Mainz beschließt Bettensteuer ab Juli 2026

| Hotellerie Hotellerie

Der Mainzer Stadtrat hat die Einführung einer Bettensteuer beschlossen. Medienberichten zufolge sollen Gäste ab dem 1. Juli 2026 für Übernachtungen in Hotels und Gästezimmern in Mainz je nach Staffelung zwischen zwei und fünf Euro zusätzlich pro Nacht zahlen.

Nach Angaben der Stadt Mainz sollen durch die neue Abgabe jährlich rund vier Millionen Euro eingenommen werden. Das Geld soll unter anderem zur Finanzierung von Kulturangeboten und touristischen Veranstaltungen verwendet werden. Die Hotels sollen die Steuer von den Gästen einziehen und an die Stadt weiterleiten.

DEHOGA forderte kurz vor Beschluss erneute Vertagung der Entscheidung

Kurz vor der Abstimmung hatte der DEHOGA Rheinland-Pfalz erneut versucht, die Entscheidung zu stoppen. In einer Pressemitteilung appellierte der Verband an den Mainzer Oberbürgermeister und die Mitglieder des Stadtrats, den Tagesordnungspunkt zur Einführung der Bettensteuer abzusetzen und weitere Gespräche über einen Gästebeitrag aufzunehmen.

Der Verband erklärte laut Mitteilung, man könne auch mit der zuletzt angepassten Satzung „nicht leben“. DEHOGA-Präsident Gereon Haumann sagte: „Es ist und bleibt eine Bettensteuer-Satzung mit allen hinlänglich bekannten Schwächen.“

Der Verband verwies zudem auf offene organisatorische, rechtliche und wirtschaftliche Fragen. Nach Angaben des DEHOGA könnten zahlreiche Reservierungssysteme die unterschiedlichen Steuerstufen technisch nicht umsetzen. Eine kurzfristige Einführung zum 1. Juli 2026 sei deshalb „rechtlich wie wirtschaftlich problematisch“.

Stadt Mainz ergänzt Satzung vor Abstimmung im Stadtrat

Vor der Abstimmung hatte die Stadt den Satzungsentwurf nach Medienberichten noch angepasst. Ergänzt wurde unter anderem eine Übergangsfrist: Für Übernachtungen, die vor dem 1. Mai 2026 gebucht wurden und bis spätestens Ende März 2027 stattfinden, soll keine Bettensteuer erhoben werden.

Hintergrund seien Bedenken von Hoteliers gewesen, wonach sich Gäste bei bereits bestehenden Buchungen kaum auf nachträgliche Preisänderungen einlassen würden.

Außerdem wurde laut Bericht geregelt, dass künftig die Gäste als Schuldner gegenüber der Stadt gelten. Die Hotels bleiben jedoch dafür verantwortlich, die Steuer einzuziehen und Rechnungen auszustellen. Falls Gäste nicht zahlen, sollen die Hotelbetriebe nur unter bestimmten Voraussetzungen selbst zur Zahlung verpflichtet werden.

Die Satzung sieht zudem vor, dass die Stadtverwaltung in zwei Jahren prüfen soll, ob die Bettensteuer durch einen Gästebeitrag ersetzt werden kann.

Hotelbranche fordert weiterhin Einführung eines Gästebeitrags

Der rheinland-pfälzische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA hatte sich Medienberichten zufolge für einen Gästebeitrag statt einer Steuer ausgesprochen. DEHOGA-Präsident Gereon Haumann erklärte, ein solcher Beitrag erscheine ähnlich wie eine Kurtaxe separat auf der Hotelrechnung. Außerdem müsse ein Gästebeitrag im Gegensatz zur Steuer nicht in die Preisangaben auf Buchungsplattformen eingerechnet werden.

Nach Angaben Haumanns sei der bürokratische Aufwand für Hotels bei einem Gästebeitrag geringer als bei der nun beschlossenen Bettensteuer.

Die Stadt Mainz verweist dagegen darauf, dass ein Gästebeitrag zweckgebunden wäre und nur für touristische Zwecke verwendet werden dürfte. Finanzdezernent Daniel Köbler (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte demnach, die Stadt habe sich auch deshalb für das Steuer-Modell entschieden. Die Einnahmen könnten dadurch breiter eingesetzt werden.

