Romantikhotel Alte Posthalterei: Neueröffnung in der Krise

| Hotellerie Hotellerie

Diese außergewöhnlichen Zeiten fordern Hoteliers Außergewöhnliches ab. Wie aber mag es einem Hoteliers-Paar gehen, das am 20. März 2020 sein Haus eröffnen wollte und gleich wieder schließen musste? So geschehen mit Marc und Manuela Schumacher und ihrem Romantikhotel Alte Posthalterei in Zusmarshausen bei Augsburg.Im Interview erzählen die beiden, wie es ihnen ergeht und wie sie das Beste aus der Situation machen.

Herr Schumacher, Sie und Ihre Frau haben das neu renovierte Romantikhotel Alte Posthalterei in Zusmarshausen bei Augsburg am 20. März 2020 eröffnet. Das war gleichzeitig der Moment, in dem durch die Pandemie der erste Lockdown in Kraft getreten ist. Wie war das für Sie? Wie haben Sie und Ihre Frau sich dabei gefühlt?

Wir waren natürlich als erstes geschockt. Aber haben uns dann gleich gefangen, und beschlossen, die Zeit zu nutzen, um uns noch besser aufzustellen. Wir haben alles nochmal auf den Prüfstand gestellt. Ausserdem haben wir unsere Arrangements weiterentwickelt, um nicht nur für Geschäftsreisende und Tagungsteilnehmer interessant zu sein, sondern auch für touristische Gäste ein noch umfangreicheres Angebot bieten zu können. Unser Naturell ist es nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern anzupacken!

Es muss doch schmerzlich gewesen sein, sich voller Enthusiasmus auf die Eröffnung zu freuen und dann so unsanft ausgebremst zu werden?

Schön war es nicht, aber es hat uns letztlich auch aufgezeigt, wo wir uns noch verbessern konnten und vor allem hat es uns als Team ungemein zusammen geschweisst.

Welche Vorbereitungen für die Eröffnung hatten Sie getroffen?

Wir hatten natürlich ein spektakuläres Programm über das ganze Wochenende geplant, mit regionaler Prominenz, Gala-Diner, Moderatoren-Team, Cirque du Soleil, Laser-Show, KinderProgramm, Tag der offenen Tür und natürlich einer richtigen Party, bis hin zu einer Eröffnungsparty für unsere Mitarbeiter. Jetzt hoffen wir, dass wir das zu unserem 3-jährigen Jubiläum nachholen können.
 

Die Alte Posthalterei ist ein geschichtsträchtiges Anwesen aus dem 17. Jahrhundert. In welchem Zustand hatten Sie es vorgefunden? Und wie kam es dazu, der ehemaligen Poststation neues Leben einzuhauchen?

Die Alte Posthalterei datiert von 1648. Es war schon vor unserer Sanierung ein gutes Hotel, allerdings nur mit 30 Zimmern und einem kleinen Restaurant. Dazu war es auf verschiedene Ebenen aufgeteilt. Zwei örtliche Unternehmer haben sich in diese „alte Diva“ verliebt und es sich zum Ziel gesetzt, sie ins heutige Leben zurück zu holen. Dies war für das Haus, aber auch für die Marktgemeinde Zusmarshausen, natürlich ein Glücksfall. Denn es braucht mutige Menschen, die ein denkmalgeschütztes Gebäude komplett sanieren und zu so etwas Herausragendem machen.

Wie lange hat die Bau- und Renovierungszeit gedauert und wie konnten Sie den Bogen spannen zwischen Antike und Moderne? Welches zeitgenössische Konzept schwebte Ihnen vor? Und mit welchen Architekten haben Sie zusammengearbeitet?

Die Renovierungszeit dauerte von 2016 bis 2020. Als Erstes mussten noch sämtliche Mieter des Gebäudes ausziehen, bevor wir 500 LKW-Ladungen voll altem Baumaterial herausreissen und entkernen konnten, um dann das Haus systematisch wiederaufzubauen. Gearbeitet wurde mit dem renommierten Architekturbüro Ott aus Augsburg, die für ihre Arbeit von der Bayerischen Architektenkammer mit dem Prädikat „Vorbildlich“ ausgezeichnet wurden. Herr Ott hatte den Mut das Projekt anzugehen und die alte Posthalterei in ein modernes und dennoch traditionsreiches Haus zu verwandeln. Wichtig war, den Charme und die Tradition zu erhalten, ohne dabei altbacken zu sein.

Einer Ihrer Schwerpunkte liegt auf Ihrem Küchen-Konzept. Mussten Sie Ihr Küchen- und Restaurant-Konzept verändern und den vorgegebenen Auflagen anpassen?

Nein, wir haben allerdings einige unserer Plätze eingebüßt und unseren Tagungsund Veranstaltungssaal mit in die Gastronomie integriert. Mit unserem wunderschönen Innenhof haben wir auch hier ein perfektes Erlebnis erzielen können. Unser Konzept war schon immer sehr regional und saisonal ausgerichtet, weswegen uns auch hier eine perfekte Symbiose gelungen ist.

Welche Maßnahmen mussten hinsichtlich der Pandemie-Auflagen getroffen werden?

Da wir von Anfang an mit der Hygieneakademie Augsburg zusammengearbeitet haben, hat sich in Sachen Hygiene und Desinfektion nicht viel geändert. Wir haben noch die Lüftungsaustausch-Systeme erhöht und in Hepa-Luftfilter investiert. Der Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. Natürlich sind leider einige unserer Sitzplätze gestrichen worden, damit wir den nötigen Abstand einhalten konnten. Darüberhinaus war uns die Schulung unserer Mitarbeiter zum eigenen Schutz eines unserer größten Anliegen! Wer arbeitet muss auch sicher sein.

