Pauls ist in den Bremer Familienbetrieb rund um das Hotel Munte eingetreten. Sie und ihr Cousin Luca vertreten die fünfte Generation der Unternehmerfamilie und sollen Mitte 2027 gemeinsam die Betriebsleitung übernehmen.

Premier Inn meldet zehn Hoteleröffnungen und 19 Prozent mehr Halbjahresumsatz in Deutschland. Zugleich steigt der bereinigte Vorsteuerverlust auf acht Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr hält Whitbread am Gewinnziel für Deutschland fest.

Relais & Châteaux stellt seinen 580 Mitgliedern die Plattform MyImpact zur Verfügung. Sie erfasst CO₂-Bilanzen der Hotels und schätzt mögliche Emissionsminderungen; ab 2027 sollen betriebliche Praktiken auch in die Bewertung der Häuser einfließen.

May & Co. plant neben dem Kölner Dom ein Hotel mit rund 250 Zimmern. Die Untergeschosse des bestehenden Büro- und Geschäftshauses sollen erhalten bleiben; die Fertigstellung ist für Mitte 2030 vorgesehen.

Die So!Apart 2026 diskutiert das Verhältnis von Hotellerie und Apartmentsegment sowie Fragen zu Finanzierung und Buchungen über KI-Suche. Die Fachtagung findet am 18. und 19. November im Berliner Metropol statt.

 

Die Hotelstars Union sieht Fortschritte bei der Kennzeichnung der Hotelsterne in KI-Assistenten und auf Buchungsplattformen. Sterne sollten ausschließlich für offiziell klassifizierte Hotels verwendet und Bewertungen europaweit einheitlich dargestellt werden.