Medienberichten zufolge sollen Teile der Einnahmen unter anderem für die Finanzierung der Straßenfastnacht und des Gutenbergmuseums verwendet werden. Zudem habe Köbler erklärt, ein Gästebeitrag würde in der Stadtverwaltung einen höheren Personalaufwand verursachen.

Mainzer Hoteliers kritisieren Aufwand durch neue Abgabe

Aus der Hotelbranche kommt weiterhin Kritik an der Entscheidung. DEHOGA-Präsident Haumann bezeichnete die kurzfristigen Änderungen laut Medienberichten als „kleine Trippelschritte“ und sprach von einem „fatalen Signal“ für Gastgeber.

Auch einzelne Mainzer Hoteliers äußerten laut Bericht weiterhin Vorbehalte. Julia Barth vom Favorite Parkhotel erklärte demnach, die Anpassungen der Satzung seien hilfreich. Die Abrechnung bleibe jedoch aufwendig, insbesondere wegen der Staffelung der Steuerbeträge zwischen zwei und fünf Euro.

Barth hoffe weiterhin auf die spätere Einführung eines einheitlichen Gästebeitrags.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Teaser: Scandic eröffnet im August 2026 ein weiteres Hotel in Berlin. Das Scandic Charlottenburg umfasst 214 Zimmer und ist der dritte Standort der Gruppe in der Hauptstadt. In dem Gebäude war vormals das Abba-Hotel unter gebracht.

Der Serviced-Apartment-Markt in Deutschland erlebt einen Strukturwandel: Erstmals dominieren Freizeitgäste das Segment, während sinkende Tagesraten und steigende Betriebskosten die Betreiber fordern. Dennoch bleibt der Expansionsdrang hoch.

Die Hotelstars Union wächst mit der Slowakei auf 22 Mitglieder an und fordert von Buchungsportalen wie Booking.com eine transparentere Darstellung von Hotelsternen, um die Irreführung von Verbrauchern zu stoppen.

Pressemitteilung

Das Qualifizierungsprogramm „Food Service Assistance“ von Deutscher Hotelakademie und Chickpeace wurde doppelt ausgezeichnet: mit dem eLearning AWARD 2026 und als Fernstudienprojekt des Jahres. Es richtet sich an geflüchtete Frauen und kombiniert digitale Lernformate mit praxisnaher Ausbildung – als Antwort auf Fachkräftemangel und fehlende Bildungszugänge in der Gastronomie.

Der Immobilienkonzern Aroundtown hat fünf Hotelimmobilien aus seinem Portfolio an einen neuen Betreiber übergeben. Künftig werden die Häuser unter der Marke Sunday Hotels, die zur Unternehmensgruppe Prism (ehemals OYO) gehört, geführt, wie das Unternehmen mitteilt.

Laut einem Accor-Bericht priorisieren Gäste die Gesundheit vor der Erschwinglichkeit bei der Speisenauswahl. Der Konzern reagiert mit einer Quote für pflanzliche Gerichte und einer Neuausrichtung seiner Nachhaltigkeitsstrategie.

Das aja Grömitz hat sämtliche 222 Zimmer sowie das Restaurant modernisiert. Die Maßnahmen wurden innerhalb von fünf Wochen im laufenden Betrieb durchgeführt und umfassen ein neues Gestaltungskonzept in Zusammenarbeit mit Hamburger Innenarchitekten.

Das Hotel Bella Vista in Trafoi soll laut Mitteilung am 22. Mai 2026 nach einem umfassenden Umbau wiedereröffnen. Das Haus in Südtirol wurde nach Angaben des Unternehmens architektonisch neu ausgerichtet. Verantwortlich für das Konzept ist der Architekt Matteo Thun, der einen neuen Gebäudeteil mit 24 Suiten entworfen hat.

Eine Studie von Amadeus zeigt: Deutsche Reisende sind bereit, für Ruhe, Sauberkeit und Zusatzleistungen im Hotel mehr zu zahlen. Gleichzeitig verändern sich Erwartungen an Erholung, Technologie und Nachhaltigkeit.

BWH Hotels Central Europe nimmt ein weiteres Haus in sein Portfolio auf. In der Skat-Stadt Altenburg wird ein modernisiertes Hotel unter der Marke Best Western betrieben.