Konnten Sie nach der Wiedereröffnung den Sommer nutzen und auf welche Weise?

Im Restaurant haben wir umgehend 3 „Rauten“ der ausgezeichneten Bayerischen Küche und 5 „Gusto-Pfannen“ erkocht. Im Hotel konnten wir begeisterte Gäste mit einem Kurzurlaub beglücken und haben dafür im Varta-Führer sogleich 2 „Diamanten“ und den Ambiente-Tipp erhalten, was uns natürlich sehr freut! Wir sind nun in der nächsten Welle der Pandemie und weiterem Lockdown, Ende noch nicht wirklich absehbar. Wie geht es Ihnen damit? Es tut uns unendlich leid für unsere Mitarbeiter, weil wir sie jetzt schon wieder in Kurzarbeit schicken müssen. Das schmerzt uns sehr. Natürlich ist es auch eine erneute Herausforderung, der wir uns zu stellen haben, aber auch jetzt nutzen wir die Zeit, um unsere neuen Arrangements zu gestalten, und unser Tun auf einen erneuten Prüfstand stellen. Unser Ziel ist es, uns immer weiter zu verbessern. Ausserdem nutzen wir die Zeit für unsere 7 Azubis, die wir nun intensiv schulen und weiter ausbilden.

Und wie geht es Ihren Mitarbeitern dabei?

Die Mitarbeiter stehen weiter voll hinter uns und unserer Alten Posthalterei. Es ist großartig, mit wieviel Leidenschaft sie sich mit tollen Vorschlägen und Ideen einbringen. Jeder verspürt den Drang wieder los zu legen und noch besser für unsere Gäste zu werden! Es ist schön, neben der eigenen Familie noch eine zweite hinter sich zu wissen!

Welchen Gast möchten Sie ansprechen und in der Zukunft fokussieren und worin liegt Ihr USP?

Wir möchten natürlich nach wie vor den MICE-Gast aber auch jenen Gast ansprechen, der in erster Linie Erholung und Kulinarik sucht. Neben unserer ausgezeichneten, regionalen Küche und unserem schönen Haus, hat die Region mit dem Naturpark Westliche Wälder, das UNESCO Weltkulturerbe in Augsburg und natürlich das Legoland vieles zu bieten. Hier lässt es sich sehr gut entspannen und auftanken, wandern, biken, entdecken und natürlich geniessen, ohne überfüllt zu sein.

Was würden Sie sich von 2021 wünschen?

Dass wir das Virus in Griff bekommen und unsere Mitarbeiter mit ihren Familien, sowie aber auch wir und unsere Gäste gesund bleiben.

Noch Visionen?

Wir wollen in Süddeutschland zu den Besten gehören und unsere Position natürlich noch weiter ausbauen und darauf freuen wir uns!


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Arcotel Hotels ziehen Bilanz ihrer Umweltschutzinitiative und melden eine Spendensumme von einer Million Euro seit dem Jahr 2015. Neben dem freiwilligen Verzicht auf Zimmerreinigungen setzt das Unternehmen auf hoteleigene Bienenstöcke und Bildungsprojekte für Kinder.

Marriott International wandelt die Münchner Immobilie Dein Apart in ein Hotel der Marke Element by Marriott um. Das Haus in Unterföhring soll im September 2026 mit 561 Studios und Apartments für längere Aufenthalte eröffnen.

Das 25hours Hotel beim MuseumsQuartier in Wien hat die Neugestaltung des Lobbybereichs abgeschlossen. Neben veränderten Raumstrukturen und Arbeitsbereichen wurde das Design grundlegend überarbeitet.

Die Kempinski Group will künftig wieder stärker auf eigene Hotelimmobilien setzen. Konzernchefin Barbara Muckermann begründet den Strategiewechsel mit veränderten Erwartungen wohlhabender Gäste: „Sie bezahlen für etwas Unverwechselbares. Sie bezahlen nicht für Vanillejoghurt.“

Der Gassenhof in Ratschings bei Sterzing kündigt für den Sommer 2026 umfangreiche Neuerungen an. Geplant sind neue Suiten, zusätzliche Familienbereiche im Wellnessangebot sowie ein neues Restaurantkonzept.

Das ehemalige Hotel Schloss Spyker auf Rügen soll im Juni 2026 zwangsversteigert werden. Der angesetzte Verkehrswert für das frühere Hotelensemble liegt laut amtlicher Bekanntmachung bei 2,84 Millionen Euro.

Die Dormero Hotelgruppe übernimmt das Hotel Mader im oberösterreichischen Steyr mit 59 Zimmern. Das Unternehmen erweitert damit seine Präsenz auf dem österreichischen Markt auf insgesamt fünf Hotelstandorte und prüft bereits weitere Objekte.

BWH Hotels hat Gäste über einen monatelangen Zugriff auf Reservierungsdaten informiert. Laut einem Schreiben des Technologiechefs Bill Ryan waren personenbezogene Daten betroffen, Zahlungsinformationen jedoch nicht.

Laut einer Marktanalyse von Christie & Co erzielen privat geführte Hotels in Wien höhere Zimmerpreise als Markenhotels. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck im Wiener Hotelmarkt nach Angaben des Unternehmens weiter zu.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes führt den Motel-One-Mitgründer Dieter Müller in seiner aktuellen Liste der Milliardäre. Nach Angaben des Magazins verfügt Müller über ein Vermögen von 1,3 Milliarden US-Dollar. In der weltweiten Rangliste wird er auf Platz 2994 geführt.