Übernachtungen in Thüringen unter Niveau von vor Corona / Preise steigen

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Thüringen bleibt das Land für Kurztrips und hat bei Gäste- und Übernachtungszahlen das Niveau von vor der Corona-Krise bisher nicht wieder erreicht. Das geht aus den Tourismuszahlen für das erste Halbjahr hervor, die das Statistische Landesamt am Freitag in Erfurt veröffentlichte. Danach kamen von Januar bis Ende Juni 1,4 Millionen Gäste in den Freistaat. Sie buchten 3,8 Millionen Übernachtungen in Hotels, Pensionen oder auf Campingplätzen. Im Schnitt blieben sie 2,7 Tage, ermittelten die Statistiker.

Im Vergleich zur ersten Hälfte des Coronajahrs 2021, in dem Gastronomie und Hotellerie über Wochen fast lahmgelegt waren, verzeichnete Thüringen fast eine Verdopplung der Gästezahlen mit einem Plus von 989 000. Die Zahl der Übernachtungen stieg sogar um rund 2,2 Millionen. Beide Werte blieben aber deutlich unter 2019 - dem Jahr vor der Corona-Pandemie.

Die Gästezahl lag nach Angaben des Landesamtes fast 24 Prozent unter der im ersten Halbjahr 2019, die der Übernachtungen um rund 19 Prozent. Rückgänge gab es in allen Regionen. Die geringsten Verluste verbuchte danach die Region Südharz/Kyffhäuser mit minus 12 Prozent. Weit entfernt von den Zahlen von 2019 waren Thüringens wichtigste Reiseziele, die Städte Eisenach, Erfurt, Jena, Weimar und der Thüringer Wald. Allein dort seien im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum insgesamt 617 000 Übernachtungen weniger gebucht worden.

Energiekrise lässt Preise in Thüringens Gastgewerbe steigen

Sauna, Schwimmbad oder Veranstaltungsräume über den Winter schließen? Die steigenden Energiepreise stellen Hoteliers vor schwere Entscheidungen. «Die Preise für Übernachtungen werden in Thüringen definitiv steigen», erklärt der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Dirk Ellinger. Die aktuellen Entwicklungen stellten viele Unternehmen vor neue existenzielle Herausforderungen. Aktuell gebe es zwar noch keine größeren Verwerfungen, das werde sich in den nächsten Monaten aber vermutlich ändern.

 

«Aktuell versuchen wir in erster Linie, alle Prozesse im Hintergrund zu optimieren und dafür zu sorgen, dass unsere Gäste von den Entwicklungen nichts mitbekommen», erklärt Marcel Gerber vom Aktiv & Vital Hotel Thüringen in Schmalkalden. 95 Betten, zwei Pools und vier Saunen sorgten für hohe Zusatzkosten - von der Wäsche bis hin zur Heizung. Aktuell werde das alles aus den eigenen Rücklagen finanziert. Eine Schließung der Saunen oder andere Einschränkungen im Wellnessbereich seien Gästen, die ihren Aufenthalt teilweise schon lange im Voraus gebucht hätten, nicht zumutbar. «Zum Jahresende werden wir um eine Erhöhung der Preise aber nicht herumkommen.»

Im Gasthof «Zum Reifberg» in Stützerbach wurden Sauna und Wellnessbereich schon geschlossen und der Restaurantbetrieb eingeschränkt, wie Inhaber Jens Löser sagt. Auch die Preise mussten in dem Betrieb mit zwölf Betten erhöht werden. Nachdem vom Energieversorger zeitweise eine Verfünffachung des Gaspreises angekündigt wurde, seien die Kosten aktuell etwa um mehr als das Doppelte gestiegen. Der geplante Ausbau der Bettenzahl habe sich aufgrund der ungewissen Aussichten zerschlagen. «Wir suchen nach einem Weg, wissen aber nicht, wie es weitergehen soll.»

Besonders schwierig sei der Ausblick auf den Winter für Häuser mit großen Veranstaltungsräumen, so Ellinger. Bei winterlichen Temperaturen und vervielfachten Energiekosten sei es in manchen Fällen rentabler, Tagungsräume oder Hallen für Veranstaltungen zu schließen, anstatt Verluste einzufahren.

Das Gastgewerbe stehe gleich von mehreren Seiten unter Druck, fasst Ellinger zusammen: Nach den Einschränkungen durch die Corona-Krise stünden die Unternehmen nun vor neuen finanziellen Belastungen. Hinzu komme der Personalmangel. Der ungewisse Ausblick auf neue Corona-Beschränkungen, steigende Kosten für Privathaushalte und die Inflation sorgten gleichzeitig für Zurückhaltung bei den Gästen. Eingeschränkte Angebote, Hotelzimmer mit 18 Grad Raumtemperatur oder kalte Pools seien ungeeignet, die Reiselust zu steigern. Auch einen Nachfolger zu finden, sei unter diesen Umständen kaum möglich, so Ellinger. Dabei liege der Altersdurchschnitt bei Thüringer Hoteliers aktuell bei über 57 Jahren.

Die neuen Tarifverträge für Personal im Gastgewerbe seien zwar gut, sorgten aber für weitere hohe Kosten in einer schweren Zeit, ergänzt Gerber. Zudem müssten ab Herbst die ersten Raten aus den ersten Corona-Hilfen zurückgezahlt werden. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien sei schwierig: Aktuell seien in Thüringen auch für Unternehmen alle Förderprogramme geschlossen, wie auch ein Sprecher der Thüringer Aufbaubank bestätigt.

Ein Weg aus dem Dilemma scheint schwierig. Marcel Gerber hofft auf neue Förderprogramme, um die gestiegenen Kosten durch erneuerbare Energien abzufedern - und darauf, dass die Tilgung der Corona-Hilfen verschoben wird. Jens Löser fordert eine Deckelung der Energiepreise, wie es auch in anderen Ländern gehandhabt wurde. Ellinger zufolge mussten zwischen 2019 und 2020 im Freistaat fast 600 Betriebe schließen. «Wir rechnen damit, dass wir noch mehr verlieren werden.» Ohne zusätzliche Hilfen würden weitere aufgeben müssen. Die Branche brauche zudem klare Aussagen von der Politik, wie es im Herbst und Winter weitergehe. (dpa)


 

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